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Ahrweiler

Erdbeer-Einkauf mit Falschgeld: Trio fällt mit miesen Blüten auf

Horst Bach

Als sie mal wieder knapp bei Kasse waren, sollen drei junge Männer aus der Region zu kreativen, aber eben auch kriminellen Mitteln gegriffen haben, um an Geld zu kommen: Das Trio soll Überweisungsträger gefälscht und Falschgeld aus dem Internet in Umlauf gebracht haben.

Drei Männer sind mit Falschgeld beim Erdbeer-Einkauf aufgefallen.
Drei Männer sind mit Falschgeld beim Erdbeer-Einkauf aufgefallen.
Foto: dpa

Das jedenfalls wirft die Staatsanwaltschaft den drei Männern vor. Doch der Prozess vor dem Schöffengericht Ahrweiler stockt – schon wieder.

Die Hauptverhandlung hatte bereits im Herbst 2016 begonnen (die RZ berichtete). Weil noch weitere Zeugen benötigt und ein Gutachter gehört werden mussten, war seinerzeit der Prozess ausgesetzt worden. Mehr als sieben Stunden nach Wiederaufnahme wurde der Prozess nun abermals vertagt.

So schildert die Anklage das Vorgehen des Trios: Im Frühjahr 2014 waren Paul P., Fachkraft für Schutz und Sicherheit, der kaufmännische Lehrling Sven G. und der Postmann Michael V. (alle Namen geändert) wohl wieder einmal notorisch klamm. So kamen sie auf die Idee, sich mit gefälschten Überweisungsträgern frisches Geld zu besorgen. Außerdem besorgten sie sich gefälschte 50-Euro-Scheine – sehr bequem im sogenannten Darknet, dem dunklen und besonders anonymen Teil des Internets. 70 Blüten zum Preis von 450 Euro hatte sich die 27-jährige Fachkraft aus der Sicherheitsbranche laut Anklage nach Sinzig liefern lassen. „Wir haben das Geld zusammengelegt, um den Lieferanten aus Berlin zu bezahlen“, gab Paul P. auf der Anklagebank zu.

Mehr als die Hälfte der Scheine war aber offenbar von schlechter Qualität, die Farbtöne waren misslungen, stellte Paul P. heraus, der im Gegensatz zu seinen Mitangeklagten über einen stattlichen Eintrag im Bundeszentralregister verfügt. Das Papier sei teilweise zu dick, viel zu hell oder zu dunkel gewesen. 21 Scheine will er für sich behalten haben, zehn seien an seinen Bekannten Sven G. gegangen, und nur fünf an den 28-jährigen Spießgesellen Michael V.

Wer war denn nun der Drahtzieher? Sven G. jedenfalls nicht, wie er über seinen Anwalt mitteilen ließ. Er habe nur einen Kontakt zwischen den anderen beiden vermittelt, und über Falschgeld aus dem Darknet sei lediglich gesprochen worden. Von Paul P. sei dann auch das Startkapital in Höhe von 450 Euro gekommen. „Das Geld habe ich für mich behalten und verbraucht“, räumte G. kleinlaut ein.

Es bleibt ein kleines Rätsel, wie der Betrug trotz schlampiger Arbeit der Fälscher und der gravierenden Auffälligkeiten der Scheine überhaupt 15-mal funktionieren konnte. Laut Anklage seien die Blüten entweder im Alleingang oder im Duo unter anderem in Spielhallen in Meckenheim, beim Erdbeereinkauf in Bad Neuenahr oder auch bei einem Junggesellenfest in Grafschaft-Bölingen in Umlauf gebracht worden. Regelrecht „baff“ gemacht habe eine Erdbeerverkäuferin dabei die schwache Qualität eines sichergestellten 50-Euro-Scheines. „Das Fingergefühl am Schein stimmte schon nicht“, sagte die Frau jetzt im Zeugenstand. Der junge Käufer habe sich mit den Erdbeeren und dem Wechselgeld schnell mit einem Auto aus dem Staub gemacht. Doch sie konnte sich das Kennzeichen merken.

Und nun? Paul P.s Verteidiger forderte per Beweisantrag, dass der Laptop seines Mandanten untersucht wird, um zu zeigen, dass er nicht der Darknet-Besteller war. Die Vorsitzende Richterin Jessica Schmidt wies den Beweisantrag ab. Der Computer sei bereits untersucht worden, ohne relevante Spuren festmachen zu können.

In der Folge kam es zu weiteren Verzögerungen. Zumal die Beweisaufnahme nicht abgeschlossen werden konnte. Der Anwalt von Paul P. gab sich große Mühe. Er brauche eine angemessene Zeit, sich auf sein Plädoyer vorzubereiten. So fand der Prozess nach mehr als sieben Stunden ein vorläufiges Ende. Richterin Schmidt legte einen neuen Verhandlungstermin fest. Demnach sollen am Montag, 11. Dezember, der Schlussvortrag der Staatsanwaltschaft, die Plädoyers der Verteidigung gehalten und das Urteil gesprochen werden.

Von unserem Mitarbeiter Horst Bach

Bad Neuenahr-Ahrweiler
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