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    Diez: Im Camp angekommen verlieren Menschen Angst

    Es sind vor allem die Ehrenamtlichen, die dafür sorgen, dass es den Flüchtlingen in der Freiherr-vom-Stein-Kaserne gut geht.

    „… und isst sich satt“, schallt es aus dem CD-Spieler in der Kinderstube der Notunterkunft, in der sich der rheinland-pfälzische Innenminister Roger Lewentz zufrieden umschaut. Sich satt essen, sicher fühlen, gut aufgenommen werden: Das erleben die Flüchtlinge in der Diezer Freiherr-vom-Stein-Kaserne. Die DRK-Helfer nennen sie „Gäste“ und behandeln sie auch so, freundlich, aufmerksam und hilfsbereit.

    Die Kinder zwischen einem und sechs Jahren spielen, Memory und Puppen sind beliebt - weitere Spielsachen können gespendet werden, um in der Kinderstube und auf den Familienzimmern für Abwechslung und Spaß zu sorgen. Oberst Erwin Mattes, Kommandeur der Landeskommandos Rheinland-Pfalz und wichtiger Verbündeter bei der Nutzung von Kasernen als Flüchtlingsunterkünfte, beugt sich zu einem kleinen Jungen hinunter. Der zeigt keinerlei Scheu vor dem uniformierten Mann, hebt die Hand und klatscht Mattes beherzt ab.

    Dies ist eine zentrale Erfahrung, wenn die Flüchtlinge ankommen: dass die teils üblen Erlebnisse, die sie mit Uniformträgern in ihren Herkunfts- oder Transitländern hatten, sich hier nicht wiederholen. Dass sie weder abgezockt noch misshandelt oder fortgeschickt werden, sondern Menschen in Uniformen ihnen helfen. Im Diezer Camp, das immer noch komplett ehrenamtlich von Mitgliedern des DRK, THW oder der umliegenden Feuerwehren betrieben wird, begegnen den Flüchtlingen fast ausschließlich uniformierte Helfer.

    Zahllose Betriebe schickten ihre in Hilfsdiensten ehrenamtlich engagierten Mitarbeiter, ohne nach Stundenzetteln zu fragen und sich zuvor um eine Kostenerstattung zu kümmern, lobt DRK-Landespräsident Rainer Kaul. Eine drängende Frage richtet Kaul vor dem Hintergrund dieser großen Beanspruchung der Ehrenamtler an Lewentz: Wann kommen die hauptamtlichen Kräfte? Wo bleiben die 400 von geplanten 2000 vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) eingestellten Mitarbeiter, die in den Unterkünften dringend gebraucht werden? „Ich sage meinen Leuten: Wenn jemand sich meldet und geeignet ist - sofort einstellen!“, berichtete Kaul. Gertrud Walter, Geschäftsführerin des DRK Rhein-Lahn, weiß von vielen Anfragen, obwohl die Stellen befristet (bis Ende 2016) ausgeschrieben werden.

    Die Kommunen bereiten sich vor, Mitarbeiter in die Einrichtung abzuordnen, wenn sie offizielle Aufnahmeeinrichtung für Asylbegehrende (AfA) wird - viele Interessenten haben sich bereits gemeldet. Josef Maldener, Leiter der Diezer Justizvollzugsanstalt, geht bereits mit gutem Beispiel voran: Er hat die kommissarische Leitung der Notunterkunft übernommen. „Herr Maldener und Oberst Mattes stellen derzeit 98 Prozent ihrer Arbeitskraft in den Dienst der Flüchtlinge“, weiß Lewentz zu schätzen. Und so vermittle man den Gästen das wichtige Gefühl: Ihr seid jetzt erst mal angekommen.

    DRK-Landesgeschäftsführerin Anke Marzi erklärt, dass die Hilfsbereitschaft auch unter den Flüchtlingen groß sei: „Sie helfen sich, auch sprachlich.“ Das bestätigt Oliver Laux-Steiner, Sprecher des DRK Rhein-Lahn. Manchmal werde „eine Frage von Englisch nach Italienisch, dann nach Israelisch und von dort ins Arabische übersetzt und die Antwort rückwärts. Aber es funktioniert“, sagt Laux-Steiner. DRK-Kreisvorsitzender Zlatko Neckov betont, wie wichtig der Einsatz zweier Ärzte iranischer und irakischer Herkunft sei, um gerade in der medizinischen Versorgung für Verständigung zu sorgen. Katrin Maue-Klaeser

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