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    Ultratrail ab Braubach: In 19 Stunden und 37 Minuten nach Bonn

    "Das hier ist leichter als ein Marathon", behauptet einer der Läufer. Wie bitte? Wie, um alles in der Welt, können 162 Kilometer leichter zu laufen sein als 42? "Doch!", kommt es prompt zurück. "Wenn ich für einen solchen Lauf 25 Stunden brauche, können nur wenige beurteilen, ob das langsam oder schnell ist. Aber wenn ich einen Marathon in viereinhalb Stunden schaffe, heißt es gleich: ‚Hast wohl einen schlechten Tag gehabt.‘"

    Sieben Läufer und ihre "Starthelfer" fiebern dem Hundertmeiler entgegen (von links): Andreas Richter, Tom Eller, Guido Kreuzberg, Veranstalter Michael Eßer, Stadtbürgermeister Joachim Müller, Tobias Krumm, Weinkönigin Nadine I., Bacchantin Irena, Burgvogt Gerhard Wagner, Frank Müller, Michael Krause und Günter Kromer. Foto: Ulrike Bletzer
    Sieben Läufer und ihre "Starthelfer" fiebern dem Hundertmeiler entgegen (von links): Andreas Richter, Tom Eller, Guido Kreuzberg, Veranstalter Michael Eßer, Stadtbürgermeister Joachim Müller, Tobias Krumm, Weinkönigin Nadine I., Bacchantin Irena, Burgvogt Gerhard Wagner, Frank Müller, Michael Krause und Günter Kromer.
    Foto: Ulrike Bletzer

    Von unserer Mitarbeiterin Ulrike Bletzer

    Samstag, kurz vor 8 Uhr in der Frühe. Im Innenhof der Braubacher Marksburg läuft gerade, von der Außenwelt weitgehend unbemerkt, der Countdown für eine Premiere: Zum ersten Mal setzen die Veranstalter des 140 Kilometer langen Koblenz-Bonn-Lauftrails, kurz Kobolt, noch einen drauf und bieten zusätzlich einen Hundertmeiler, sprich einen 162 Kilometer langen Ultratrail von Braubach aus über den Rheinsteig bis nach Bonn an. "Weil es unser siebter Kobolt ist und zu diesem Jubiläum ein Special fällig war", erklärt Michael Eßer, der die Kobolte zusammen mit zwei Freunden und einem engagierten Helferteam organisiert - und der Magie der Zahl 7 verfallen ist. Dass die Teilnehmer des Marksburg-Kobolts an John Stages Westernklassiker angelehnt "Die Glorreichen Sieben" heißen, erscheint da nur folgerichtig - genauso wie die Tatsache, dass dieses Spektakel erst in sieben Jahren wieder stattfinden wird.

    Es ist ein handverlesenes Trüppchen von sieben Langstrecken- oder, besser gesagt, Extremlangstreckenläufern, die sich hier im Halbdunkel zusammengefunden haben. Sieben Läufer, die sich per 30-Sekunden-Video auf Facebook oder Youtube um einen der Plätze beworben und es als weitere Voraussetzung schon einmal bei einem Kobolt bis ins Ziel geschafft haben. Und jetzt also ohne Unterbrechung schier unglaubliche 162 Kilometer weit und über 5232 Höhenmeter hinweg unterwegs sein werden.

    Ohne "Starthilfe" geht es nicht

    Logisch, dass das nicht ohne offizielle "Starthilfe" geht: Braubachs Weinkönigin Nadine I. und ihre Bacchantin Irena machen den Glorreichen Sieben ihre Aufwartung, und auch Gerhard Wagner, Geschäftsführer der Deutschen Burgenvereinigung und als solcher Hausherr auf der Marksburg, ist vor Ort. Stadtbürgermeister Joachim Müller, der bei früheren Kobolten bereits einen Teil des Rathauses als Versorgungsstation zur Verfügung gestellt, gibt den Läufern noch ein paar aufmunternde Worte mit auf den langen Weg - dann hat auch schon der Morgennebel die Herren Tom Eller, Michael Krause, Guido Kreuzberg, Günter Kromer, Tobias Krumm, Frank Müller und Andreas Richter verschluckt.

    Drei von ihnen sind, da in Bonn wohnhaft, jetzt sozusagen auf dem Nachhauseweg. Aber auch jeweils ein Läufer aus Grafschaft, Bergisch-Gladbach, Bottrop und Karlsruhe ist dabei. Das Durchschnittsalter dieses regional bunt gemischten Trüppchens dürfte irgendwo zwischen 40 und 50 Jahren liegen. "Man muss schon eine Menge Erfahrung mitbringen, um diesen Lauf zu bestehen, schließlich ist man auch bei schlechtem Wetter und nachts unterwegs", sagt Michael Eßer, während Helfer Ulrich Hansmann betont: "Neben den Muskeln muss vor allen Dingen auch der Kopf trainiert sein. Erfahrene Läufer wissen, dass irgendwann das Tief kommt - aber sie können damit umgehen, lenken sich zum Beispiel ab und hören Musik oder laufen mit jemand anderem zusammen." Und wieder klingt an, was Läufer Tobias Krumm kurz vor dem Start betont hat: "Anders, als es manchmal beim Marathon der Fall ist, herrscht bei den Ultraläufern keine Ellenbogenmentalität. Im Gegenteil, wenn sich jemand verläuft oder irgendein anderes Problem hat, kümmern sich die anderen um ihn. Es ist ein Miteinander, kein Gegeneinander."

    Der Sieger steht schon fest

    Tobias Krumm ist übrigens derjenige, von dem alle schon lange vor dem Start wissen, dass er den Lauf gewinnen wird - in dieser Hinsicht, aber nur in dieser, ist es also eine todlangweilige Veranstaltung, was hier gerade über die Bühne geht. In der Tat überquert Tobias Krumm nach 19 Stunden und 37 Minuten als Erster die Ziellinie. Zur Orientierung: Maximal 32 Stunden haben die Teilnehmer Zeit. "Er ist der Schnellste, aber keiner mit Starallüren", beschreibt Ulrich Hansmann den Glorreichsten der Glorreichen, dessen Vater beim Kleinen Kobolt mitläuft.

    Womit wir beim sonstigen Tages- und Nachtprogramm wären: Um 11 Uhr gehen 44 Läufer auf der Festung Ehrenbreitstein in Koblenz auf die 140 Kilometer, um 14 Uhr 33 weitere in Rengsdorf auf die dann immerhin noch 106 Kilometer weite Reise. An den insgesamt fünf Verpflegungsstationen versorgen sich manche sogar mit Bier, wie Ulrich Hansmann verrät: "Die Hefe beruhigt den Magen, der durch die Anstrengung schon mal gereizt sein kann." Fünf bis 15 Minuten halten sich die Ultralangstreckler an den Versorgungsstationen auf - auch das ein Unterschied zu den Marathonläufern, die sich häufig nur schnell im Vorbeilaufen etwas greifen. "Sie wissen, dass sie sich von Anfang an gut versorgen müssen, weil ihnen die Energie sonst hinterher fehlt", erklärt Michael Eßer.

    Alles gut gelaufen

    Eine Umsicht, die sich aus diesmal lohnt. "Alles bestens", meldet Eßer am nächsten Morgen kurz nach 9 Uhr aus Bonn. Nur eine Handvoll der insgesamt 84 Läufer habe unterwegs schlappgemacht und sich von einer der Versorgungsstationen abholen lassen: "Jetzt trudeln die Läufer, nachdem die Ersten zwischen 3 und 4 Uhr angekommen sind, nach und nach ein. Gegen Mittag ist die Ehrung. Wir warten aber noch bis 16 Uhr. Schließlich soll jeder, der mitgelaufen ist, gewürdigt werden."

    • Fünf Versorgungsstationen hat das Orga-Team des Ultratrails auf der Strecke von Braubach bis Bonn eingerichtet. Dort stärken sich die Sportler mit Suppe, Brot, Süßigkeiten, kalten und warmen Getränken – kurz: mit allem, was Energie und Fitness bringt.

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