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    Kunst- oder Politaktion? Lesung aus dem Grundgesetz

    Wird das Grundgesetz ein Fall fürs Ordnungsamt? Am Wahlsonntag könnte das passieren - nicht nur in Oberlützingen sondern überall in Rheinland-Pfalz. Schuld daran ist Karin Meiner.

    Karin Meiner, künstlerische Leiterin des Artlab im Kunstpavillon Burgbrohl, hat die Grundgesetz-Aktion am Wahltag initiiert.
    Karin Meiner, künstlerische Leiterin des Artlab im Kunstpavillon Burgbrohl, hat die Grundgesetz-Aktion am Wahltag initiiert.
    Foto: Petra Ochs

    Das Thema Grund- und Menschenrechte ist dieser Tage durch die Vorgänge in der Türkei, Venezuela oder den USA in aller Munde. Doch ab und zu sollte man sich ihrer auch hierzulande wieder bewusst werden. Das dachte sich Karin Meiner, künstlerische Leiterin des Artlab im Kunstpavillon Burgbrohl. Für den Tag der Bundestagswahl, Sonntag, 24. September, plant sie deshalb eine besondere Aktion: Mit anderen Bürgern „eignet“ sie sich das Grundgesetz neu an, indem sie es öffentlich vorliest oder abschreibt, am liebsten im Wahllokal selbst, in ihrem Fall die Alte Schule in Oberlützingen. Gleichzeitig ruft Meiner Menschen in ganz Rheinland-Pfalz dazu auf, es ihr gleichzutun – entweder gemeinsam in Oberlützingen oder bei einer eigenen Aktion.

    Mit ihrem Plan ist Karin Meiner zunächst einmal auf viele fragende Gesichter gestoßen. Wir kommt sie überhaupt dazu? Und warum ausgerechnet am Wahltag und in einem Wahllokal, in dem politische Meinungsäußerungen streng tabu sind? Doch schnell fällt denen, die das fragen, dann aber auf, dass das Verlesen des Grundgesetzes in dem Sinne ja gar keine politische Meinungsäußerung ist, weil die Wahl und unser Staat auf eben diesem Gesetz beruhen – und das große Grübeln beginnt.

    Karin Meiner findet das köstlich: Das Grundgesetz wird ein Fall fürs Ordnungsamt und hat das Zeug dazu, die schön eingespielte Bürokratie ganz nett durcheinanderzuwirbeln. Auch wenn sie durch das Hin und Her immer noch nicht weiß, wo genau sie und ihre Mitstreiter sich am 24. September das Grundgesetz „wieder aneignen“ werden. Wird sie die Erlaubnis bekommen, sich zwischen 10 und 14 Uhr ganz in der Nähe der Wahlurnen in der Alten Schule in Oberlützingen niederzulassen, oder muss sie doch mit einem Plätzchen außerhalb der „Bannmeile“ im sicheren Abstand vor dem Wahllokal vorlieb nehmen?

    Doch wo immer sie sich das Grundgesetz auch vornehmen wird: Es soll in Rheinland-Pfalz nicht die einzige Grundgesetz-Aktion werden. Dafür hat Meiner mit einem Aufruf gesorgt, der sich wie folgt liest: „Treffen Sie sich am 24. September mit Familienmitgliedern, Hausgenossen, geladenen Freunden und Bürgern des Landes für einige Stunden, um das Grundgesetz zu lesen, sich schreibend anzueignen, darüber zu diskutieren oder engagiert kulturell, sozial und künstlerisch um- und einzusetzen. Gehen sie danach inspiriert und mit dem Gefühl, es nun zu wissen, zur Wahl!“

    Wo diese Zusammenkünfte stattfinden, sei jedem selbst überlassen: auf einer Wanderung, in privaten oder öffentlichen Räumen, Denkmälern, Kulturzentren, Cafés. Es sollen Räume sein, „die nie einen Kreis von Menschen gesehen haben, die wegen des Grundgesetzes zusammenkommen“, so Meiner. Wie dieses Treffen bezeichnet wird, sei ebenfalls offen; es könne auch eine öffentliche Kulturveranstaltung sein. Das Grundgesetz kann getanzt, gesungen oder in völlig neuer Form präsentiert werden. Und es gibt schon Ideen: Eine Frau will unter dem Motto „Wir feiern die Demokratie und das Grundgesetz“ eine Wahlparty veranstalten, eine andere möchte sich dem Grundgesetz stickend annähern.

    Und was ist Meiners persönliche Motivation für die Aktion, die in ihren Augen sehr wohl auch eine Kunstaktion ist? „Ich will zeigen, dass wir ein wunderbares Gesetz haben, das unsere Auswüchse in Grenzen halten kann“, sagt sie. Damit ist sie ganz auf einer Linie mit Theodor Heuss, der einmal gesagt haben soll, dass das Volk ein „bissiger Hund“ und das Grundgesetz sein „Maulkorb“ sei: Es biete einen Rechtsstaat, aber keine Demokratie im Sinne von Volksherrschaft.

    Wer sich in welcher Form auch immer an der Grundgesetz-Aktion beteiligen möchte, wird gebeten, sich per E-Mail an aim.ev@t-online.de oder info@hammes-meiner.de zu melden, um die einzelnen Gruppen untereinander informieren zu können. Auch Fotos von den Aktionen sind willkommen.

    Von unserer Mitarbeiterin Petra Ochs

    Inspirationsquellen

    Inspiriert wurde die Aktion durch das Projekt „Handwriting the Constitution“ der amerikanischen Künstlerin Morgan O’Hara, die zunächst in den USA, später auch in anderen Ländern der Erde das Abschreiben diverser Verfassungen (vorzugsweise in öffentlichen Häusern wie Bibliotheken und Rathäusern) zelebrierte. Auch für die Grundgesetz-Aktion in Burgbrohl wird O’Hara die „Patenschaft“ übernehmen. Eine weitere Inspirationsquelle ist die Grundgesetz-Wanderung von Ralf Peters.

    Seit geraumer Zeit bringt der Stimmkünstler das Grundgesetz wandernd an ausgesuchte Orte, um es dort zu rezitieren. peo

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