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    Ausgerastet: Wie Zeugen den Vorfall erlebten

    Warum ein junger Mann in Ahrweiler vergangenen Donnerstag vollkommen durchdrehte, ist nach wie vor unklar. Die Polizei rät, nur unter bestimmten Bedingungen einzuschreiten.

    Hier vor dem Café Schragen Assad Mughal den ausgerasteten Mann zu Boden gebracht. Neffe Ashar Gul und Assads Schwester und Augenzeugin Samina Gul sind stolz auf ihn.  Foto: Gabi Geller
    Hier vor dem Café Schragen Assad Mughal den ausgerasteten Mann zu Boden gebracht. Neffe Ashar Gul und Assads Schwester und Augenzeugin Samina Gul sind stolz auf ihn.
    Foto: Gabi Geller

    Ein friedlicher Donnerstagnachmittag in der Ahrweiler Fußgängerzone, und plötzlich rastet ein junger Mann, 20 Jahre alt, vollkommen aus. Beschimpft und bedroht Passenten, stürmt in ein Café, wirft einen Stuhl und verletzt eine Bedienung am Bein. Zeugen dieser Eruption von Gewalt (die RZ berichtete) sind auch Tage später noch schockiert.

    Brigitte Lakatsch wird diesen Tag ganz bestimmt so schnell nicht vergessen. Sie betreibt in der Ahrhut ein Geschäft für Steine und Teddybären. „Der Kerl kam und schrie herum, drohte, er werde mich abstechen und warf mit einem Stuhl um sich.“ Er habe sie aufs Übelste beschimpft, erinnerte sie sich. Und sie habe versucht, ihn abzudrängen, während er in seinen Taschen nach einem Messer gesucht habe. Dann sei er rabiat geworden, habe geschlagen und mit Gegenständen geworfen.

    Gegenüber im Herrenmodegeschäft hört Assad Mughal den Lärm, wird auf den Tumult aufmerksam und überlegt nicht lange. Er greift ein, nimmt den wild gewordenen Mann in den Schwitzkasten. „Er hat mir an diesem Tag das Leben gerettet“, ist Lakatsch dem Kollegen von gegenüber dankbar.

    Durch den Lärm alarmiert stürmt auch der Betreiber des kleinen Eiscafés Galileo herbei und hilft, den Mann auf dem Boden festzuhalten, bis die Polizei eintrifft. Auch aus dem Café Schragen kommt Hilfe. Ashar Gul, der an diesem Montag im Herrenmodegeschäft arbeitet, ist stolz auf seinen Onkel, der so couragiert eingegriffen hat. Ein Kellner im Café Schragen erinnert sich, dass auch die herbeigerufenen Beamten ihre liebe Not hatten, den Mann zu bändigen. „Er hat sich gewehrt und getreten. Sie mussten ihm sogar einen Sack über den Kopf ziehen, weil er gebissen und gespuckt hat. Und es hat eine halbe Ewigkeit gedauert, bis sie ihn endlich im Streifenwagen hatten.“

    Laut Polizei war es jedoch kein Sack, den die Beamten dem 20-Jährigen über den Kopf zogen, sondern eine Spuckschutzhaube, um sich vor Speichel und Bissen zu schützen. Auch Tage später ist noch nicht klar, was den Gewaltausbruch ausgelöst hat. Erst auf der Wache habe sich der Heranwachsende wieder einigermaßen beruhigt und in die Obhut seiner Mutter übergeben werden können, heißt es im Polizeibericht. Gegen den 20-Jährigen liegen zwei Anzeigen wegen Körperverletzung und Beleidigung vor. Die ermittelnden Beamten gehen derzeit von drei Geschädigten aus.

    Grundsätzlich rät die Polizei, in vergleichbaren Fällen nie allein einzugreifen, sondern Hilfe von Dritten hinzuzuziehen – wie in diesem Fall geschehen. Auch, um für das beherzte Eingreifen nicht selbst angezeigt zu werden. Umgekehrt mache man sich nicht automatisch wegen unterlassener Hilfeleistung strafbar, weil man angesichts roher Gewalt nicht einschreitet. „Es reicht, die Polizei zu rufen“, versichert diese.

    In diesem Fall hatten couragierte Bürger bis zum Eintreffen der Beamten Schlimmeres verhindert. Deshalb ist Ashar Gul auch so stolz auf seinen Onkel mit dem Herrenmodegeschäft. Im Damenmodegeschäft nebenan hat Samina Gul alles mit eigenen Augen gesehen. „Und heute in der Bank habe ich den Mann, der ausgerastet ist, wieder gesehen. Das war irgendwie komisch“, erzählt sie.

    Von unseren Reportern Gabi Geller und Frieder Bluhm

    Spuckschutzhauben: Bei der Polizei Rheinland-Pfalz in Gebrauch

    In Rheinland-Pfalz wurden Spuckschutzhauben bei der Polizei Ende 2016 eingeführt. Gut drei Monate später zog das Innenministerium ein erstes Fazit. „Bislang hat sich die Haube als probates Einsatzmittel bewährt“, teilte ein Sprecher des Ministeriums in Mainz mit.

    Polizisten hätten sich so gegen Speichel und eine mögliche Übertragungen von Infektionskrankheiten schützen können. In anderen Bundesländern, etwa Nordrhein-Westfalen, gab es rechtliche Bedenken. Diese teilt man in Mainz nicht. fbl

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