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Kameradrohnen: Alleskönner wecken (noch) Skepsis [mit Video]

Kameradrohnen ermöglichen ganz spezielle Blickwinkel. Die kleinen, ferngesteuerten Helikopter, die mit Kameras ausgestattet sind, erlauben es Fotografen und Filmern Perspektiven einzunehmen, die vorher nicht – oder nur sehr aufwendig zu realisieren waren. Auch die Fotos und das Video in diesem Text sind auf diese Art und Weise entstanden.

Blick vom Nahewehr über das Salinental: Drohnen ermöglichen spektakuläre Luftaufnahmen. Foto: Jennifer de Luca
Blick vom Nahewehr über das Salinental: Drohnen ermöglichen spektakuläre Luftaufnahmen.
Foto: Jennifer de Luca

Von Carsten Zillmann und 
Jennifer de Luca

Nach nur wenigen Handgriffen segelt die verlagseigene Drohne durchs Bad Kreuznacher Salinental. Kaum haben wir den Akku eingesetzt, sehe ich auf dem Handydisplay meiner Kollegin Jennifer de Luca spektakuläre Luftaufnahmen des Bad Kreuznacher Salinentals. Die kleinen Fluggeräte können aber noch mehr. Philipp Köhler aus Fürfeld schult Rettungsdienste, Polizisten und Feuerwehrleute im Umgang mit Drohnen. In der Bevölkerung herrscht derweil Skepsis gegenüber den fliegenden Kameras.

„Die Einsatzmöglichkeiten sind extrem vielfältig“, erklärt Köhler, der hauptberuflich als Pressesprecher des Deutschen Roten Kreuzes arbeitet, „auch deshalb finde ich den Begriff ,Multicopter' so passend.“ Seine neu gewonnene Leidenschaft zu fliegen, begann mit dem Kauf einer kleinen Drohne des Herstellers DJI. „Ich war schon immer technikaffin und habe sehr gern fotografiert“, erzählt er. „Der Apfel fällt halt nicht weit vom Stamm.“ Vater Klaus arbeitete lange als professioneller Fotograf. Die Drohne bietet neue Perspektiven und ist recht einfach in der Handhabung. „Modellbaufliegen wäre nichts für mich“, sagt Köhler. „Fürs Basteln habe ich kein Talent.“

Vom Hobby zur Geschäftsidee

Aus dem neuen Hobby wurde schnell eine Geschäftsidee. Köhler betreibt neben seiner Tätigkeit fürs DRK schon länger eine private Firma, die „Skills Academy“. Dort organisiert er Fortbildungen im Gesundheitsbereich und bot auch Fotoreportagen an. „Drohnenaufnahmen sind eine passende Erweiterung“, sagt er. Köhler besuchte eine Schulung und rüstete sein Material auf.

Er fliegt nun mit einer rund 3,5 Kilogramm schweren Drohne. Dank austauschbarem Kameramodul und einklappbarer Landevorrichtung sind nun auch Wärmebildaufnahmen und 360-Grad-Schwenks möglich. Seit einigen Monaten verfügt er über die Genehmigung, seine Drohne auch kommerziell zu nutzen, ist außerdem Mitglied im Bundesverband der Copterpiloten.

Zuständig ist der Landesbetrieb Mobilität (LBM). Im Antrag müssen Piloten etliche private Angaben machen, die Art ihrer notwendigen Zusatzversicherung angeben, den Zweck ihrer Aufstiege erklären und etlichen Regeln zustimmen. In manchen Bundesländern, nicht aber in Rheinland-Pfalz, müssen Schulungsnachweise beigelegt werden, wonach die Piloten eine Einweisung in die Steuerung der Drohne erhalten haben. Eine Allgemeinerlaubnis gilt in Rheinland-Pfalz für ein Jahr, wird anschließend für zwei Jahre verlängert.

Unsere Redakteurin Jennifer de Luca beim Steuern des RZ-Copters.
Unsere Redakteurin Jennifer de Luca beim Steuern des RZ-Copters.
Foto: Carsten Zillmann


Zudem müssen Flüge jeweils 48 Stunden vorher bei verschiedenen Behörden anzeigen: bei der je nach Einsatzort zuständigen Polizeidienststelle oder dem zuständigen Ordnungsamt. Außerdem müssen Grundstückseigentümer die Zustimmung zum Starten und Landen ihrer Gelände geben. Nicht gestattet ist grundsätzlich zum Beispiel das Fliegen über Menschenmassen oder Unglücksorten. Der Copter muss immer in Sichtweite des Piloten sein und darf nicht höher als 100 Meter aufsteigen.

Privatsphäre ist geschützt

Viele Menschen haben bedenken, von Drohnen ausspioniert zu werden. Auch bei unserem Flug werden wir mehrfach angesprochen. Diese Angst ist aber recht unbegründet: Die Drohne ist viel zu laut, um unbemerkt zu bleiben. Zudem ist die „Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs durch Bildaufnahmen“ strafbar (Paragraf 201a StGB). Grob gesagt: Wer zu nah an Gärten oder eben Personen heranfliegt, kann sich juristischen Ärger einhandeln.

Köhler kooperiert derzeit mit der Firma Teltec in Mainz-Kastel. Ziel ist es, sogenannte sicherheitsrelevante Behörden wie Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienste mit den Geräten auszustatten. „Teltec liefert Technik, ich übernehme die Schulung des Personals“, sagt Köhler, und zählt diverse Einsatzmöglichkeiten auf, darunter auch im Bereich Touristik und Wirtschaft.

Die Drohnen können mit Hilfe von Wärmebildkameras Personen suchen oder Restglutherde bei gelöschten Bränden identifizieren. Dazu kommt die Überwachung von Besucherströmen bei Großveranstaltungen, um Engpässe zu vermeiden. Beim Festival Nature One in Kastellaun hat Köhler diese Funktion erfolgreich getestet. Grundsätzlich seien solche Dinge auch per Helikopter möglich. „Allerdings ist das teurer und recht träge. Sprich: Es dauert lange, bis ein Heli überhaupt am Einsatzort ankommt“, sagt Köhler, der eine weitere Lizenz erworben hat. Auf Wunsch von Behörden darf er Unfallstellen überfliegen, um bei der Beweismittelsicherung zu helfen.

Bad Kreuznach
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