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    Mainz/Bingen/Bad Kreuznach/Birkenfeld

    Gefahr für Autofahrer und Fußgänger: Überfrierender Regen führte zu Unfällen und Turbulenzen [5. Update mit Bilanz]

    In den frühen Morgenstunden am Montag kam es in großen Teilen unserer Region zu Verkehrsunfällen. Der überfrierende Regen ließ Straßen und Gehwege zu spiegelglatten Flächen werden, Busse fielen aus, Schulen blieben geschlossen, dafür herrschte Hochbetrieb in den Notaufnahmen. Der Oeffentliche hat sich im Kreis Bad Kreuznach umgesehen.

    Die Polizei in Frankfurt postet dieses Bild auf Facebook und warnt. 
    Die Polizei in Frankfurt postet dieses Bild auf Facebook und warnt. 

    Bis gegen halb 8 Uhr nahm die Polizei insbesondere im Stadtgebiet Mainz und den Landkreisen Mainz-Bingen, Alzey-Worms und Bad Kreuznach 54 Verkehrsunfällen mit erheblichen Sachschäden auf. Betroffen ist auch der Nachbarkreis Birkenfeld.  An einigen Orten fällt die Schule aus.

    Auch Fußgänger sind bereits zu Schaden gekommen.  Die Streudienste sind im Einsatz und beginnen Hauptverkehrsachsen und Haltestellen des ÖPNV zu streuen. Insbesondere Nebenstraßen, Steigungen und Gehwege stellen jedoch noch eine Gefahr dar.

    [Update, 9 Uhr]  Der Deutsche Wetterdienst DWD) meldet für Rheinland-Pfalz: Immer wieder ziehen dichte Wolkenfelder vorüber. Aus ihnen fällt zeitweise Regen, der auf dem gefrorenem Boden gebietsweise zu Glätte führen kann. Anfangs kann in höheren Lagen zum Teil noch Schnee mit dabei sein. 

    [2. Update, 9:40 Uhr] Über Facebook erreichen uns Infos, wonach es vor allem im Simmertal bei Kirn besonders glatt ist; einige Schulbusse fahren nicht.

    [3. Update, 11 Uhr] Gegen 10.30 Uhr hatte sich die Situation der in Bad Kreuznach und Umgebung eingesetzten Busfahrer schon wieder etwas beruhigt. Das kam bei einer Umfrage des Oeffentlichen am Bad Kreuznacher Europaplatz nahe des Bahnhofs heraus. 

    Busfahrer am Bad Kreuznacher Bahnhof ließen erste Fahrt ausfallen

    Sowohl Ernst Krebs als auch Johann Roth hatten ihren Dienst gegen 6.30 Uhr angetreten. Beide mussten ihre erste Busfahrt ausfallen lassen – Krebs um 6:47 in Richtung Bad Münster am Stein-Ebernburg, Roth auf der Strecke Neu-Bamberg-Bad Kreuznach (6:58 Uhr). „Die Hauptstraßen sind wieder frei“, betonte Krebs. „Nur die Seitenstraßen sind schwierig.“ Das bekam Roth bei einer Fahrt nach Sprendlingen, seiner ersten an diesem Tag, zu spüren: „Im Dorf war es sehr glatt, man musste vorsichtig sein.“

    Dass am Bahnhof selbst auch gegen 10.30 Uhr noch viele Busse standen und scheinbar zur Tatenlosigkeit verurteilt waren, hatte derweil nicht mehr zwingend etwas mit der Glätte zu tun. „Die Busfahrer müssen nach den Verspätungen am Morgen warten, um wieder in ihren Zeitplan zu kommen“, erklärten Krebs und Roth unisono.

    Die Fußgängerbereiche mussten gestreut werden.
    Die Fußgängerbereiche mussten gestreut werden.

    Vor allem für die Fußgänger: Bauhofmitarbeiter streuten seit dem frühen Morgen

    Vom Bauhof war unter anderem Hans-Joachim Jung, Angestellter im Öffentlichen Dienst und für die Sauberkeit der Straßen zuständig, am Europaplatz im Einsatz. „Die öffentlichen Plätze und Straßen mit viel Personenverkehr, zum Beispiel in der Fußgängerzone, aber auch vor Schulen und Kindergärten, haben wir seit heute Morgen gestreut“, betont Jung.

    Hans-Joachim Jung, Angestellter im Öffentlichen Dienst und für die Sauberkeit der Straßen zuständig, im Einsatz.
    Hans-Joachim Jung, Angestellter im Öffentlichen Dienst und für die Sauberkeit der Straßen zuständig, im Einsatz.

    Er ist seit 5 Uhr unterwegs, seine Schicht geht bis 13.30 Uhr. „Außerdem sind Streuwagen unterwegs. Generell ist es so, dass zunächst Bundestraßen, dann Straßen im Kreis und dann im Ort gestreut wird“, erläuterte Jung und appellierte zugleich an die Anwohner im Kreis: „Sie sind verpflichtet, selbst vor dem Haus zu streuen. Ansonsten müssen sie eben Geduld haben, auch was die Müllabfuhrt betrifft, die heute Morgen trotzdem unterwegs war.“

    [5. Update, 12:30 Uhr] Viele Menschen, die am Montag in der Frühe das Haus verlassen mussten, fanden sich plötzlich auf dem Hosenboden sitzend wieder: Das Blitzeis in der Region überraschte Männer, Frauen und Kinder auf dem Weg zur Arbeit oder Schule, sorgte für Unfälle auf den Straßen sowie übervolle Notaufnahmen.

     Knochenbrüche und Prellungen: Ärzte in Notaufnahme arbeiteten hektisch

    „Einfach schrecklich“, seufzte eine Sprechstundenhilfe am Telefon der Diakonie auf die Frage, wie denn die Situation in der Aufnahme sei. Obwohl die Ärzte auf Hochtouren arbeiteten, mussten die Patienten lange warten. Knochenbrüche und Prellungen galt es zu behandeln. Seit sechs Uhr morgens verzeichnete auch die zentrale Notaufnahme des Marienwörth einen regen Zulauf an Patienten.

    Rund 80 Fälle wurden allein bis zur Mittagszeit registriert. Insbesondere Frakturen an Schädel, Hand- und Sprunggelenken oder am Oberschenkel waren zu versorgen. Auch Blutungen mussten behandelt werden. „Das Personal wurde kurzfristig aufgestockt, um den Arbeitsanfall zu bewältigen“ erklärte Pressesprecherin Ruth Lederle.

    Schulen blieben teilweise geschlossen

    Des einen Leid, des anderen Freud': Für einige Schüler im Kreis Bad Kreuznach gab's schulfrei. So hatten die Wallhäuser Grund- und Realschule plus komplett zu, da keine Busse fuhren und die Schüler kaum über die spiegelglatten Straßen bis nach Wallhausen kamen. Per Telefonkette wurden die Eltern darüber informiert, dass der Unterricht aus Sicherheitsgründen ausfällt. Geschlossen blieben laut Kreisverwaltung auch die Grundschulen Monzingen, Rümmelsheim und Guldental, außerdem die Grund- und Realschule plus in Bad Sobernheim. Dort wurde die Schüler wieder heimgeschickt, die bereits eingetroffen waren. An der Kreuznacher Kleistschule blieb etwa ein Viertel aller Jungen und Mädchen daheim, schätzt Schulleiterin Birgit Schirmer-Lauterbach.

    Auch Zeitungsausträger kamen ins Rutschen - morgen gibt es zwei Exemplare

    Vom Glatteis waren übrigens auch die Leser des Oeffentlichen Anzeigers betroffen. Auf ihre Zeitung warteten einige gestern vergeblich. „Dienstag werden wir die Zeitung von Montag mit ausliefern, wo das noch nicht geschehen ist“, verspricht Vertriebsbeauftragte Claudia Führer aus Bad Münster-Ebernburg. Ihr Mann ist selbst Zusteller und konnte sich nicht auf den Weg machen. „Sein Auto stellte sich quer. Er musste abbrechen“, berichtet sie. In etlichen Bezirken, darunter neben BME auch Teile von Hochstätten, Wallhausen, Münchwald und Rüdesheim, verhinderte das Blitzeis eine Auslieferung des „Oeffentlichen“.

    Katwarn blieb stumm

    Da Katwarn, das Warn- und Informationssystem für Mobiltelefone, nicht angeschlagen hatte, wurden die Menschen in der Naheregion vielfach vom gefährlichen Glatteis überrascht. „Der Deutsche Wetterdienst hat uns keine Warnung übermittelt“, machte Sprecher Niklas Reinhardt klar. Bei lokal begrenzten, extremen Wetterlagen gibt auch die Kreisverwaltungen Nachricht an Katwarn. Die spiegelglatten Straßen im Kreis wurden jedoch nicht gemeldet, so Reinhardt.

    [5. Update, 13:15 Uhr] Inzwischen hat die Polizei eine neue Bilanz des Tages gezogen:

    Gegen 4:30 Uhr führte danach einsetzender Regen zu überfrierender Nässe auf den Straße und Gehwegen in großen Teilen des Dienstbezirks des Polizeipräsidiums Mainz. Schwerpunkte waren dabei die Region Bad Kreuznach, Rheinhessen sowie das Stadtgebiet Mainz. 

    Es habe eine „Menge an Unfällen“ gegeben, betonte denn auch der Kreuznacher Polizeioberkommissar Stefan Grünewald auf Nachfrage des Oeffentlichen, sprach aber auch davon, dass es sich dabei überwiegend um Blechschäden gehandelt habe und nichts Spektakuläres zu verzeichnen gewesen sei. „Die meisten Unfälle haben sich im Bad Kreuznacher Stadtgebiet sowie in den Gegenden um Langenlonsheim und Bad Münster ereignet“, führte Grünewald weiter aus. 
    Insgesamt kam es zu minestens 129 Verkehrsunfällen:

    • Bad Kreuznach und Umgebung : mehr als 45
    • Mainz Stadtgebiet: 20
    • Rheinhessen: 49
    • Worms und Umgebung: 15

    Schwerpunkt waren jedoch Unfälle zwischen Ingelheim und Mainz.

    Der zeitliche Schwerpunkt der Unfälle setzte mit Beginn des Berufsverkehrs gegen 7 Uhr ein und hielt auf hohem Niveau bis circa 9:30 Uhr an. Die letzten glättebedingten Unfälle wurden der Polizei gegen 11 Uhr gemeldet.

    Einige Beispiele der Unfälle:

    In Ingelheim kam es in der Neisser Straße zu einem Unfall mit einer leichtverletzten Person. Diese klagte nach dem Aufprall über Kopfschmerzen. Beide Fahrzeuge erlitten Totalschaden.

    In der Gonsenheimer Straße in Budenheim stellte sich ein PKW quer. Der nachfolgende PKW konnte durch den Fahrer nicht mehr abgebremst werden und rutschte in die Fahrzeugseite. Es wurde niemand verletzt. Es entstand aber hoher Sachschaden.

    Auch drei Streufahrzeuge jeweils in Ingelheim, Budenheim und Mainz rutschten durch die Glätte von der Straße und prallten gegen geparkte PKW. Auch hier entstand nur Sachschaden. Diese Unfälle wurden auch durch die Polizei aufgenommen.

    Die Schadenshöhe für diese Unfälle bewegt sich im Bereich von mindestens 500.000 EUR. Zum Teil mussten Polizeibeamte ihre Funkstreifenwagen stehen lassen um die Unfälle zu Fuß zu erreichen.

    Kettenreaktion löst wahre Blechlawine aus

    Kettenreaktion  führte zur Blechlawine.
    Kettenreaktion  führte zur Blechlawine.
    Foto: Polizei

    Als "herausragendes Ereignis" bezeichnet die Polizei einen Unfall, der sich um 9:24 Uhr im im Gewerbegebiet Heidesheim, Budenheimer Weg abspielte.

    In der leichten Gefällstrecke standen zu der Zeit bereits ein Sattelzug aus Holland (Fahrer 63), sowie ein 7,5 Tonner aus Offenbach (Fahrer 40). Diese beiden Lastwagen waren wegen der Glätte in der Gefällstrecke stehen geblieben.

    Der nachfolgende, mit Glasflaschen beladene Sattelzug mit einem jungen, polnischen Fahrer am Steuer, bremste ab und kam dabei auf der glatten Fahrbahn ins Rutschen. Hierbei prallte er mit der linken Seite des Aufliegers gegen das Heck des holländischen Sattelzugs. Danach verlor der 25 Jahre alte Pole vollends die Kontrolle über seinen LKW.

    Dieser prallte rechts gegen einen Treppenaufgang in ein Wohngebäude, kam anschließend nach links und kollidierte mit einer Hauswand und dem dort stehenden 7,5-Tonner. Diesen schob er auf eine Grundstückseinfassung und gegen eine Straßenlaterne. Die Laterne  stürzte auf ein Auto, das auf dem Grundstück abgestellt war. Danach rutschte der LKW wieder nach rechts und prallte gegen eine Hangmauer. Der 7,5 Tonner blieb auf der Laterne stehen und verkeilte sich mit dem Sattelzug. Das positive an dieser Karambolage: Es kam zu keinem Personenschaden.

    Durch die Feuerwehr Heidesheim wurden auslaufende Betriebsstoffe abgebunden und die auf der Fahrbahn liegenden Glasflaschen beseitigt. Durch den Aufprall auf den holländischen LKW wurde die Plane aufgerissen und ein Teil der Ladung fiel auf die Fahrbahn. Neben der Feuerwehr war auch der Bauhof der Gemeinde Heidesheim und wegen der umgerissenen Laterne die Energieversorgung Rheinhessen im Einsatz.

    Den Gesamtschaden beziffert die Polizei mit rund 150.000 EUR. Die Bergungs- und Aufräumungsarbeiten sollen sich noch längere Zeit bis in den Nachmittag hinziehen. Aktuell ist ein Teil des Budenheimer Weges noch für einige Zeit gesperrt.

    ce/to

     

    Glatteis bricht Knochen: Viele Unfälle und Stürze auf Straßen und GehwegenAchtung, Eisglätte in Bad Kreuznach
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