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    Meddersheim

    WARTEZEIT FÜR DIE GESUNDHEIT 7: Das Naheland braucht dringend junge Ärzte

    Diese Zahl fällt auf: Nur 6 Hausärzte im Kreis Bad Kreuznach sind derzeit jünger als 40 Jahre. Das entspricht bei insgesamt 109 Allgemeinmedizinern gerade einmal 5,5 Prozent. Das Gros der Ärzte auf dem Land ist zwischen 65 und 69 Jahre alt (20), hinzu kommen 19 Ärzte zwischen 60 und 64 Jahren. Was es bedeutet, wenn diese Ärzte in absehbarer Zeit ihren Ruhestand genießen und kein Nachwuchs an ihre Stelle tritt, ist offensichtlich: eine dramatische Unterversorgung an medizinischem Fachpersonal.

    Drei Ärzte auf dem Land: Vater Peter Bohr mit seinen Töchtern Gundula von Gradowski (links) und Juliane Arras.
    Drei Ärzte auf dem Land: Vater Peter Bohr mit seinen Töchtern Gundula von Gradowski (links) und Juliane Arras.
    Foto: Christoph Erbelding

    Praxis besteht seit 1978

    Also: Junge Ärzte braucht das Nahe-Land. Doch wo gibt es ihn denn aktuell schon: den medizinischen Nachwuchs? Ein leuchtendes Beispiel für eine hausärztliche Anlaufstelle, die auf Jahre ausgerichtet ist, findet sich in Meddersheim. Dort lagen bis zum vergangenen Jahr gleich zwei Ärztinnen alterstechnisch unter der 40-Jahre-Grenze – und jetzt steht nur deswegen noch eine darunter, weil Dr. Juliane Arras ihren runden Geburtstag mittlerweile gefeiert hat. Dr. Gundula von Gradowski hingegen, die zweite Ärztin in der Meddersheimer Gemeinschaftspraxis, ist 37 Jahre jung – sie zählt also zu den letzten sechs im Kreis Bad Kreuznach unter 40.

    Die beiden Medizinerinnen sind Schwestern – und arbeiten in der Praxis ihres Vaters Dr. Peter Bohr, der seit 1978 in Meddersheim praktiziert. Sie sind in Meddersheim aufgewachsen und wollten nach ihrem Studium, das sie in Mainz absolvierten, unbedingt dorthin zurück – ein Glücksfall für Meddersheim. Und einer, der im Jahr 2013, als Gundula von Gradowski das Trio in der Praxis komplettierte, Beachtung fand: Damals berichtete sogar ein Fernsehteam des SWR um Monika Kirschner darüber.

    Was ist seitdem passiert? Gundula von Gradowski muss nicht lange überlegen, sie weiß, welche Entwicklung besonders gravierend ist. „Es sind mehr Patienten geworden“, sagt die jüngste Ärztin des Vater-Töchter-Trios. Dazu ein paar Zahlen: In Rheinland-Pfalz betreut ein Allgemeinmediziner im Schnitt 850 Patienten. 2013 zählte die Meddersheimer Praxis 1800. Und jetzt? „Wir liegen irgendwo zwischen 2000 und 3000“, sagt Peter Bohr (72). Und das mit quasi zweieinhalb Stellen – denn der Vater, der schon längst den Ruhestand genießen könnte, ist zwar immer noch aktiv, allerdings nur noch 20 Stunden pro Woche.

    Das Pensum – es hat sich für die drei Mediziner schleichend vergrößert, bis die gesteigerte Belastung irgendwann spürbar wurde. Vater Bohr weiß, wieso: „Die jungen Leute kommen zu uns, weil sie wissen, dass sie über Jahre eine Versorgung bekommen.“ Das hat Folgen: Überstunden sind schon jetzt tägliche Praxis – und sollten demnächst noch mehr Menschen auf der Suche nach Versorgung in die Praxis drängen, wird irgendwann auch ein Patientenstopp zum Thema. Denn das Credo bleibt unverändert: keine „Drei-Minuten-Medizin“, seriöse Versorgung der Patienten – doch das geht eben nur bis zu einer gewissen Kapazitätsgrenze. Zudem sind beide Ärztinnen Eltern. Bedeutet: Sobald die insgesamt drei Kinder allesamt in die Schule gehen, wird die Praxis in den Ferien zeitweise schließen müssen – zumindest dann, wenn die Familien in Urlaub fahren wollen.

    Juliane Arras (links) und Gundula von Gradowski gehen zufrieden zur Arbeit – wissen aber, dass die Belastung nicht noch viel größer werden darf.
    Juliane Arras (links) und Gundula von Gradowski gehen zufrieden zur Arbeit – wissen aber, dass die Belastung nicht noch viel größer werden darf.
    Foto: Christoph Erbelding

    Was machen die Ehepartner?

    Damit es nicht so weit kommt, sind die Meddersheimer auf der Suche nach medizinischem Nachwuchs. Bisher erfolglos. „An der Uni in Mainz, in den Krankenhäusern, wir fragen überall nach“, sagt Juliane Arras. Studenten, die aus der Region kommen und wieder auf dem Land arbeiten wollen – ein völlig realitätsfremder Traum? Juliane Arras: „Wir kennen keinen.“

    Dass es viele Mediziner in die Städte zieht, wissen beide. Und sie wissen auch, dass ihre Situation mit dem familiären Hintergrund eine einzigartige ist. „Ich glaube aber nicht, dass finanzielle Gründe den Ausschlag geben, warum so wenige junge Ärzte aufs Land wollen“, sagt Gundula von Gradowski: „Es liegt eher daran, dass es für die Lebenspartner oft keinen adäquaten Job gibt, oder dass sie sich nicht vorstellen können, aufs Land zu ziehen.“ Das kennen beide auch: Juliane Arras' Mann, „ein Städter“, arbeitet in Stuttgart, hat dort eine Zweitwohnung, kommt nur an den Wochenenden nach Hause; Gundula von Gradowskis Gatte pendelt zur Arbeit nach Koblenz.

    Dennoch: Juliane Arras und Gundula von Gradowski würden wieder aufs Land gehen – selbst wenn es die familiäre Bindung nicht geben würde, wie sie betonen. Warum? „Weil sich Beruf und Familie sehr gut verbinden lassen, der Beruf finanziell attraktiv, abwechslungsreich ist und man ein persönliches Verhältnis zu Patienten aufbaut“, sagt Gundula von Gradowski.

    Von unserem Redakteur Christoph Erbelding

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