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Langenlonsheim

Sechs neue Stolpersteine: Kleine Mahnmale erinnern an jüdische Familien aus Langenlonsheim

Sechs weitere Gedenksteine erinnern jetzt an jüdische Mitbürger aus Langenlonsheim, die während des NS-Regimes verfolgt und ermordet wurden. Der Kölner Künstler Gunter Demnig ließ die kleinen Mahnmale in Form von Pflastersteinen in den Gehwegen vor den Gebäuden Naheweinstraße 113 und Naheweinstraße 106/Ecke Hintergasse ein.

Während Gunter Demnig die Stolpersteine verlegte, erinnerte Karl-Wilhelm Höffler (hinter Demnig stehend) in Wort und Bild an die Schicksale der ehemaligen jüdischen Langenlonsheimer Familien Carl Nachmann und Moritz Weiss in der NS-Zeit. Foto: Dieter Ackermann
Während Gunter Demnig die Stolpersteine verlegte, erinnerte Karl-Wilhelm Höffler (hinter Demnig stehend) in Wort und Bild an die Schicksale der ehemaligen jüdischen Langenlonsheimer Familien Carl Nachmann und Moritz Weiss in der NS-Zeit.
Foto: Dieter Ackermann

Auf jedem dieser „Stolpersteine“, wie der Künstler seine Arbeiten nennt, ist eine Messingplatte mit den eingravierten Namen der NS-Opfer befestigt. Die Steine erinnern an die Familien Carl Nachmann und Moritz Weiss.

„Das Projekt, das 1992 seinen Anfang nahm, soll an die Menschen erinnern, die verfolgt, vertrieben, deportiert und ermordet wurden in der düstersten Epoche unseres Landes“, sagte Ortsbürgermeister Bernhard Wolf während der Feierstunde im Hof der Gemeindeverwaltung. Wolf erinnerte an das nach 2011 nunmehr zweite Projekt. Damals wurden elf „Stolpersteine“ in Langenlonsheim verlegt. „Hinter jedem einzelnen Gedenkstein steht ein Mensch, der zum Opfer wurde“, sagte Wolf und betonte, „dass diese Opfer uns allen Mahnung sein mögen, dass sich so etwas Schreckliches nicht wiederholt“.

Demnig ist Initiator des Projektes Stolpersteine, das er 1992 entwickelt hatte. Seither lässt er europaweit die kleinen Gedenktafeln in Gehwegen ein, um an die Opfer der Nazis zu erinnern. 2005 wurde der Künstler, der bereits drei Morddrohungen erhielt, für seine Arbeit mit dem Verdienstorden der Bundesrepublik ausgezeichnet. Demnig will an die Opfer der NS-Zeit erinnern: „Man läuft über die Steine, die Erinnerung wird geweckt. Man fällt nicht hin, sondern stolpert mit dem Kopf und dem Herzen“. Gleichzeitig betonte er, dass jeder einzelne Stein der verlegt wird, ein neues Schicksal verbirgt. Demnig berichtete, dass er inzwischen mehr als 63.000 Stolpersteine verlegt und dabei vieles erlebt hat. Etwa im norwegischen Oslo, als ein Angehöriger des NS-Opfers extra aus Honolulu anreiste.

Valeryan Ryvlin von der jüdischen Gemeinde Bad Kreuznach machte deutlich, dass die Steine die Erinnerungen an einzelne Menschen wach halten und an ihre Schicksale erinnern, aber auch zum Nachdenken anregen sollen. Seine Worte schloss er mit einem herzlichen „Shalom und Frieden für uns alle“. Karl-Wilhelm Höffler, der sich intensiv mit der Geschichte der jüdischen Gemeinde in Langenlonsheim befasst, erinnerte an die Schicksale der beiden Familien Carl Nachmann und Moritz Weiss für die die Steine verlegt wurden und zeigte Bilder von ihnen.

Kantor Ostrowski von der jüdische Gemeinde Bad Kreuznach) bedankte sich für die Initiative. Dass sie immer weiter geführt werde, sei großartig. Als wichtig bezeichnete er, dass in Deutschland eine Regierung bleibt, die dafür eintritt, dass sich solche Dinge wie in der NS-Zeit nicht wiederholen. Mit Gebeten und Gesang des kleinen Bad Kreuznacher Synagogen-Chores wurde die Gedenk- und Feierstunde umrahmt.

Von unserem Reporter Dieter Ackermann

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