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    Bad Neuenahr

    Eiffelturm aus Postkarten: Baumaterial kommt von überall her [mit Video]

    Ein Eiffelturm aus Postkarten? Architektin Annette Bartsch reagiert mit dieser Aktion auf die Anschläge in Paris. Menschen von überall her schicken ihr Postkarten und liefern damit Baumaterial.

    Anna Biscontin und Monika Simon (von links) unterstützen ihre Chefin Annette Bartsch (rechts) beim Kleben der Postkarten in der Trinkhalle des Kurparks. Rund 20 000 werden noch gebraucht, bis die Spitze erreicht ist.
    Anna Biscontin und Monika Simon (von links) unterstützen ihre Chefin Annette Bartsch (rechts) beim Kleben der Postkarten in der Trinkhalle des Kurparks. Rund 20 000 werden noch gebraucht, bis die Spitze erreicht ist.
    Foto: Hans-Jürgen Vollrath

    Vor einem Jahr, am 13. November 2015, haben Terroristen fast 90 Menschen im Pariser Bataclan getötet. Die Welt war schockiert. Die Architektin Annette Bartsch aus Bad Neuenahr reagierte damals mit einer Aktion, die bis heute Menschen dazu bewegt, Postkarten zu schreiben und damit Baumaterial zu liefern für einen drei Meter hohen Eiffelturm, der in der Trinkhalle des Kurparks kontinuierlich im Maßstab 1:80 wächst. Er zeugt von der Sehnsucht, ein Zeichen für den Frieden zu setzen.

    34 000 Karten wurden bisher verklebt. "Rund 20 000 brauchen wir noch", schätzt Annette Bartsch und hofft, dass ihr Menschen weiterhin Karten schicken oder vorbeibringen. Der Terror hat seit Paris weiterhin Schlagzeilen gemacht mitten in Europa. Er bleibt allgegenwärtig. Inzwischen sind es nicht mehr nur Einzelpersonen, von denen Annette Bartsch Post bekommt. Viele Schulen machen mit, die gleich klassenweise Karten in Umschlägen schicken, aber auch Aktionen mit Flüchtlingen haben dafür gesorgt, dass dieses Manifest gegen den Terror wächst. Getragen wird es von den Hoffnungen, die Jung und Alt aufgeschrieben haben. "Spätestens an Weihnachten denken Menschen an Frieden. Ich denke immer an Weihnachten. Ich denke immer an Frieden", heißt es da beispielsweise. Besonders beeindruckt hat Annette Bartsch eine Kinderzeichnung. Strichmännchen, die Waffen tragen. Rot gemalte Flecken markieren die Opfer, die getroffen wurden. Eine Kollegin aus Köln hat ihr eine beeindruckende selbst gestaltete Kartenkollektion geschickt. Dargestellt sind Dinge, die zusammenhalten: ein Pflaster, Hände, ein Schloss, Puzzleteile. "Die Menschen sind sehr kreativ", hat Bartsch festgestellt.

    Für die Architektin ist dieses Projekt eine besondere Erfahrung. Es hat sie in Berührung gebracht mit den vielen Botschaften der Absender, denen sie sich oft sehr nahe fühlte. In ihrer Freizeit klebt Annette Bartsch, unterstützt von Familie, Freunden und Mitarbeitern des Architekturbüros, Karte auf Karte. Inzwischen hat der Eiffelturm das zweite Plateau erreicht. Es ist Millimeterarbeit. "Man muss die Höhen- und Seitenlinien einhalten, die Karten sollten sich nicht überlappen, sondern exakte Kanten haben", erklärt Annette Bartsch. Um den Turm anschließend auch transportieren zu können, werden in regelmäßigen Abständen Stabilisatoren eingebaut. Ein Traktor hat den halb fertigen Eiffelturm schon einmal abgeholt für eine Ausstellung auf dem Calvarienberg, wo er die Attraktion eines Schülerprojekts zum Thema Europa war. Die Sammelbox für Karten, die normalerweise in der Trinkhalle steht für spontane Einwürfe, füllten die Schüler in den Pausen fleißig. Als Gast bei der interkulturellen Woche in Diez hatte Annette Bartsch zwar nicht ihren Turm dabei, aber sie erlebte beim dortigen Willkommenskreis für Flüchtlinge das rührende Plädoyer eines über 100-jährigen Ehepaares für den Frieden, das sie nie vergessen wird. "Das sind Dinge, die einen bei diesem Projekt nebenbei erreichen", so Bartsch.

    Das Echo auf ihre Aktion findet sie schön. Ausländische Studenten, die davon erfahren haben, tragen das Eiffelturmprojekt hinaus in die Welt. Aus Neuseeland und Australien hat sie bereits Post bekommen. Nur in Frankreich selbst scheint es sich noch nicht so herumgesprochen zu haben. "Es wundert mich immer wieder, wie viele Menschen nicht nur Grüße schicken, sondern auch Kommentare schreiben", so Bartsch. Trotzdem ist die Aktion kein Selbstläufer. Bartsch hofft, dass mit der Höhe, die der Turm gewinnt, auch der Endspurt an Fahrt aufnehmen wird. Schon jetzt steckt in diesem Gebilde so viel positive Energie und Kreativität, dass der Stoff für ein Buch reichen würde. Jeder persönliche Beitrag wurde gescannt, damit er nicht verloren geht. Die Adresse von Annette Bartsch: Sebastianstraße 14, 53474 Bad Neuenahr-Ahrweiler.

    Von unserer Redakteurin Beate Au

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