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    Bad Kreuznach"In mir wohnt ein Teufel“: Gefährliche Angriffe mit der Bierflasche

    In kurzen Abständen ging ein 27 Jahre alter Mann aus Bad Kreuznach 2016 jeweils mit einer Bierflasche bewaffnet, grundlos auf Menschen los und verletzte sie zum Teil schwer. Wegen fünf solcher Vorfälle, die sich mit einer Ausnahme in Bad Kreuznach ereigneten, muss sich der 2012 aus seiner somalischen Heimat geflüchtete Mann vor dem Amtsgericht Bad Kreuznach verantworten.

    Bierflasche wurde zur beinahe tödlichen Waffe. (Symbolfoto)
    Bierflasche wurde zur beinahe tödlichen Waffe. (Symbolfoto)

    „Ich muss krank gewesen sein, ich habe getrunken und in mir wohnt ein Teufel“, versuchte der Angeklagte die unbegreiflichen Attacken zu erklären.

    In vielen Fällen waren Landsleute von den Angriffen betroffen, die stets aus heiterem Himmel kamen. Einem 19-jährigen Landsmann zog er unvermittelt hinterrücks einen Schlag mit einer Bierflasche über den Kopf, als dieser einen Supermarkt in der Mannheimer Straße verließ. Der 19-Jährige erlitt eine Verletzung über dem linken Auge, die genäht werden musste. Am gleichen Tag versetzte der Angeklagte einem ebenfalls afrikanischen Mann, mit dem er von der Mühlenstraße zur Viktoriastraße unterwegs war, mit dem abgebrochenen Hals einer Bierflasche einen Schlag ins Gesicht.

    Bis zum September 2016 steigerte sich die Aggressivität der Attacken. Die Verletzung, die der 27-Jährige einem Deutschen am Bahnhof in Bad Kreuznach beibrachte, hätte leicht lebensgefährlich werden können. An der Aral-Tankstelle waren der Angeklagte und der Deutsche aufeinandergetroffen, hatten ganz harmonisch miteinander Bier getrunken und sich unterhalten. Um kurz vor sechs Uhr morgens machte sich das spätere Opfer auf den Weg zu seinem Zug. Dabei muss ihm der Angeklagte gefolgt sein, der ihn auf dem Bahngleis unvermittelt von hinten angriff, indem er ihm eine abgebrochene Bierflasche in den Nacken stach. Der Mann brach zusammen und erlitt wegen der großflächigen Wunde sehr hohen Blutverlust. Er hatte Glück, dass ihn ein anderer Fahrgast fand und sofort die Polizei verständigte. Der Verletzte musste im Krankenhaus ärztlich versorgt werden und wurde für eine Woche auch stationär aufgenommen.

    Dieser Angriff aus dem Hinterhalt hatte für den jungen Mann Folgen. Zurückgeblieben ist eine Empfindungsstörung an der Kopfhaut, und er ist nachhaltig verunsichert. Der Angeklagte will sich an den Ablauf des Angriffs überhaupt nicht mehr erinnern können. Das traumatische Erlebnis hat dazu geführt, dass der junge Mann nun weniger ausgeht und sich ständig umdreht, wenn er sich auf der Straße bewegt. Er nahm im Gerichtssaal die Entschuldigung des Angeklagten an und schüttelte ihm die Hand.

    Verunsicherung ist auch einem weiteren Betroffenen geblieben, der am 14. September in Bad Sobernheim am Bahnhof von dem Angeklagten mit einer Bierflasche angegriffen wurde. Zuerst gesellte sich der 27-Jährige ganz unbedarft zu ihm und seinen Freunden. „Er hat ganz plötzlich zugeschlagen, dabei ging die Flasche kaputt“, schilderte der Attackierte den Vorfall. Er erlitt Schnittwunden an der Stirn, an einem Nasenflügel und an der Oberlippe und musste ebenfalls ärztlich behandelt werden. In diesem wie in allen anderen Fällen hat niemand dem Angeklagten Anlass auch nur für Verärgerung gegeben. Seine Aggression könnte damit zusammenhängen, dass ihn mitunter die Vorstellung befällt, alle Menschen wollten ihn angreifen, mutmaßte der 27-Jährige.

    Er kam im Sommer 2013 nach Bad Kreuznach, absolvierte einen Sprachkurs, konnte aber sonst noch keinen Fuß fassen. Nach seinen Angaben wurde die Familie in Somalia politisch verfolgt, weshalb ein Bruder ebenfalls in Deutschland Schutz gesucht hat. Inzwischen sind auch seine Ehefrau und seine Eltern auf der Flucht. Die Probleme mit aggressivem Verhalten begannen aus seiner Sicht in Deutschland und mit dem Konsum von Alkohol.

    „Sobald ich getrunken habe, war ich gereizt und unberechenbar“, will er selbst erkannt haben. Der Teufel in seinem Kopf gebe ihm Befehl zu trinken und unschuldige Menschen anzugreifen, behauptete er weiter. Er habe auch schon mehrmals den Gedanken gehabt, sich selbst zu töten. Ob er tatsächlich seine Erkrankung so ernst nimmt, wie er behauptet, ist fraglich. Der Angeklagte musste einige Male in einer psychiatrischen Klinik behandelt werden und erhielt auch Medikamente, allerdings verließ er die Klinik immer auf eigene Faust. In der Untersuchungshaft wurde er nun wieder mit Medikamenten versorgt, hat sie aber eigenmächtig abgesetzt. Fortsetzungstermin ist am Freitag, 2. Juni, um 8.30 Uhr.

    Von unserer Reporterin Christine Jäckel

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