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Bad Münster-Ebernburg

Wut über Kahlschlag auf LVA-Gelände in Bad Münster am Stein wächst – Leserreaktionen

Die Wut und die Empörung über dem Kahlschlag auf dem ehemaligen LVA-Grundstück im Bad Kreuznacher Stadtteil Bad Münster am Stein-Ebernburg ist groß. Viele sind entsetzt. Der Fällaktion fielen drei unter Schutz stehende gesunde Bäume zum Opfer. Die Reaktionen unserer Leser reißen nicht ab.

So sieht unser Karikaturist Albert Gattung den Kahlschlag in Bad Münster. Es wurde ganze Arbeit geleistet. Mit dem Ergebnis „Mein Freund, der Baum, ist tot ...“, wie es schon Alexandra in einem alten Schlager besang.
So sieht unser Karikaturist Albert Gattung den Kahlschlag in Bad Münster. Es wurde ganze Arbeit geleistet. Mit dem Ergebnis „Mein Freund, der Baum, ist tot ...“, wie es schon Alexandra in einem alten Schlager besang.

Und der Druck auf die Verwaltung und Politik wächst. Auch mehrere Kommunalpolitiker haben sich zu den Vorgängen geäußert – wie die beiden Stadtratsmitglieder Jürgen Locher (Linke) und Manfred Rapp (CDU), der in dem Stadtteil lebt. Sie haben die Aktion scharf kritisiert und Konsequenzen gefordert

Linke: Stadt ist in Verantwortung

Illegale Baumfällungen wie auf dem LVA-Grundstück müssen zukünftig verhindert werden, meint auch die Linke. Sie sieht die Stadt in der Verantwortung und fordert diese nach dem Motto „Vorsorge ist besser als Nachsorge“ zum Handeln auf. Die gefällten Bäume, die planerisch rechtswirksam als „zu erhalten“ festgesetzt wurden, waren nicht nur für das Ortsbild prägend, sondern besaßen „auch aus floristischer und faunistischer sowie bioklimatischer Sicht Bedeutung“, schreibt die Kreisvorsitzende der Linken, Bianca Steimle. „Sich in einer Stadt wie Bad Kreuznach Gedanken zu machen, wie bei besonders sensiblen oder schutzwürdigen Umweltgütern im Rahmen von Bauvorhaben ausreichend Rechnung getragen werden kann, ist schon längst überfällig“, meint Bianca Steimle.

Sie sieht vorbeugende Maßnahmen für zwingend geboten, da die Wertigkeit beziehungsweise der ökologische Nutzen oftmals nicht mehr oder nur über einen sehr langen Zeitraum wieder erreicht werden kann. Bei artenschutzrechtlichen Belangen könne sogar das Umweltschadensgesetz mit seinem Gebot der Vermeidung berührt sein. „Ein geeignetes Mittel wäre der Einsatz einer ökologischen Baubegleitung“, findet Steimle. Diese müsse zukünftig zur Auflage in Genehmigungsbescheiden gemacht werden, die sensible, zu schützende Umweltgüter wie zum Beispiel solche erhaltenswerten Bäume aufweisen. „Es ist heute leider so, dass Arbeitsaufträge meist an Subunternehmen vergeben werden, die oft keine Kenntnis über die Genehmigungsauflagen haben. So ist es programmiert, dass solche Fehlverhalten zur gängigen Praxis werden“, weiß Steimle, die selbst einige Jahre in der Planungsbranche tätig war. Die Linke will gemeinsam mit Stadtrat Jürgen Locher prüfen, in welcher Form das Anliegen in die Verwaltung getragen und dort verankert werden kann.

Ende 2016 zeigte sich die Stieleiche noch in voller Pracht. Inzwischen wurde sie abgeholzt. Irrtümlich, wie es heißt.  Foto: Michael Dal Magro
Ende 2016 zeigte sich die Stieleiche noch in voller Pracht. Inzwischen wurde sie abgeholzt. Irrtümlich, wie es heißt.
Foto: Michael Dal Magro

Michael Dal Magro, CDU-Mitglied im Ortsbeirat Bad Münster am Stein-Ebernburg, spricht von einem „mutmaßlichen unfassbaren Baumfrevel durch Bauherrengemeinschaft RS Bau GmbH auf dem ehemaligen LVA-Gelände“. Er erinnert daran, dass der Ortsbeirat schon 2014 die Empfehlung abgegeben hatte, die gesunden und im Stadtbild von Bad Münster am Stein einzigartigen Großbäume im Bebauungsplan als absolut „schützens- und erhaltenswert“ aufzunehmen. Allein die nun ohne jegliche Genehmigung gefällte erhabene, denkmalwürdige Stieleiche (auch bekannt als Deutsche Eiche) hatte einen Stammumfang von 260 Zentimetern und danach ein Alter von weit mehr als 100 Jahren.

Droht der nächste Umweltfrevel?

Bereits Ende 2016 wurden auf dem gesamten ehemaligen LVA-Gelände umfangreiche Rodungsarbeiten durch die genannte Bauherrengemeinschaft durchgeführt, schreibt Dal Magro weiter. Dabei blieben die drei damals bereits im Bebauungsplan geschützten Großbäume völlig unangetastet, jegliche weitere Vegetation wurde auf dem Grundstück entfernt oder gefällt: „Nun erfolgte auf dem bereits ausgeräumten (!) Grundstück 'absolut versehentlich' die Fällung der geschützten drei Großbäume.“

Der für Bad Münster am Stein und das Ortsbild entstandene Schaden ist nicht wieder gut zu machen. Mit der Aussage von Oliver Riedle von der Bauherrengemeinschaft, „es handele sich um ein Kommunikationsproblem mit dem ausführenden Bauunternehmen, was uns wahnsinnig leid tut“, verhöhnt er den Ortsbeirat, das Bauamt, die Stadtspitze, den Bad Kreuznacher Stadtrat und die breite Öffentlichkeit, schimpft Dal Magro und fragt zugleich: „Was bleibt in dieser Angelegenheit außer großer Empörung, Frust und dem zwingend gegen die Bauherrengemeinschaft und deren ausführenden Bauunternehmen einzuleitenden Bußgeldverfahren noch zu tun?“

Nach Ansicht von Dal Magro sollte die Stadt Bad Kreuznach endlich eine Baumschutzsatzung erlassen. Damit ließe sich zukünftig „das illegale Abholzen von schützenswerten, Ortsbild prägenden Bäumen durch verantwortungslose, skrupellose Investoren letztendlich auch nicht gänzlich verhindern. Allerdings könnte bei Verstößen zumindest ein spürbares Bußgeld bis 100.000 Euro verhängt werden.“ Und er fährt fort: „Zweitens können alle Bürger das mutmaßlich frevelhafte, verantwortungslose Verhalten der Bauherren- beziehungsweise Eigentümergemeinschaft nachhaltig ahnden, indem sie künftig keine Dienstleistungen und Produkte dieser Herren und ihrer Gesellschaften mehr nachfragen.“ Gleiches gelte für den Baggerbetrieb aus Enkenbach-Alsenborn, der die Baumfällungen im Auftrag der Bauherrengemeinschaft durchgeführt hat.

Der nächste zu erwartende ganz große Umweltfrevel stehe in Bad Kreuznach ohnehin bereits an, warnt Dal Magro: Die Südwestdeutschen Hartsteinwerke wollen in Traisen ihren Steinbruch auf Bad Kreuznacher Gemarkung erweitern. Für Dal Magro ein Unding: „Dabei würden sechs Hektar Baumbestand des zurzeit noch zusammenhängenden Bad Kreuznacher Stadtwalds für immer verloren gehen, dem eine herausgehobene Funktion als Erholungsgebiet, Wasserspeicher und grüne Lunge für die Bürger und Touristen zukommt.“

Leserbrief: „Ein abgekartetes Spiel“

Wer soll das glauben, dass die Abholzung der unter Schutz stehenden Bäume versehentlich geschah?, fragt unser Leser Jost-Henner Schwedes aus Bad Münster am Stein-Ebernburg.

"Einfach zu auffällig. Fehler der ausführenden Firma werden immer wieder vorgetäuscht. Das kennt man von solchen Unternehmern. Ein abgekartetes Spiel, um Tatsachen zu schaffen.

Aber was soll’s: in BME ist sowieso kein Städtebau beziehungsweise Rücksichtnahme auf die alten Strukturen zu erwarten. Das hat man schon seit Jahren versäumt. Die vorgesehene Bebauung ist ein Schlag gegen die städtebauliche Struktur von Kurpark, Kurhausstraße und naher Umgebung.

An Einfallslosigkeit, mangelnder Rücksichtnahme und Fingerspritzengefühl nicht zu überbieten. Der Straßenabschnitt gegenüber dem Kurpark ist der Hässlichkeit und Rücksichtslosigkeit preisgegeben. Nun sind auch die prägenden Bäume beseitigt worden. Schadenersatz in gleicher Größe und Güte? Mindestens 50.000 bis 80.000 Euro je Baum."

 

Leserbrief: "Mit 'tut mir leid' nicht abgetan"

"Hiermit möchte ich meine Empörung über die Baumfällaktion in Bad Münster kundtun", beginnt der Leserbrief von Elke Tesch-Roggendorf, Bad Münster am Stein-Ebernburg.

Und sie fährt fort: "Ich wünsche mir, dass der sogenannte Kommunikationsfehler aufgedeckt wird, damit in Zukunft solche Irrtümer nicht mehr passieren können.

Die Stadtverwaltung gibt sich ebenfalls überrascht, und ich frage mich, wer übernimmt denn jetzt die Verantwortung. Mit einem "tut mir wahnsinnig leid" kann dies wohl nicht abgetan werden."

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