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Desloch

Deslocher im Zwiespalt: Zwei Linden retten oder fällen?

Was passiert mit den beiden Linden am Kirchenaufgang in Desloch? Während die einen eine Fällung der schätzungsweise 100 Jahre alten Bäume als „sinnvoll und nachhaltig" erachten und eine damit verbundene Neugestaltung des Platzes als Chance sehen, möchten andere die Schattenspender erhalten.

Desloch – Was passiert mit den beiden Linden am Kirchenaufgang in Desloch? Während die einen eine Fällung der schätzungsweise 100 Jahre alten Bäume als „sinnvoll und nachhaltig" erachten und eine damit verbundene Neugestaltung des Platzes als Chance sehen, möchten andere die Schattenspender erhalten.

Ein Baum gehört der Kirchengemeinde und einer der Zivilgemeinde.Beide Gremien stehen vor einer schwierigen Entscheidung. Einerseits müssen sie ihrer Verkehrssicherungspflicht nachkommen, andererseits prägen die Dorflinden das Ortsbild und haben einen historischen Charakter, da sie sogenannte Gerichtslinden sind, an denen in früheren Jahren Recht gesprochen wurde.

Fachleute, unter anderem der Unteren Naturschutzbehörde der Kreisverwaltung, haben sich die Bäume vor Tagen angesehen. Nun holten Kirchengemeinde und politische Gemeinde mit Martin de Wyl, einem Fachagrarwirt für Baumpflege und Baumsanierung des Odernheimer Fachbetriebs Die BaumGärtner, eine zweite Meinung ein. Ein Kontrollbericht der visuellen Begutachtung geht der Zivil- und der evangelischen Kirchengemeinde in den nächsten Tagen zu.Zum Ortstermin mit Martin De Wyl hatten sich einige Bürger an den Linden versammelt. Sie verfolgten gespannt, was der Diplom-Ingenieur (FH) für Landschaftsarchitektur und Umweltplanung erläuterte.

Er stellte zwar am Baum der evangelischen Kirchengemeinde im Vergleich zum Gemeinde-Baum ein kleines Defizit fest, notierte ein Abblättern der Rinde und eine wenig ausgeprägte Feinverzweigung sowie insgesamt eine etwas schwächere Vitalität. Auch machte er einige Totäste aus, deren Bruchgefahr jedoch nach seiner Meinung mit einer Baumpflegemaßnahme eingedämmt werden könnte. Er kam zum Schluss: „Es bestehen derzeit keine äußeren Merkmale, dass die Stand- oder Bruchsicherheit der Lindenbäume gefährdet ist."

Pfarrer Rainer Bauhaus befindet sich im Zwiespalt. Einig ist er sich jedoch mit Ortsbürgermeister Udo Reidenbach, dass entweder keiner oder beide Bäume gefällt werden sollen. Bauhaus sagt: „Wir freuen uns über jeden, der die Bäume erhalten will, aber irgendjemand muss das bezahlen. Bei der klammen Kassenlage der Kirche und der Gemeinde ist das schwierig."

„Vielleicht machen wir mal ein Lindenfest", regten Dorfbewohner spontan eine mögliche Einnahmequelle an, über die dann eine Baumsanierung finanziert werden könne. Das Ehepaar Bender, das das benachbarte ehemalige Schulhaus erworben hat und derzeit renoviert, will Patenschaften initiieren.

Pfarrer Bauhaus weiß: „Das Fällen ist auch nicht billig. Danach müssen die Wurzeln ausgefräst und das Erdreich ausgekoffert werden, und die Neupflanzung kostet auch Geld. Aber man könnte das Ensemble komplett neu gestalten für die nachfolgende Generation." Sowohl das Presbyterium als auch der Gemeinderat müssten sich der schwierigen Frage stellen: „Was macht Sinn?Jetzt erhalten und in fünf Jahren doch fällen?"

Man sei interessiert, eine nachhaltige Entscheidung zu treffen, die auch für nachfolgende Generationen tragbar sei. Ortsbürgermeister Udo Reidenbach ergeht es ähnlich. Er sieht sich und die Gemeinde in erster Linie in der Verkehrssicherungspflicht. Die gehobenen Pflastersteine rund um die Lindenbäume, die sich leicht zur Seite neigende Begrenzungsmauer und der Treppenaufgang insgesamt stellten Unfallgefahren dar, so Reidenbach. In der nächsten Ratssitzung am Montag, 11. März, soll der Gemeinderat einen entsprechenden Beschluss fassen. Eine Fällung der Bäume nach dem 1. März komme nach dem Naturschutzgesetz jedoch nur noch dann in Frage, wenn Gefahr in Verzug sei, erklärte Fachmann Martin de Wyl den interessierten Bürgern. (kx)

Bad Kreuznach
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