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Koblenz/Antweiler

Aussagen gegen Aussagen: Das Rätselraten im Kitaprozess geht weiter

Die Fronten im Prozess um die Misshandlungsvorwürfe in der Kita Antweiler bleiben verhärtet. Am siebten Verhandlungstag vor dem Koblenzer Landgericht haben ein Hausmeister, zwei Zeuginnen der Verteidigung und ein Beamter der Verbandsgemeinde (VG) Adenau ausgesagt. Sie haben die vier angeklagten ehemaligen Erzieherinnen be- respektive entlastet.

Die Fronten blieben auch am siebten Verhandlungstag im Prozess um Misshandlungsvorwürfe in der Kita Antweiler verhärtet.
Die Fronten blieben auch am siebten Verhandlungstag im Prozess um Misshandlungsvorwürfe in der Kita Antweiler verhärtet.
Foto: picture alliance

Laut Anklage sollen drei Erzieherinnen neun Kinder zwischen Februar 2012 und November 2013 in der Dorfkita misshandelt haben. Die vierte Frau habe die Taten nicht verhindert. Einige Kinder seien in enge Hochstühle gequetscht, gefesselt oder in abgedunkelten Räumen weggesperrt worden. Andere sollen gewaltsam gezwungen worden sein, ausgespucktes Essen erneut in den Mund zu nehmen. Die Verteidigung spricht von einer „Hexenjagd“ (die RZ berichtete.)

Der Vorsitzende Richter Ralf Bock verlas zunächst die Schreiben der beiden Zeuginnen an die Adenauer Verwaltung vom September 2013. Sie hatten den ganzen Fall erst ins Rollen gebracht. Darin ist die Rede von einer „überstrengen und übergriffigen Situation“, der Umgangston sei „barsch und diktatorisch“ gewesen. Eine Kollegin der Erzieherin wird mit den Worten zitiert: „Wenn das so weitergeht, haben wir hier nur noch essgestörte Kinder.“

Der zuständige VG-Beamte (52) war jetzt als Zeuge geladen. Er gab an, dass den Schreiben persönliche Gespräche mit den beiden Frauen im August 2013 vorausgegangen seien. Auch mit der Kitaleitung und den im Schreiben benannten Mitarbeiterinnen habe er gesprochen. Diese hätten die „Einschätzungen zurückgewiesen“, die Vorwürfe „anders bewertet beziehungsweise abgestritten“. Er habe die Jugendämter von Kreis und Land informiert. Mögliche „persönliche Motive“ der Anzeigenerstatter schloss er „nicht aus“.

Auch der Hausmeister (45), der seit 15 Jahren den Kindergarten betreut, sagte aus. Er berichtete von drei Fällen, die er selbst gesehen habe. Einmal sei ein Kind aus dem Sandkasten gezogen und angebrüllt worden, da der Junge seine Hausschuhe statt seiner Straßenschuhe trug. Derselbe Junge sei in einem Hochstuhl mit Paketband an Bauch und Händen fixiert und gefüttert worden. Auf seinen Einspruch habe er die Antwort bekommen, es handele sich um eine Erziehungsmaßnahme, er als Hausmeister solle sich raushalten. Auch habe er ein Mädchen gesehen, das mit Paketband an einen Stuhl fixiert war. Da er im Ort wohnt, konnte er die Kinder namentlich benennen.

Auch zwei Zeuginnen der Verteidigung wurden gehört. Eine heutige Erzieherin, Mutter einer der Angeklagten, sagte aus, dass ihr während ihres Praktikums in Antweiler nichts Besonderes aufgefallen sei, obwohl sie beim Mittagessen eingesetzt war. Eine ehemalige Kollegin der Erzieherin, die Anzeige erstattet hatte, beschrieb diese als schwierig. Sie habe sich nicht ins Team eingliedern wollen, sei unflexibel gewesen, habe permanent privat telefoniert und die Mitarbeiterinnen gespalten. Auf Nachfrage gab sie an, das sei etwa 18 Jahre her.

Dazu stellte die Verteidigung drei Beweisanträge. Zum einen soll ein stilistisches Gutachten klären, dass der Brief an die VG von der Erzieherin und nicht von der ehemaligen Küchenkraft stammt, die ihn unterzeichnet hat. Diese soll nach einem weiteren Antrag psychiatrisch begutachtet werden, da die Verteidigung bei ihr eine „narzisstische Kränkung“ vermutet. Ein drittes Gutachten soll erweisen, dass das Zusammendrücken der Wangen bei einem Kind mit vollem Mund nicht zu einem Schluckreflex führt. Der Prozess wird wohl am 3. Juli fortgesetzt.

Von unserem Mitarbeiter Thomas Krämer

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