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    RemagenRemagens Touristik-Papst geht aufs Altenteil

    „Wie, der hört auf? Der ist doch selbst die Rheinhalle?“, kam ernsthaft entsetzt von einem der zahlreichen Fans der Kleinkunstreihe in Remagens Kulturtempel als bekannt wurde: Touristik-Chef Martin Tillmann geht in Rente. Mit der Vorstellung der Musikclowns Gogol und Mäx am 28. April geht die Ära Tillmann zu Ende.

    Martin Tillmann war auch für die beliebte Kleinkunst- und Comedyreihe in der Rheinhalle verantwortlich. Die dortige Garderobe hat er mit vielen Erinnerungsstücken aus den vergangenen Jahrzehnten geschmückt.
    Martin Tillmann war auch für die beliebte Kleinkunst- und Comedyreihe in der Rheinhalle verantwortlich. Die dortige Garderobe hat er mit vielen Erinnerungsstücken aus den vergangenen Jahrzehnten geschmückt.
    Foto: Judith Schumacher

    Das bedeutet jedoch keinesfalls das Ende der langen Kette der Gastspiele von Berühmtheiten wie Markus Maria Profittlich, Wilfried Schmickler, Richard Rogler, Bernd Stelter, Lisa Fitz, Konrad Beikircher, Herbert Knebel oder vielversprechender Talente wie Matthias Brodowy und Barbara Ruscher. Denn Tillmann hat vorgesorgt, in dem er Marcel Möcking seit über einem Jahr auf diesen Posten vorbereitet. Der 38-jährige Remagener fühlt sich der Aufgabe gewachsen: „Ich bin doch schon mittendrin“, sagt er strahlend. Zwei Künstler der neuen Spielzeit hat der gelernte Hotelfachmann selbst ausgesucht. Hierzu reisen die Organisatoren der Reihe einmal im Jahr zur Freiburger Kulturbörse und beweisen eine gute Nase beim Entdecken neuer Künstler. Was Moderationen angeht, kann Möcking auf hinreichende Erfahrungen bei einem hiesigen Reiseunternehmen zurückgreifen, für das er seit 1997 unterwegs war. Zudem übernahm er auch Tillmanns Nachfolge als Kommandant der Remagener Stadtsoldaten und hatte das Amt des stellvertretenden Ortsvorstehers in Remagen inne. „Ich habe keinerlei Zweifel, dass Marcel die Sache gut weiter führen wird – außerdem werde ich ja nicht ganz aus der Welt sein“, betont der Leiter der Tourist-Info.

    An der Wand in seinem Büro hängt die Karikatur, die Jörg Knör ihm mit seinem unverkennbaren Zwirbelschnäuzer gefertigt hat. Mit vielen der Künstler, die nach Remagen kommen, ist Tillmann per Du. „Da stimmt einfach alles, die freuen sich immer, hier nach Remagen zu kommen“, sagt er. Dafür tut der Rheinhallen-Chef allerdings auch einiges. „Das ist die schönste Garderobe, die ich kenne“, hätte gerade erst Wilfried Schmickler angemerkt. Die Garderobe ist nicht nur Aufenthaltsort für die Künstler, sondern gleichzeitig Archiv. Relikte aus 25 Jahren (seit 1992) Kleinkunstreihe, in denen sich hier Charakterköpfe des Kabaretts die Klinke in die Hand gegeben haben, hat Tillmann als Erinnerungsstücke an seine Gäste angesammelt. Manche von ihnen sind mittlerweile so berühmt, dass sie nicht mehr nach Remagen kommen. Die beiden Mentalmagier Thommy Ten und Amélie van Toss etwa seien auch in den USA derart durchgestartet, dass die Stadt Remagen sie sich nicht mehr leisten kann. Dieter Nuhr, der dreimal in der Römerstadt gastierte, hat sich ausgebeten, nur noch dann zu kommen, wenn auch wirklich nur die Leute in der Halle sitzen, die nur ihn sehen wollen. Sprich: Keine Theaterabonnenten. Doch gerade die sind es, die dieses hohe Maß an Qualität der Kleinkunstreihe überhaupt erst möglich machen. Das Abo kostet 160 Euro, ermäßigt 140 Euro und ist auf andere Personen übertragbar, falls der Inhaber selbst einmal nicht kann. „Wir könnten außerdem diese hochwertigen Konzerte der Reihe Remagener Klassik nicht weiterführen, wenn wir nicht die Einnahmen aus dem Abo-Bereich der Kleinkunst hätten“, so Tillmann.

    Remagens Altbürgermeister Hans Peter Kürten war es, der Tillmann mit dem Aufbau der Kleinkunstreihe beauftragt hatte. Bereits nach zwei Jahren, in denen die Gäste im Foyer der Rheinhalle auftraten, zog die Veranstaltung in die große Halle um, die 1982 als erste kombinierte Sport- und Mehrzweckhalle mit angebautem Bühnenhaus in Rheinland-Pfalz gebaut wurde. Der eher zweckmäßige Liebreiz der Örtlichkeit stört die Künstler nicht, weiß Tillmann. Einige der der Gastspiele sind ihm unvergesslich ins Gedächtnis gebrannt. Die Bombendrohung etwa, bevor Harald Schmidt sich angekündigt hatte, die Polizei mit Sprengstoff-Suchhunden das komplette Areal absuchte und die Zuschauer von Beamten durch einen Metalldetektor geschleust wurden. Tillmann hatte auf die Bühne zwei Blumenrabatten von einer Veranstaltung im Foyer vom Vortag verfrachtet, was Schmidt mit: „Na, falls etwas passiert, ist wenigstens für Grabschmuck gesorgt“, quittierte. Persönlichkeiten wie Hanns Dieter Hüsch, Gaby Köster, Leo Bassi oder Werner Schneyder haben Tillmann besonders beeindruckt.

    Dass auch weiterhin alles glattgeht bei der Veranstaltungsreihe, dafür sorgt auch das Thekenteam mit Tillmanns Söhnen, Conny Reitz und Mayk Patella. Ihnen will Martin Tillmann auch weiterhin unter die Arme greifen, wenn Not am Mann ist. Seinen Ruhestand wird er unter anderem damit verbringen, die Remagener VHS zu begleiten. Und gerade erst wurde der 63-Jährige in die neue Enquetekommission Tourismus des Landes Rheinland-Pfalz berufen.

    Von unserer Mitarbeiterin Judith Schumacher

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