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    Die Telefonseelsorge ist oft der Rettungsanker für Menschen in der Krise

    Weihnachten ist Familienzeit, Hochfest der Harmonie. Aber Weihnachten ist auch Krisenzeit für Menschen in Problemlagen. Dann ist häufig die Telefonseelsorge der letzte Rettungsanker für Ratlose, Einsame und Verzweifelte.

    Kreis Bad Kreuznach - Weihnachten ist Familienzeit, Hochfest der Harmonie. Aber Weihnachten ist auch Krisenzeit für Menschen in Problemlagen. Dann ist häufig die Telefonseelsorge der letzte Rettungsanker für Ratlose, Einsame und Verzweifelte.

    Rund um die Uhr ist die bundesweit einheitliche Rufnummer 0800/110 111 zu erreichen. Am Ende der Leitung sitzen in der Regel ehrenamtliche Telefonseelsorger, die anderen helfen wollen. 105 Telefonseelsorgestellen gibt es bundesweit – eine davon ist in Bad Kreuznach. Sie ist für den gesamten Raum Nahe-Hunsrück zuständig. Träger der ökumenischen Einrichtung sind der evangelische Kirchenkreis An Nahe und Glan, das Bistum Trier sowie die benachbarten Kirchenkreise Obere Nahe und Simmern-Trarbach.
    Wo der Dienstort in Bad Kreuznach liegt, wird nicht bekannt gegeben. Auch persönliche Kontakte zwischen Hilfesuchenden und Hilfespendenden sind streng verboten. „Abgrenzung ist Gegenstand der Ausbildung“, sagt die Diplompsychologin Susanne Schmidt. Sie leitet mit dem Diplomtheologen Georg Krämer die Kreuznacher Stelle. Was hart klingt, ist Bedingung für das Funktionieren und das „Überleben“ der Ehrenamtlichen, die lernen, eine klare Rolle auszuüben. „Der andere darf verzweifelt sein. Ich nehme ihn ernst und nehme ihn an“, so erklärt Krämer die Grundhaltung der Telefonseelsorger. Ein Ziel der Ausbildung sei auch, „weniger“ helfen zu wollen – die Helfer begegnen der aktuellen psychischen Not der Anrufer, doch im Hintergrund schwelen oft viel umfassendere Probleme.
    Die Beratung verläuft anonym, streng vertraulich und ohne Telefonkosten. Die Namen der Gesprächspartner auf beiden Seiten spielen keine Rolle, es werden keinerlei persönliche oder sonstige Daten abgefragt. Die Mitarbeiter unterliegen einer strengen Schweigepflicht. „Wir fragen niemanden aus“, erläutert Krämer die Regel.
    Pro Jahr kommen bei der Telefonseelsorge Nahe-Hunsrück rund 10 000 Gespräche zustande. Keiner wird gedrängt, keiner wird abgewürgt – was auch dazu führen kann, dass nicht alle Anrufer durchkommen. „Wir sind eine Chance, aber keine Garantie“, sagt Schmidt.
    Im Dezember 2011 gab es 800 Gespräche. Aus langjähriger Erfahrung wissen die Aktiven, dass es im Dezember nicht signifikant mehr Anrufe gibt als in den anderen Monaten. Allerdings gibt es dennoch Unterschiede: In der Nacht spielen sich rund 20 Prozent mehr Anrufe ab als sonst. Und: Die Gespräche sind rund ums Fest länger als sonst. Nach Schätzungen rufen im Dezember mehr Alleinlebende an als in den anderen Monaten. Das Thema Einsamkeit wird dabei doppelt so oft zur Sprache gebracht, ebenso Probleme wie Suche noch Sinn und Orientierung, Sucht und Suizid. An Häufigkeit verlieren dafür Dinge wie Partnerschaft und Sexualität. Altersmäßig liegen Schwerpunkte unter 20 Jahre sowie zwischen 40 bis 60 Jahre, wird geschätzt. „Oft platzen Lebensträume in diesem Alter“, sagen die Leiter. Sie sind dankbar, dass es weitere Angebote gibt, etwa das Kinder- und Jugendtelefon des Kinderschutzbunds.
    Die Hilfe folgt dem Beispiel des Barmherzigen Samariters, macht Krämer den biblischen Hintergrund deutlich: „Wer gerade in der Leitung ist, ist unser Nächster, dem geholfen wird.“Oft rufen Kranke, Arme, Vereinsamte auch immer wieder an. Die Telefonseelsorge ist ein Baustein im sozialen Netz. Der Anspruch lautet: „Ein Netz, das trägt.“ Das Reden soll Erleichterung bringen, gemeinsam werden die nächsten Schritte erkundet, um das Leben weiterzuleben. Und vorrangig: Der nächtliche Anrufer soll zur Ruhe kommen, soll endlich schlafen können. Der Telefonseelsorger versucht die Aufmerksamkeit zu gewinnen, in den intensiven Dialog zu kommen und herauszufinden, was der Anrufer in seiner ganz individuellen Situation braucht. Das ist häufig sehr schwierig. Krämer schätzt, dass rund 200 Anrufer pro Jahr vor Verzweiflungstaten stehen.
    Doch die Hilfe ist keine Einbahnstraße, sagen die Verantwortlichen. „Die Gesprächssituation beschenkt auch die Helfer durch die Nähe, die entsteht“, sagt Susanne Schmidt dazu. 60 Ehrenamtliche stellen sich dieser Verantwortung bei der Telefonseelsorge Nahe-Hunsrück. Weitere Helfer werden gesucht. Georg Krämer ist ein bisschen stolz auf ein Umfrageergebnis: „Die Telefonseelsorge ist als Marke fast so bekannt wie Coca-Cola – und bei beiden weiß man als Außenstehender nicht genau, was darin enthalten ist.“ Vielleicht ist dies ein Anreiz, das näher zu erkunden. (rg)

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