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    Bad Kreuznach

    Deja Vu – Ritt durch 30 Jahre Heinz Becker

    Da sitzt er, der Heinz Becker, in der bekannten Einbauküche im Holzimitatdekor und gleich hinter dem Kühlschrank beginnt das Weltall. Das ist das Traumbild, mit dem Kabarettist Gerd Dudenhöffer im voll besetzten Kursaal sein Publikum in das „Deja Vu“-Programm hineinversetzt. Tatsächlich besteht das Bühnenbild aus Gartenstuhl und Bierflasche mit stilisierter Becker-Dudenhöffer-Porträtwand im Hintergrund.

    Gerd Dudenhöffer gastierte mit dem Programm Deja Vu im Kursaal.
    Gerd Dudenhöffer gastierte mit dem Programm Deja Vu im Kursaal.
    Foto: chj

    Der Einbauküchenphilosoph

    Und damit ist das Themenspektrum des Abends abgesteckt, Dudenhöffer lässt das den Becker Heinz in die (Einbauküchen-)philosophische Weisheit fassen: „Es fängt an mit der Geburt und mit dem Tod hört‘s auf, dazwischen musst du gucken.“ Das „Best of“ aus 30 Jahren und 16 Programmen reicht in die Flitterwochenzeit von Heinz und Hilde zurück. Kerzenschein und rote Rosen? Fehlanzeige. Wenn Heinz das Wort Stellung in seiner sexuellen Bedeutung ausspricht, oder besser, auszusprechen gezwungen ist, um die kürzlich im Eckstübchen stattgehabte Stammtischdiskussion wiederzugeben, verzieht er angeekelt das Gesicht in Erwartung einer unmittelbaren Infektion. Die große Angst vor dem Aus-der-Rolle-fallen, vor dem Anderssein zeichnet Dudenhöffer da exakt nach, und wie sie sich zum Argwohn und Hass auf Andersdenkende, Andersgläubige oder Andersfarbige entwickelt. Heinz ist bestimmt der Letzte, den man feministischer Umtriebe verdächtigen kann. Oder liberaler Ansichten. Natürlich muss er im Laufe des Abends fallen, der Ausspruch, der den Becker Heinz ausmacht: „Ich bin jo bestimmt nit tolerant . . .“

    Ein Neger namens Wolfgang

    Dudenhöffer spießt eben die Angst vor dem Fremden, unsere Furcht vor unruhigen Zeitläuften und möglichen Folgen für das Wohlstandsinselchen auf. Da klingelt das Mobiltelefon eines vergesslichen Besuchers. „Geh‘n Sie ruhig dran, wenn‘s der Erdogan ist, sagen Sie ihm, es wär voll“, reagiert der Kabarettist umgehend. Die weit über 300-köpfige Besucherschar johlt. Der Becker Heinz hält mit seiner Einschätzung des Weltgeschehens nicht hinterm Berg. „Die politische Lage ist mehr rechts als schlecht“, provoziert seine Einschätzung in einem der unnachahmlichen Beckerschen Satzverdreher die nächste Lachsalve im Saal. Heinz pflegt genüsslich sein Scheuklappen-Weltbild, geprägt durch über Generationen weitergetragene rassistische Folklore. Darin kann es keine Männer mit schwarzer Hautfarbe geben, die Wolfgang heißen. Da wird Gleichbehandlung zur Lachnummer im „Schnitzel mit Migrationshintergrund“. Aber es kommen auch klare Dudenhöffer-Ansagen: „Lieber eine Demokratie mit schlechten Politikern als eine Diktatur mit guten Politikern.“ Für die Zugabe wechselt der Schauspieler und Regisseur Dudenhöffer die Rolle und liest eigene Lyrik vor. Am 9. Dezember steht „Deja Vu“ noch einmal auf dem Programm.

    Von unserer Reporterin Christine Jäckel

    Bad Kreuznach
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