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Königsfeld

Königsfeld inszeniert das Mittelalter

Nur die besten Seiten des ansonsten so dunklen Mittelalters hatten sich die Königsfelder am Sonntag für ihre alle fünf Jahre stattfindende große Kirmes mit mittelalterlichem Markt- und Kirmestreiben herausgesucht. Tausende Besucher kamen und erlebten im über 1000-jährigen Ort mit seinen Fachwerkhäusern ein Fest der ganz besonderen Art.

Handwerker gingen gut gelaunt ihrer Tätigkeit nach; Maler, Töpfer und Kunstschmiede erstaunten mit filigraner Kunst, Gastwirte schenkten großzügig aus, sodass die Becher nur so überquollen, Bäcker boten ihre Köstlichkeiten feil, Musiker und Gaukler spielten ihre fröhlichen Lieder – und das alles vor der romantischen Kulisse des historischen Ortes.

Natürlich waren auch Händler da und priesen Blumengestecke und kunsthandwerkliche Dinge an. Etwas abseits auf einer Wiese hatten Ritter ihr Lager aufgeschlagen. Begleitet wurde das Spektakel von viel Musik der Rheintaler und der PGM Bigband sowie den ebenso witzigen wie spannenden Reckenspielen der Junggesellenvereine. Acht Viererteams mit Recken aus Dedenbach, Löhndorf, Schalkenbach-Vinxt, Oberzissen, Waldorf, Westum, Koisdorf und Heimersheim maßen ihre Kräfte.

Das Fest hatte schon am Samstag begonnen, als die Rheinland-Pfalz-Meisterschaften im Fähndelschwenken ausgetragen wurden. Dabei siegte Lothar Meuberg aus Unkel am Rhein. Das gelang ihm aber sicher nur deswegen so überragend, weil der Königsfelder Fähnrich Christian Wagner wegen Regelgründen gar nicht erst mitmachen durfte.

Eine besondere Herausforderung war sonntags das schon legendäre Schweinsblasenschleudern mit dem großen Tribock, ein Nachbau im Maßstab 1:1 der größten und präzisesten Wurfmaschine, die im Mittelalter bei einer Belagerung eingesetzt wurde. Jeweils zwei Recken feuerten die Schleuder ab, die anderen mussten die mit Wasser gefüllten Blasen in einem Tuch auffangen. Ging das daneben, war das für die Fänger zur Freude der Zuschauer eine nasse Angelegenheit. Tretmühlentreten in einem riesigen Hamsterrad, an einem Seil schwingen und der Kampf auf dem Pendelbalken erwiesen sich ebenfalls als Riesengaudi. Erst am Abend wurden im Festzelt die Sieger bekannt gegeben.

Doch nicht alle konnten sich nur vergnügen. Die durchweg mittelalterlich gekleideten Königsfelder mit Ortsbürgermeister Hans Josef Zipp und Festmitorganisator Paul Michels an der Spitze gaben sich alle Mühe, den vielen Gästen ihr mustergültig saniertes Dorf vorzustellen. Führungen durch die historische Pfarrkirche St. Nikolaus mit seinem im 13. Jahrhundert erbauten Chor sowie durch das 1742 erbaute Herrenhaus der Königsfelder Burg, das derzeit renoviert wird, gaben einen Einblick in die Geschichte der historischen Gebäude.

Viel zu sehen gab es im mit alten Möbeln und Geräten dekorierten Haus von Sylvia und Alfred Deres oder auch im Zehnthof des Gerhard von Landskron aus dem 13. Jahrhundert. Im Ortskern hatten die Bürger nicht nur ihre fantasievoll hergerichteten Hinterhöfe zum Verweilen geöffnet, sondern teilweise auch ihre Häuser. Überall gab es Gelegenheit, sich an lauschigen Plätzen niederzulassen und ganz einfach die schöne Stimmung zu genießen. Bis etwa 20.30 Uhr herrschte in den Gassen reges Treiben. Dann stürmte alles in das Festzelt zur Großleinwand: Ganz unmittelalterlich wurde das Europameisterschaftsspiel Deutschland-Dänemark angepfiffen.

Bad Neuenahr-Ahrweiler
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Nina Borowski

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