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    Umleitungen im Rhein-Lahn-Kreis: Spedition fürchtet Chaos auf Lkw-Routen

    Mitte Oktober werden eine Woche lang zwei wichtige Transportrouten im Rhein-Lahn-Kreis gleichzeitig gesperrt sein: und zwar von Montag, 16., bis Freitag, 20. Oktober. Neben der B 260 zwischen Dausenau und Nassau wird dann auch die Landesstraße 335 zwischen Marienfels und Miehlen nicht befahrbar sein.

    Ab Mitte Oktober rollen auf der L 335 zwischen Marienfels und Miehlen erst mal keine Lkw mehr. Aber auch für den restlichen Verkehr ist die Strecke voll gesperrt. Die Landesstraße wird hier komplett neu gebaut. Foto: Cordula Sailer
    Ab Mitte Oktober rollen auf der L 335 zwischen Marienfels und Miehlen erst mal keine Lkw mehr. Aber auch für den restlichen Verkehr ist die Strecke voll gesperrt. Die Landesstraße wird hier komplett neu gebaut.
    Foto: Cordula Sailer

    Auf der Bundesstraße (Sperrung von 4. bis 20. Oktober) wird neuer Asphalt eingebaut. Hier werden vor allem die oberen zwei Asphaltschichten neu gemacht. Teils wird die Straße aber auch grundlegend erneuert, was laut Landesbetrieb Mobilität eine Vollsperrung nötig macht. Die L 335 zwischen den beiden Taunusgemeinden wird als ein Baustein der Umgehungsstraße Marienfels/Miehlen komplett neu gebaut. Die Arbeiten an daran sollen bis in den Frühsommer 2018 reichen.

    Doch der Zeitraum, in dem beide Sperrungen parallel bestehen und auch noch die Bergwegebrücke auf der B 42 bei Lahnstein saniert wird, ist für den Schwerlastverkehr kritisch. Denn „die offizielle Umleitungsstrecke ist schlecht für Lkw geeignet“, sagt Wolfgang Schneider, Inhaber einer Spedition in Holzhausen an der Haide.

    Schneider spielt ein Szenario aus seinem Alltag durch: „Wir müssen zum Beispiel in Lahnstein laden für eine Fahrt Richtung Frankfurt, und fahren normalerweise auf der Bäderstraße.“ Da die Bäderstraße (B 260) nun aber zwischen Dausenau und Nassau gesperrt ist, bleibe als Ausweichroute normalerweise der Weg durch Braubach und weiter über die L 335. Durch die Sperrung ab 16. Oktober ist hier aber vor Marienfels der Weg zu Ende.

    Die enge Kurve auf der L 333 zwischen Dachsenhausen und Winterwerb ist ein Schreckgespenst für Lkw-Fahrer. Sie liegt auf der offiziellen Umleitung, sobald die L 335 zwischen Marienfels und Miehlen ab Mitte Oktober gesperrt ist. Viele Fahrer haben zunächst keine Wahl, denn wenn die Sperrung beginnt, ist auch noch die B 260 zwischen Dausenau und Nassau dicht. Foto: Norbert Schmiedel
    Die enge Kurve auf der L 333 zwischen Dachsenhausen und Winterwerb ist ein Schreckgespenst für Lkw-Fahrer. Sie liegt auf der offiziellen Umleitung, sobald die L 335 zwischen Marienfels und Miehlen ab Mitte Oktober gesperrt ist. Viele Fahrer haben zunächst keine Wahl, denn wenn die Sperrung beginnt, ist auch noch die B 260 zwischen Dausenau und Nassau dicht.
    Foto: Norbert Schmiedel

    Umgeleitet wird der Verkehr auf der Landesstraße aus Richtung Braubach dann auf die L 333 über Winterwerb, Gemmerich, Himmighofen und Kasdorf. Ein Schreckgespenst für Lkw-Fahrer auf dieser Route ist die Spitzkehre zwischen Dachsenhausen und Winterwerb – nicht nur, weil sie sehr eng ist, sondern auch aufgrund des Gefälles.

    Ein 40-Tonner „muss, um da rumzukommen, ein bisschen nach links rausfahren“, erläutert Wolfgang Schneiders Sohn Tim. „Und in dem Moment, indem er da runterfährt, blockiert er den ganzen Verkehr“, erläutert Tim Schneider weiter. Bei nasser Straße, vielleicht auch noch mit rutschigem Laub versehen, könne der Lastwagen in der Kurve hängen bleiben. „Und mit Schnee wäre es hier sowieso aus“, betont Spediteur Wolfgang Schneider.

    Auch in den Ortschaften selbst, die auf der Umleitungsstrecke liegen, gehe es mit dem Lastwagen teils eng zu – wie zum Beispiel in Winterwerb. „An der Ortsausfahrt Richtung Himmighofen ist eine ganz scharfe Kurve, die man nicht überblicken kann, weil es da voll mit Häusern ist“, sagt Schneider. Dazu komme: Die Lkw seiner Spedition werden nicht die einzigen großen Fahrzeuge auf der Route sein. Zu rechnen sei also auch mit Gegenverkehr, etwa in Form von Bussen oder Mülltransportern. Da bliebe manchmal nur noch rückwärtsfahren, wenn man in schmalen Straßen innerorts aufeinandertreffe. „Alles, was ein bisschen breiter ist als ein Auto, fährt da durch“, sagt Tim Schneider über die offizielle Umleitung über die L 333. „Da ist die Hölle los.“

    Und stattdessen einfach doch über die Bäderstraße fahren und der dort ausgeschilderten Umleitung folgen? Diese führt von Bad Ems aus über die L 327 weiter nach Kemmenau und Welschneudorf. Von dort geht die Umleitung über die L 330 nach Nassau. „Über Welschneudorf mit einem 40-Tonner, das ist der absolute Wahnsinn“, meint Jens Dickel, der sich als Disponent der Spedition Wolfgang Schneider auch schon seinen Kopf über die Umleitungen zerbrochen hat. Dort warte ein „Riesenanstieg“ und eine enge, kurvige Straße.

    „So eine Umleitung muss halt mal sein, aber eben nicht alles auf einmal“, resümiert Wolfgang Schneider. Auf einer Route nach Frankfurt und Wiesbaden beziehungsweise in die andere Richtung nach Koblenz hätte er sich freie Fahrt gewünscht: entweder auf der Bäderstraße oder auf der L 335 und von Braubach aus weiter auf der derzeit ebenfalls nur einseitig befahrbaren B 42 bei Lahnstein. Seit Schneider von den Sperrungen aus unserer Zeitung erfahren hat, ist er dabei, Termine umzuorganisieren: Denn die Umleitungen zu fahren, nimmt mehr Zeit in Anspruch, und er muss bei der Terminplanung auch auf die Ruhezeiten für seine Fahrer achten. „Wir haben erhebliche Mehrkosten.“

    Herr über die betreffenden Baustellen und Umleitungen ist der Landesbetrieb Mobilität (LBM) Diez. Dort sei man sich der Nöte der Transportbranche durchaus bewusst, sagt Kai Mifka, stellvertretender Leiter der Behörde. „Wir kriegen auch Baumaterial mit Sattelzügen angeliefert“, sagt Mifka. „Es ist nicht so, dass wir so eine Umleitungskonstellation gerne haben.“ Doch der Landesbetrieb unterliege bei seiner Planung vielen Zwängen.

    Eine Rolle spielen dabei die Gelder, die der Bund dem Land zum Erhalt des Straßennetzes zur Verfügung stellt. Für das Jahr 2017 seien hier 433 Millionen Euro veranschlagt, so Mifka. Das seien noch mal etwas mehr Mittel als im Vorjahr. Und bereits 2016 konnten etwa 45 Millionen der Gelder nicht „verbaut“ werden. Ein Problem dabei ist: Baustofflieferanten, Planungsbüros und Fuhrunternehmen hätten so gut gefüllte Auftragsbücher, dass sie ausgelastet sind. „Wir müssen sehen, wo es sinnvoll ist, das Geld zu investieren“, erklärt Kai Mifka. Sanierungsbedarf bestehe etwa bei den Brücken. Daher stehe auch die Bergwegebrücke bei Lahnstein auf dem Bauprogramm des LBM, die statisch verstärkt wird und derzeit halbseitig gesperrt ist. Neben den Brücken sei es wichtig, Strecken anzugehen, die sich in einem schlechten Zustand befinden.

    Hier nennt Mifka das Lahntal, wo der LBM Diez in mehreren Etappen die B 260 beziehungsweise die B 417 entlang des Flusses saniert. „Der Streckenzug ist erneuerungsbedürftig, aber da haben wir viele Interessen zu berücksichtigen“, erläutert Mifka.

    Als Beispiel nennt er den Tourismus entlang der Lahn. Hier sei es in den Sommermonaten geboten gewesen, sich unter anderem mit Kanuverleihern abzustimmen, damit diese ihre Boote gut transportieren konnten. Auch auf Wechselwirkungen mit anderen Baustellen habe man achten müssen, wie etwa mit der Instandsetzung der Gelbachtalbrücke an der B 49 bei Montabaur. Nicht zuletzt sei auch die Witterung ein unsicherer Faktor, der den Ablauf der Bauarbeiten beeinflusst.

    Der LBM versuche aber, den Anliegen der Verkehrsteilnehmer und betroffener Kommunen gerecht zu werden: Geplante Vollsperrungstermine für die Bergwegebrücke in Lahnstein habe man wegen „Rhein in Flammen“ und der Lahnsteiner Kirmes verschoben. Und die ursprünglich geplanten acht Wochen Vollsperrung zwischen Dausenau und Nassau auf der B 260 habe seine Behörde auf zweieinhalb reduziert. Dafür wurde länger unter halbseitiger Sperrung mit Ampelverkehr gearbeitet. „Allein dieser Aufwand in der Verkehrsführung kostet 40.000 Euro mehr“, sagt Kai Mifka.

    Die Landesstraßen, über die der Schwerlastverkehr nun umgeleitet werde, seien für Lkw ausgelegt, so Mifka weiter. Über die Umleitung auf die L 333 könne man die gesperrte L 335 ganz gut kompensieren. Dass die andere Umleitung über Welschneudorf für Lastwagen „nicht toll zu fahren ist“, sei ihm klar. Aber er sagt auch: „Es geht um einen begrenzten Zeitraum.“

    Von unserer Redakteurin Cordula Sailer

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