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Bad Kreuznach

Mutter (87) zu früh aus dem Hospital entlassen? Tochter nennt Entlassungsbericht "skandalös"

Cordula Kabasch

Nach einer Operation bleiben Patienten heute meistens deutlich kürzer im Krankenhaus als früher. Zwar müssen Mindestverweilzeiten je nach Krankheitsbild eingehalten werden, doch sie sind kurz angesetzt. Zu kurz, meint Cay Kappler. Ihre Mutter Gertrud Frankhofer (87) ist nach einem Sturz in der Kreuznacher Diakonie operiert worden. Ihre großflächigen Blutergüsse mussten chirurgisch ausgeräumt werden. „Sie wurde mit offenen Wunden entlassen und war in einem desolaten Zustand“, klagt die Tochter.

Laufen mit Rollator: Das ist für viele alte Menschen Alltag. Gertrud Frankhofer (87) kann das momentan nicht. Sie wurde nach Ansicht ihrer Tochter zu früh aus dem Diakonie-Krankenhaus entlassen. Foto: dpa/picture Alliance
Laufen mit Rollator: Das ist für viele alte Menschen Alltag. Gertrud Frankhofer (87) kann das momentan nicht. Sie wurde nach Ansicht ihrer Tochter zu früh aus dem Diakonie-Krankenhaus entlassen.
Foto: dpa/picture Alliance

„Es kommt immer wieder vor, dass Patienten nicht mehr so lange in den Krankenhäusern bleiben wie früher“, sagt Michaela Domann vom gleichnamigen Pflegedienst in Feilbingert. Ein Grund dafür ist ihrer Ansicht nach die Vergütung nach Fallpauschalen. Seit der Einführung 2003 dürfen Krankenhäuser nicht mehr einzelne Behandlungstage, sondern nur noch pro Fall abrechnen. Nach Angaben des Statistischen Landesamtes in Bad Ems ist die Verweildauer der Patienten in den Krankenhäusern von 8,3 Tagen (2005) auf 7,2 Tage (2016) gesunken, wobei auch medizinische Fortschritte eine Rolle spielen.

„Sie war erschöpft und völlig hilflos.“

Cay Kappler, die in Norddeutschland lebt, sah sich damit konfrontiert, schnellstens einen Kurzzeitpflegeplatz für ihre Mutter zu organisieren. Im Fall von Gertrud Frankhofer, die vom 16. bis 23. Juli in der Diakonie behandelt wurde, hat sich zunächst ein zweitägiger Aufenthalt im Landhaus Domann angeschlossen, da ihre Tochter die Mutter nicht in ihr betreutes Wohnen in der Seniorenresidenz Belle Vita in der Salinenstraße zurück schicken konnte. Der Pflegedienst kam nur dreimal pro Woche.

Zu wenig für die Patientin, deren Wunden täglich behandelt werden mussten, findet die Tochter. „Sie hatte überall Hämatome. Schon kurze Wege zur Toilette waren nicht möglich“, berichtet Cay Kappler. „Sie war erschöpft und völlig hilflos.“ Eine Behandlung in der Geriatrischen Fachklinik Rheinhessen-Nahe in der Kaiser-Wilhelm-Straße war die nächste Station. Dort wurden unter anderem die noch offenen Wunden versorgt.

Dem Oeffentlichen lag der Entlassungsbericht vor

Doch damit ist die Krankengeschichte von Gertrud Frankhofer noch nicht beendet. Bis heute ist die Patientin laut der Tochter fünf weitere Male im St.-Marienwörth-Hospital am Bein operiert worden. Hauttransplantationen waren nötig. Cay Kappler kann daher nicht verstehen, warum ihre Mutter nach sieben Tagen aus der Diakonie entlassen wurde. „Ursprünglich sollten es sogar nur fünf sein“, erzählt die Tochter. Doch da habe sie interveniert, weil sie nicht so schnell nach Bad Kreuznach kommen konnte und mehr Zeit benötigte.

Den abschließenden Bericht des Krankenhauses nennt Kappler „skandalös“. „Postoperativ gab es keine wesentlichen Auffälligkeiten“, heißt es in dem Schreiben, das dem „Oeffentlichen“ vorliegt. „Die Wundverhältnisse waren bei Entlassung reizlos.“ Ferner wird der Patientin eine „gute Heilungstendenz ohne weitere Nachblutungen“ bescheinigt. Gertrud Frankhofer habe die Klinik „in gutem Allgemeinzustand“ verlassen.

Kein Kommentar der Kreuznacher Diakonie

Die Kreuznacher Diakonie hüllt sich auf Anfrage unserer Zeitung zum Fall Gertrud Frankhofer in Schweigen. „Mit Rücksicht auf eine laufende Klärung der Vorgänge können wir uns leider zu den Aussagen von Frau Kappler nicht äußern“, heißt es in einer E-Mail von Pressesprecherin Kristina Rogoss. Lediglich allgemein wird festgestellt: „Ein Patient wird erst aus dem Krankenhaus entlassen, wenn die Nachsorge gesichert ist.“

Doch das sei nicht der Fall gewesen, widerspricht Kappler. Sie selbst habe sich im Alleingang um die weitere Versorgung ihrer Mutter gekümmert. Inzwischen hat die Tochter einen Platz im Lotte-Lemke-Haus der Arbeiterwohlfahrt für ihre Mutter organisiert, einem Pflegeheim im Salinental. Schließlich habe sich ihr Gesundheitszustand deutlich verschlechtert. „Wir haben eine Erhöhung der Pflegestufe beantragt“, berichtet sie.

Von unserer Redakteurin
Cordula Kabasch

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