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Ahrtal

Ohne Konkurrenz: 100 Prozent Handlese

Bei der Generalversammlung der Dagernova standen die Zeichen auf Veränderung: Ein Weinmarkt unter Druck fordert die Genossen heraus. Sie setzen konsequent auf Qualität.

Die Lese per Hand ist einzigartig im Anbaugebiet Ahr. Damit wollen die Winzer noch mehr werben. Foto: Archiv Vollrath
Die Lese per Hand ist einzigartig im Anbaugebiet Ahr. Damit wollen die Winzer noch mehr werben.
Foto: Archiv Vollrath

1,99 Euro. Für diesen Dumpingpreis ist im Discounter ein Badischer Spätburgunder, Qualitätswein trocken, zu finden. „Billig können andere besser“, entgegnet Thomas Monreal, Geschäftsführer und Vorstandsvorsitzender der Dagernova-Winzergenossenschaft, die auf dem immer härter umkämpften Weinmarkt ihren Platz mit Qualität behaupten will. Bei der Generalversammlung schwor er die 204 anwesenden Genossen weiterhin konsequent auf einen Weg ein, der auf ein hohes Niveau setzt und im Schulterschluss mit dem Ahrwein e.V. das Ahrtal als Marke ins Bewusstsein der Verbraucher bringen will. Als ein Weinanbaugebiet mit Steillagen, in dem zu 100 Prozent selektiv per Hand gelesen wird und die Winzer im Jahr 1500 Arbeitsstunden pro Hektar investieren müssen. In Anbaugebieten, in denen Maschinen eingesetzt werden, sind es 300 bis 400 Stunden.

„Wir nennen uns nicht umsonst Weinmanufaktur“, so Monreal, der den Genossen zusammen mit Kellermeister Günter Schüller aus dem Vorstand den Rückblick auf ein erfolgreiches Geschäftsjahr für den Zeitraum 1. Juli 2016 bis 30. Juni 2017 gab. „Es war eines der umsatzstärksten Jahre“, so Monreal. Um 7,5 Prozent steigerte sich der Umsatz von knapp 7,8 Millionen Euro auf rund 8,4 Millionen Euro. Und mit einer Eigenkapitalquote von über 50 Prozent (rund sechs Millionen Euro) lässt sich auch mal ein Frostjahr überstehen.

Für langjährige Mitgliedschaft wurden geehrt (vorne von links) Robert Mathias Ley (60 Jahre), Gerhard Josten (50 Jahre) und Luise Marciniak (60 Jahre). Thomas Monreal und Günter Schüller (rechts) gratulierten. Foto: Vollrath
Für langjährige Mitgliedschaft wurden geehrt (vorne von links) Robert Mathias Ley (60 Jahre), Gerhard Josten (50 Jahre) und Luise Marciniak (60 Jahre). Thomas Monreal und Günter Schüller (rechts) gratulierten.
Foto: Vollrath

Deutlich über 50 Prozent der Weine werden an die Endverbraucher abgesetzt. Eine Herausforderung bleibt die Vertriebsleitung für Handel und Gastronomie, die der neu eingestellte Mirco Burkardt von Geschäftsführer Friedhelm Nelles übernommen hat, der 2017 in den Ruhestand verabschiedet wurde. Es drängt Import-Rotwein aus dem Ausland auf den Markt, außerdem liegen Rosé und Weißwein derzeit im Trend. Dagegen hält das Ahrtal mit der Botschaft der Einzigartigkeit, flankiert von einer Qualitätspyramide, die Orientierung gibt vom unkomplizierten Basiswein bis zu den Spitzenweinen aus der Einzellage. Gesucht werden nicht die Regalmeter, sondern die Nischen, die noch nicht belegt sind. So gebe es regionale Kooperationen, beispielsweise mit Bauern am Niederrhein, wo Weine von der Ahr in Hofläden stehen, die von Kunden aufgesucht werden, die für Lebensmittel auch gern mehr bezahlen, so Monreal. „Das ist kein Paletten-, sondern ein Kartongeschäft.“

Ausbaufähig ist nach Ansicht des Geschäftsführers der Export (Anteil bis jetzt rund 25 Prozent zusammen mit der Gastronomie). Vor allem in den Beneluxländern wie in den Niederlanden kommt der Ahrwein besonders gut an. „Vor unserer Vinothek ist ein extrem hoher Anteil an Autos mit gelben Nummernschildern zu finden“, so Monreal.

Beim Ausblick in die Zukunft zeichnet sich auch bei den Winzergenossen ab, dass die demografische Entwicklung ihren Tribut fordert. Weit über 50 Prozent der Winzer sind älter als 50 Jahre. „Es droht eine Überalterung, doch wir müssen dafür sorgen, dass das Flächenkontingent stabil bleibt,“ so Monreal. Der Trend ist jetzt schon erkennbar: Weniger Winzer werden wohl im Hauptberuf mehr Fläche bearbeiten, denn das heutige Berufsleben ist mit der Arbeit als Nebenerwerbswinzer oft nicht mehr vereinbar. Dabei ist es für Kellermeister Schüller wichtig, von Heimersheim bis Rech aus dem Reichtum aller Lagen schöpfen zu können: „Das Anbaugebiet Ahrtal hat so viele verschiedene Bodenarten wie sonst kein anderes. Das macht es spannend.“ Was das für die Preisgestaltung heißt, macht Monreal deutlich: „Wenn es für die Winzer auf einen Mindestlohn herausläuft, macht es keiner mehr.“

Von unserer Redakteurin
Beate Au

Bad Neuenahr-Ahrweiler
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