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    Kreis Bad Kreuznach

    Saison der Friedhofdiebe

    Immer mehr Diebstähle sind auf dem Bad Kreuznacher Hauptfriedhof zu verzeichnen. Mehr als 100 waren es 2012. Und die Tendenz ist steigend, wie die Friedhofsverwaltung mitteilt.

    Heiß begehrt: Der Hauptfriedhof in Bad Kreuznach ist das beliebteste Ziel der Diebe im Umkreis. Unklar ist, was mit dem Diebesgut passiert.
    Heiß begehrt: Der Hauptfriedhof in Bad Kreuznach ist das beliebteste Ziel der Diebe im Umkreis. Unklar ist, was mit dem Diebesgut passiert.
    Foto: Robin Brand

    Kreis Bad Kreuznach - Immer mehr Diebstähle sind auf dem Bad Kreuznacher Hauptfriedhof zu verzeichnen. Mehr als 100 waren es 2012. Und die Tendenz ist steigend, wie die Friedhofsverwaltung mitteilt.

    Die Dunkelziffer liegt aber wohl noch weit darüber. Nicht betroffen von diesem Trend sind dagegen die umliegenden Friedhöfe im Kreis. So können weder die Verwaltung in Kirn, noch in Meisenheim oder Bad Sobernheim eine Zunahme an Diebstählen entdecken. 

    Für Gerd-Rudolf Hans und Christine Senft-Witt, Friedhofverwalter in Bad Kreuznach, beginnt gerade die ungemütliche Zeit des Jahres. Sobald der Frühling auf dem Vormarsch ist, steigen auch die Zahlen der Diebstähle. Wie hoch die tatsächliche Zahl ist, lässt sich nur vermuten. "Wegen einer Vase oder einer kleinen Bronzefigur geht kaum jemand zur Friedhofsverwaltung. Erst Recht nicht zur Polizei", weiß Senft-Witt. In den Wintermonaten gibt es hingegen kaum Diebstähle zu vermelden, da für die Langfinger potenzielles Diebesgut nur schwer zu erkennen ist.

    Seit Anfang April bekommt die Friedhofsverwaltung das bessere Wetter zu spüren. Der erste bedeutendere Verlust war die große Bronzefigur eines Vogels. Schockierend ist dabei die Dreistigkeit mit der die Diebe vorgingen: sie hatten die Figur in einer Nacht Anfang April professionell abgeflext und ließen sich nicht von der verursachten Lautstärke aufhalten. "Manchmal habe ich den Eindruck die suchen gezielt Dinge, die nicht lose herumstehen", sagt Senf-Witt dazu. Doch auch Vasen und sogar Blumen fallen immer wieder ins Beuteschema der Diebe.

    "Im Grunde genommen klauen die alles was sie kriegen können", betont Gerd-Rudolf Hans. Wer "die" sind, das kann auch Hans nur mutmaßen. Angesichts des geringen materiellen Werts der erbeuteten Gegenstände vermutet er "eine Beschaffungskriminalität für Zigaretten und Alkohol". Seit drei Jahren erkennt die Friedhofsverwaltung eine steigende Tendenz bei den Diebstählen. "Das ist ein Trend, der das ganze Land betrifft", sagt der Friedhofsverwalter dazu. Auffällig: der Trend betrifft vor allem die Friedhöfe größerer Städte. Im Kreis Bad Kreuznach ist der Hauptfriedhof der Stadt in den Fokus der Diebe gerückt. Die kleineren Gemeinden können eine Zunahme der Diebstähle nicht feststellen. "In Meisenheim ist das kein Thema", so Bürgermeister Werner Keym.

    In Bad Kreuznach hingegen nimmt auch der Vandalismus zu. Beschmierte oder mit Müll verschmutzte Gräber sind keine Einzelfälle mehr. Einen traurigen Höhepunkt erreichte die Kriminalität im vergangenen Jahr: Unbekannte durchlöcherten mit einer Bohrmaschine den Stamm einer über 100 Jahre alte Eiche. Ob der mächtige Baum überleben wird, ist noch nicht gewiss. Senft-Witt ist bis heute fassungslos: "Für mich ist das Mord." Der zunehmenden Gewalt sieht sich die Verwaltung hilflos gegenüber: "Wir sind da machtlos. Wir können nicht jeden auf dem Friedhof ansprechen, man weiß ja nicht, ob das Angehörige oder Freunde sind - oder Fremde."

    Deshalb drängen sie die Geschädigten die Diebstähle der Polizei zu vermelden, damit diese das Ausmaß überhaupt registrieren kann. Doch das geschieht nur in den seltensten Fällen. Ganze vier Meldungen aus dem Raum Bad Kreuznach gingen bei der Polizei im vergangenen Jahr ein, wie Hans-Peter Fehlinger, stellvertretender Leiter der Polizeiinspektion, unserer Zeitung berichtete. "Vielleicht sind es in der Realität allerdings viel viel mehr Fälle", weiß auch Fehlinger. So seien die Diebstähle für den Einzelnen zwar tragisch, der oftmals geringe materielle Wert verhindere jedoch in vielen Fällen, dass die Geschädigten den Verlust melden.

    Bleibt die Frage, was mit dem Diebesgut geschieht. Da sich ideeller Wert schlecht verkaufen lässt, dürften für viele Diebe Altmetallverwerter die erste Anlaufstelle sein. Diese können im Umkreis allerdings keine steigende Tendenz an vorstelligen Verkäufern ausmachen. "Es kommen immer wieder welche, die wir dann wegschicken, allerdings ist die Anzahl in den letzten Jahren nicht gestiegen", sagt Manfred Weinand, Geschäftsführer der Firma Weinand. Dem kann Kay Klonner von Geiss Metall zustimmen: "Es ist nicht mehr geworden. Da wir eine Ausweispflicht haben, überlegen es sich Diebe wohl auch zweimal bevor sie uns etwas anbieten."

    Gerd-Rudolf Hans vermutet, dass das Diebesgut nicht im direkten Umkreis zu Geld gemacht wird, sondern bei weiter entfernten Schrotthändlern - oder auf unbürokratischstem Wege, dem Flohmarkt: "Es gab schon Fälle, da haben uns Angehörige berichtet, dass sie verdächtige Waren auf Flohmärkten entdeckt haben." Für die Zukunft hat die Friedhofsverwaltung vor allem eine Hoffnung: "Dass Geschädigte häufiger zur Polizei gehen, damit die überhaupt aktiv werden kann." Gelegenheiten dürften sich dafür in nächster Zeit genug bieten: Die Saison hat gerade erst begonnen.

    Robin Brand

    Bad Kreuznach
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