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Bad Kreuznach

Sex, Gift, menschliche Abgründe und Mordgedanken

Die Realität der Juristerei ist bisweilen kurioser und abgründiger als jeder Fall der nachmittäglichen Gerichts-Soaps der Privatfernsehsender.

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Von unserem Redakteur Rainer Gräff

Der siebte Verhandlungstag im sogenannten Maskenmann-Prozess vor der 1. Strafkammer des Landgerichts Bad Kreuznach offenbarte am Montag wiederum eine Fülle von Abgründen und Widersprüchen. Der Vormittag gehörte der nichtöffentlichen, mehr als zweistündigen Vernehmung der inzwischen 14-Jährigen, die mit dem damals 21-jährigen Sohn der Tatanstifterin ein sexuelles Verhältnis hatte. Damals war sie als 13-Jährige noch ein Kind – womit sich der junge Mann strafbar machte und sich eine weitere Anklage neben der im eigentlichen Fall einhandelte.

Doch das Mädchen, das der Schwurgerichtskammer um den Vorsitzenden Richter Dr. Bruno Kremer nicht unbekannt war, spielte auch eine Rolle in dem Mordkomplott, das ihr Liebhaber und dessen 43-jährige Mutter schmiedeten und das in der Messerattacke eines angeheuerten Attentäters in Jigsaw-Maske gipfelte. Opfer sollte die neue Lebensgefährtin des 46-jährigen Mannes sein, der die Ehefrau für die neue Partnerin verlassen hatte. Die Ehefrau wohnte gleichwohl noch im selben Haus. Inzwischen betreibt der Ehemann die Scheidung, das Mobiliar der in Untersuchungshaft befindlichen Ex räumte er kurzerhand in eine Garage.

Die jetzt 14-Jährige war laut Zeugenaussagen an Vorplanungen und ersten Versuchen zur Tötung der Nebenbuhlerin beteiligt. Zunächst lautete der Plan auf Vergiftung. Dazu nahmen Mutter und Sohn am Bad Kreuznacher Bahnhof Kontakt zu Personen auf, von denen sie die Lieferung von Gift erhofften. All dies geschah offenkundig recht amateurhaft. Ein Giftanschlag mit einer präparierten Zigarette scheiterte denn auch. Ein weiterer Plan, der Rivalin das Genick brechen zu lassen oder einen Autounfall zu arrangieren, wurde verworfen. So kam es schließlich zum Messerangriff, den das Opfer verletzt überlebte.

Das Gericht bemühte sich am Montagnachmittag, die Persönlichkeit der verlassenen Ehefrau und Tatanstifterin zu erhellen. Ein früherer Ehemann, von dem zwei ihrer fünf Kinder stammen, schilderte sie als schlechte Hausfrau. Das Geld war knapp, es gab oft Streit, der Mann trank. Es ging um Schläge, Suizidversuche und Partnertausch – bei dem der spätere neue Ehemann ins Spiel kam. Freizügiger Sex spielte auch in der neuen Beziehung eine gewisse Rolle. Das Paar ließ sich für Geld in einem Sexblättchen interviewen und ablichten. Die Gattin unterhielt nebenbei einen intensiven Internetkontakt zu einem anderen Mann. Der Gatte fand eine alte Jugendfreundin wieder, die seine heutige Lebensgefährtin ist und zum Attentatsopfer wurde.

Am 24. November sollen bei Gericht die Sachverständigen ihre Gutachten abgeben. Die Plädoyers sind für 15. Dezember geplant.

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