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Bad Kreuznach

Erst Linker, dann zur CDU: Stadtpolitiker Kleudgen fremdelt noch mit seiner Bundes-Partei

Marian Ristow

Es war ein Seitenwechsel mit doppeltem Aha-Effekt. Im März 2017 gab Stadtrat Wolfgang Kleudgen seinen Austritt aus der Fraktion der Linken bekannt. Seine parteipolitischen Funktionen als Stadtverbandsvorsitzender in Bad Kreuznach und stellvertretender Kreisvorsitzender legte der Winzenheimer gleich mit nieder.

Der Wechsel zur CDU sei richtig gewesen, meint Wolfgang Kleudgen ein gutes halbes Jahr nach seinem für viele überraschenden Schritt.  Foto: M. Ristow
Der Wechsel zur CDU sei richtig gewesen, meint Wolfgang Kleudgen ein gutes halbes Jahr nach seinem für viele überraschenden Schritt.
Foto: M. Ristow

Damit war das dynamische Linken-Duo, das Berufsschullehrer Kleudgen gemeinsam mit Jürgen Locher über Jahre im Stadtrat bildete, Vergangenheit. Das überraschte, denn nach außen wirkte die Linken-Fraktion krisensicher, überzeugte souverän und kontinuierlich mit basisnaher Politik, gut ausgearbeiteten Anträgen, die zwar auf Grund der Mehrheitsverhältnisse nur selten eine Mehrheit fanden, aber stets in starker rhetorischer Qualität vorgebracht wurden.

Es gab Jubel, aber auch Kritik

Als Ursache für den Bruch führte er damals „in Teilen politisch-inhaltliche Differenzen – sowohl in kommunalpolitischen Fragen als auch in der politischen Positionierung der Linken auf übergeordneten Ebenen“ an. Mit Kleudgens Austritt verloren die Linken ihren Fraktionsstatus, Kleudgens Ex-Kollege Locher agiert seitdem als politischer Solitär. Der zweite Paukenschlag folgte im Juni 2017: Kleudgen, übrigens früher mal Juso- und SPD-Mitglied, wechselt in die CDU-Fraktion – auch in die Partei trat er ein. Das sei eine Bedingung gewesen. Eine Verstärkung, ein echter Coup, jubilierten die einen, aber auch Kritik kam auf. Vor allem von Ex-Mitstreiter Jürgen Locher. Dieser forderte Kleudgen auf, seine Ämter niederzulegen und den Rat zu verlassen. Gar von Betrug am Wähler war die Rede. Ein Ende im Streit. „Eine verständliche Reaktion“, sinniert Wolfgang Kleudgen im Gespräch mit dem Oeffentlichen Anzeiger gut ein halbes Jahr später. Die Enttäuschung seiner ehemaligen Parteigenossen der Linken könne er voll und ganz verstehen.

„Trotzdem war der Wechsel richtig. Für die Linke und für mich ist es jetzt einfacher“, findet er. Zusehens und schon seit Längerem habe er sich verbiegen müssen, weil er viele Auffassungen der Linken zwar in der großen Politik teile, aber vor Ort, in der Lokalpolitik, gern realpolitischer arbeiten wollte. Das habe stets viele Diskussionen bedeutet und auch die Parteiarbeit ein Stück weit gelähmt. „Das war keine leichte Sache, ich habe mich aber von der ursprünglichen Idee auch ein Stück weit weg entwickelt.“ Eigentlich habe er unabhängig bleiben wollen. Ihm sei aber von Verwaltungsseite signalisiert worden, dass die Linken dann keine Sitze mehr in den Ausschüssen ergattern würden.

An die CDU habe er nicht sofort gedacht, auch wenn er stets wahrgenommen habe, dass dort sehr offen und ohne Scheuklappen diskutiert worden sei. Es habe auch Gespräche mit Karl-Heinz-Delaveaux gegeben – letztlich aber ohne Erfolg. Mit Werner Klopfer habe es sehr gut harmoniert, auch weil der Kleudgens Stärke, den finanzpolitischen Sektor – Kleudgen arbeitete sechs Jahre für die Börsenaufsicht Bafin – erkannte.

„Die CDU ist kein homogenes Gebilde, da kommen viele verschiedene Typen zusammen“, sagt Kleudgen, er sagt aber auch: „Werner Klopfer kam auch schlichtweg zum richtigen Zeitpunkt.“ Die Zusammenarbeit klappe gut, wohl wissend, dass er selbst auch ein Querkopf sein könne. Die Arbeit innerhalb der Fraktion verlaufe auch viel besser und transparenter als man von außen meinen möge. „Manchmal könnte Werner Klopfer besser den Rat von anderen annehmen“, fügt er hinzu. Den Wechsel zur CDU habe er vor allem an finanzwirtschaftlichen und verkehrspolitischen Vorstellungen auf lokaler Ebene festgemacht, mit denen er d’accord gehe. Anträge tatsächlich dann auch im Stadtrat durchzukriegen, sei für ihn neu. Aber durchaus ein gutes Gefühl. „Auf bundespolitischer Ebene bin ich noch nicht in der CDU angekommen, damit tue ich mich noch schwer“, gibt Kleudgen offen zu.

Die Bewerbung war schon fertig

Das Feedback auf seinen Wechsel beschäftige ihn noch. Gerade zur Fastnachtszeit gab es da den ein oder anderen Abputzer. „Da will ich aber kein Mitleid, zu meinen Entscheidungen stehe ich.“ Natürlich hinterfrage man sich, wenn man Kritik bekomme. Das sei ihm aber nicht neu. Er habe nach seinem Wechsel aber auch von Bürgern gehört, dass er nun für sie endlich wählbar sei, weil er nun in einer „richtigen“ Partei sei.

Keinen Hehl macht Kleudgen auch daraus, dass er sich gern auf den Beigeordnetenposten der Stadt beworben hätte. „Die Bewerbung war fertig“, berichtet er. Man habe aber dann gemeinsam überlegt, dass dies vielleicht noch zu früh sein könnte. „Ich wollte auch nicht, dass es so rüberkommt, als ob ich deswegen die Partei gewechselt hätte.“

Von unserem Redakteur Marian Ristow

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