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Westumer St. Martin freut sich auf die Kinder

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Udo Walbröhl begeistert als St. Martin die Kinder um Sinzig. Nur betrunkene Jugendliche, die sein Pferd mit Bierdosen bewerfen, stören ihn.
Udo Walbröhl begeistert als St. Martin die Kinder um Sinzig. Nur betrunkene Jugendliche, die sein Pferd mit Bierdosen bewerfen, stören ihn.
Foto: Hans-Jürgen Vollrath

Der erste Termin kam für die Sinziger Kinder der Regenbogengrundschule mit dem 3. November sehr früh. "Sonst komme ich mit den Veranstaltungen nicht mehr hinterher", sagt der 51-jährige Walbröhl. "Und zwei Termine an einem Tag möchte ich weder den Kindern, noch den Pferden, noch mir zumuten."

Den 10. November, einen Tag vor dem eigentlichen Namensfest, hat er sich für Westum vorbehalten. Das ist auch für ihn etwas Besonderes, nicht nur weil es ein Heimspiel ist. "Hier ist es Sitte, dass auch der arme Mann, für den St. Martin seinen Mantel teilte, mitläuft. Er ist ganz in schwarz gekleidet und veranschaulicht die ganze Geschichte um die Barmherzigkeit noch deutlicher", sagt der heilige Mann in spe.

Nachdem diesen Part 14 Jahre lang sein Freund Uwe Funk übernommen hatte, schlüpft nun schon zum zweiten Mal Walbröhls Sohn Dennis in diese Rolle. "Das kann auch nicht irgendjemand tun, da auch der arme Mann auf einem Pferd sitzt", sagt Udo Walbröhl. "Und um durch eine enge Gasse von Menschen mit Blaskapelle im Schlepptau zu ziehen, muss man das Tier kennen und im Griff haben." Auch sei es in Westum Tradition, dass wirklich jeder – ob Kind oder Erwachsener – kommen kann und ein Weckbrötchen, Schokolade und eine Tüte Gummibärchen bekommt. In manchen Ortsteilen würden dagegen noch Lose für die Wecken verkauft.

Was Udo Walbröhl gar nicht behagt, ist, wenn er für erzieherische Maßnahmen instrumentalisiert wird: "Wenn ich höre: ,Da kommt der St. Martin, und du bekommst nur einen Weck, wenn du auch brav bist', dann finde ich das nicht gerade toll." Auch sei es vorgekommen, dass manche Einrichtungen darauf bestehen, dass er nach der Veranstaltung Helm und Mantel vor den Kindern ablegen musste, um zu sagen: "Ich bin nur der Udo Walbröhl aus Westum, und ich habe Pferde." Das soll bewirken, dass die Kinder nicht mit Illusionen groß werden.

Sehr emotional ist für ihn selbst jedes Jahr sein Einsatz für den Bachemer Kindergarten für Behinderte. "Wenn ich sehe, wie strahlend die mich begrüßen, dann wird mir ganz anders", sagt er. Nach wie vor gerührt ist er, wenn die Kinder ihre Lieder und Gedichte vortragen, ihre Fackeln präsentieren, ihm stolz ihre selbst gemalten Bilder zum Fest überreichen oder sie noch lange nach den Umzügen in den Briefkasten werfen. "Und wenn ich dann inmitten der ganzen Laternen noch einen alten ausgehöhlten Knollekopp (Zuckerrübe) sehe, dann freue ich mich besonders. Solche Traditionen finde ich wichtiger als das ganze Spektakel um Halloween", betont Walbröhl.

Sehr genau nimmt er es mit der Sicherheit. "Manche Situationen sind nicht ungefährlich. So sitzen beim großen Umzug in Sinzig vor dem Entzünden des großen Feuers auf der Jahnwiese, wo sich alle Leute drängeln, des Öfteren schon alkoholisierte Jugendliche auf der Schlossmauer, grölen herum und bewerfen das Pferd mit Bierdosen oder ähnlichem", erzählt Walbröhl. Er sagt weiter: "Wenn da etwas aus dem Dunkeln angeflogen kommt, ist das äußerst riskant, da die Tiere dann auch mal unvorhergesehen einen Sprung zur Seite machen könnten. Deshalb ist wie bei allen Zügen immer eine Abordnung von Feuerwehr oder Polizei zur Absicherung vor Ort."

Für ihren Einsatz bei den Zügen wechseln sich Trakehner-Schimmel "Robin" und der braune Hannoveraner "Islan" ab. "Nach so einer Veranstaltung soll sich dann jeder von den beiden erst mal einen Tag lang auf der Wiese wieder den Kopf frei laufen. Da lege ich großen Wert drauf", unterstreicht Walbröhl seine Verantwortung als Tierhalter. Seine Einstellung liegt nicht zuletzt daran, dass er mit seinen vielen Pferden häufig auf Wettbewerben im Vielseitigkeitsreiten vertreten ist, selbst solche Begegnungen in Westum ausrichtet und auch diverse Lehrgänge. Zudem veranstaltet er alljährlich ein- oder zweimal eine Schleppjagd als Präsident des Horse Hunting Clubs Rheinland in Westum.

Von unserer Mitarbeiterin Judith Schumacher

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