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    Bad Kreuznach

    Frauen mit HIV infiziert: Dreieinhalb Jahre Haft

    Weil er zwei junge Frauen durch ungeschützten Sex mit dem HI-Virus angesteckt hat, muss ein Bad Kreuznacher für dreieinhalb Jahre ins Gefängnis.

    Symbolbild
    Symbolbild
    Foto: dpa

    Er hatte gesagt, dass er nach schlechten Erfahrungen aus Scham geschwiegen hat. Das Landgericht lag mit diesem Urteil genau in der Mitte zwischen den Forderungen von Staatsanwaltschaft (vier Jahre) und Verteidigung (drei Jahre). Einig waren sich alle, dass es sich nicht um einen minderschweren Fall von gefährlicher Körperverletzung handelt. So aber hatte das Landgericht das Verhalten des Angeklagten in einem ersten Prozess im März vorigen Jahres eingestuft. Was dazu führte, dass das Oberlandesgericht den damaligen Schuldspruch von drei Jahren und sieben Monaten kassierte.

    In der jetzigen Verhandlung ging es nur noch um das Strafmaß. Das fiel diesmal letztlich sogar minimal geringer aus, weil der 31-Jährige eine wegen anderer Delikte verhängte Haftstrafe inzwischen bereits verbüßt hat. „Er ließ sich durch ein Meer von Drogen treiben": So beschrieb der Sachverständige Thomas Meyer (Vallendar) das Leben des Täters bis vor rund zwei Jahren. Er wurde 1982 in Polen geboren. Als er sechs war, siedelte die Familie nach Bad Kreuznach um. Bereits mit elf Jahren hatte er seinen ersten Rausch, mit 14 nahm er erstmals Amphetamine. Im Alter von 17 wurde er Vater von Zwillingen, er brach eine Metzgerlehre ab und lebte zwischenzeitlich auch auf der Straße, 

    Auch wenn es nicht seine Absicht war, die beiden Frauen im Alter von um die 20 zu infizieren, und er sein Verhalten in seinem Schlusswort noch einmal bedauerte: Er habe dennoch extrem verantwortungslos und egoistisch gehandelt, als er ihnen seine ansteckende Krankheit verschwieg und dennoch ungeschützt Geschlechtsverkehr mit ihnen hatte, unterstrich Staatsanwältin Nicole Frohn.

    Eine der beiden Frauen sagte als Zeugin: „Das ist das Erste, woran ich morgens beim Aufwachen denke", Ein massiver Einschnitt in ihr Leben. Die Folgen seien in diesem Fall viel schwerwiegender als sonst bei gefährlichen Körperverletzungen, verdeutlichte die Staatsanwältin. 

    Er hatte im Prozess erklärt, dass er sich mit 20 Jahren vermutlich bei einer Prostituierten mit dem HI-Virus infiziert hat. Die Diagnose wurde in einer Jugendstrafanstalt gestelltDamit verlor er endgültig den Boden unter den Füßen. "Ich habe versucht, die Diagnose zu vergessen. Ich wollte davon nichts hören", sagt der Angeklagte. Er sagte jahrelang niemandem ein Wort von seiner Krankheit. "Dann hab ich es meinem besten Freund erzählt. Der sagte: ,Am besten kommst du nie wieder her.'" Das sei so hart für ihn gewesen, dass er später auch den beiden Frauen nichts von seiner Krankheit sagte.

    Das Gericht ging von einer verminderten Schuldfähigkeit aus: Der Mann hatte nach eigenen Angaben über Jahre täglich fünf bis sechs Flaschen Bier und eine halbe Flasche Schnaps getrunken, nahm zudem Drogen aller Art. 

    Sein ganzes Leben war auf Drogen und Alkohol fixiert, wie Richterin Caroline Walper in der Urteilsbegründung betonte. Die Gründe dafür liegen wohl im Elternhaus: Er litt unter einem herrischen und gewalttätigen Vater, der viel Alkohol konsumierte. „Schmerzvermeidung ist sein Motto geworden", kommentierte die Richterin seinen Hang, sich seit jungen Jahren permanent zu betäuben – und so auch zu verdrängen, dass er HIV hat. Sie hält deshalb auch eine psychotherapeutische Therapie statt einer Einweisung in eine Entziehungsanstalt für angebracht.

    Kurt Knaudt

    Bad Kreuznach
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