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Bad Kreuznach

Der nächste Paukenschlag in der Stadtpolitik: Birgit Ensminger-Busse (bisher FDP) will sich der CDU anschließen

Harald Gebhardt

Selbst in der Sommerpause kehrt im Bad Kreuznacher Stadtrat keine Ruhe ein. Das muntere Wechselspiel geht weiter. Diesmal trifft es die Liberalen: Birgit Ensminger-Busse (59) aus Bad Münster am Stein-Ebernburg hat am Montagabend ihre Mitgliedschaft in der FDP gekündigt, behält aber ihr Stadtratsmandat. Damit verlieren nach der Linken nun auch die Liberalen ihren Fraktionsstatus, FDP-Chef Jürgen Eitel bleibt allein zurück.

Birgit Ensminger-Busse verlässt die FDP und will zur CDU.  Foto: FDP
Birgit Ensminger-Busse verlässt die FDP und will zur CDU.
Foto: FDP

„Diese Entscheidung kam für den FDP-Stadtverband völlig überraschend“, teilt die FDP in einer Presseerklärung mit. „Ensminger-Busse erklärte in ihrem Schreiben, dass sie das Stadtratsmandat behalten wird. Die FDP bedauert das.“ Ensminger-Busse war im Oktober 2015 für Dr. Walter Görtz nachgerückt, der bei der Kommunalwahl 2014 in den Stadtrat gewählt wurde, aus beruflichen Gründen das Mandat aber nicht mehr wahrnehmen konnte.

Auch wenn es für die FDP nun überraschend gekommen sei, sie habe sich schon länger mit dem Gedanken getragen, die Partei zu verlassen, erklärte sie gegenüber dem „Oeffentlichen“. Als Beweggründe nannte sie, dass „ich nie so richtig akzeptiert wurde“. Auch der Informationsfluss habe nicht geklappt, kritisiert sie. Vielleicht liege es daran, dass sie nicht die erhoffte Wertschätzung erfahren habe – auch bei ihren politischen Vorstellungen. Die Kreis-Chorleiterin führt dies auch darauf zurück, dass die FDP von Männern dominiert ist.

Einzelkämpferin im Rat will Ensminger-Busse aber nicht bleiben. „Da stehe ich auf verlorenem Posten“, erklärte sie. Sie will sich der CDU-Fraktion anschließen und auch in die Partei eintreten. „Von leuchtendem Gelb zum frischen Orange“, wie sie sich ausdrückte. Sie habe sich den Christdemokraten auch schon immer verbunden gefühlt, nicht zuletzt wegen der christlichen Werte und Überzeugungen, so die Presbyterin. Sie stamme aber aus einer liberalen Familie, erläuterte sie. Und als sie dann überlegte, in die Stadtpolitik zu gehen, blieb sie dem „Familien-Label“ treu. Ein weiteres Kriterium bei ihrer Entscheidung war dabei aber auch, dass sich die Kreuznacher CDU damals als zerstrittene Partei und Fraktion präsentierte.

„Die Entscheidung jetzt ist ein persönlicher Schritt von mir. Ich will der FDP aber nicht schaden“, betont sie. Denn auch in Zukunft werde man im Rat auch mit den Liberalen zusammenarbeiten. „Wir müssen weiter miteinander auskommen“, ist ihr weiter an einem guten Verhältnis gelegen. Sie habe sich zum jetzigen Zeitpunkt zu diesem Schritt entschlossen, weil ab Herbst dann auch schon wieder der kommende Kommunalwahlkampf beginnt.

Und nach der Sommerpause müssen wegen des Wechsels von Wolfgang Kleudgen von der CDU zur FWG von Karl-Heinz Delaveaux die Ausschüsse des Stadtrats ohnehin neu gewählt werden. Vermutlich in der Sitzung Ende August. So könne dies in einem geschehen, als wenn sie noch länger gewartet hätte. Ensminger-Busse empfindet ihren Wechsel auch als „ehrliche Entscheidung“. „Die Kommunalwahl ist eine personenbezogene Wahl“, sagt sie. „Ich möchte mich weiter kommunalpolitisch engagieren. Deshalb behalte ich das Ratsmandat.“

Die FDP wird in einer für den heutigen Donnerstag einberufenen Vorstandssitzung die veränderte Situation beraten, kündigt Eitel an.

Von unserem Redakteur Harald Gebhardt

Der nächste Paukenschlag

Harmonisch ging's im Kreuznacher Stadtrat ja nie zu – nicht einmal zu Zeiten einer stabilen Großen Koalition. Dafür sitzen hier einfach zu viele Solisten. In dieser Wahlperiode muss man aber schon von einer Kakofonie sprechen. Die ständigen Wechsel der politischen Couleur, oft verbunden mit einer veränderten Tonlage, sorgen für Missklänge. Viele Sänger sitzen längst nicht mehr in dem Orchester, in dem sie ihre Ratskarriere begonnen haben.

Jetzt der nächste Paukenschlag: Birgit Ensminger-Busse, die sich als Sopranistin und Kreis-Chorleiterin in Harmonielehre bestens auskennt, wechselt vom F(DP)-moll zum hohen C(DU)-Dur. Ob da im Hintergrund CDU-Fraktionschef Werner Klopfer wieder einmal die Melodie geschrieben hat? Das pfeifen die Spatzen vom Stadthausdach. Ich würde drauf wetten. Ensminger-Busse beherrscht jede Tonart, bei Jürgen Eitel ist das nicht so sicher. Doch der FDP-Chef muss sich nun als Solist versuchen.

E-Mail: harald.gebhardt@ rhein-zeitung.net

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