40.000
  • Startseite
  • » Region
  • » Aus den Lokalredaktionen
  • » RLZ Bad Ems/Lahnstein
  • » Nach Bau-Panne: Brücke wird mit Riesenkneifzange zerlegt
  • Aus unserem Archiv
    Marienfels/Miehlen

    Nach Bau-Panne: Brücke wird mit Riesenkneifzange zerlegt

    Nach etwa zwei Monaten Baustopp laufen die Arbeiten an der Ehrbachtalbrücke bei Marienfels wieder. Der Grund für den Stillstand war schadhafter Beton, der Mitte Juli in den ersten 60 Metern des Brückenüberbaus verarbeitet wurde. Dieser erste Teil des Überbaus muss nun wieder abgerissen werden.

    Kai Mifka (im schwarzen T-Shirt vorne), stellvertretender Leiter des Landesbetriebs Mobilität Diez, führte Kommunalpolitiker und Bürger über die Baustelle für die Umgehungsstraße Marienfels/Miehlen. Dabei klärte Mifka auch über den Baufehler auf, der an der Ehrbachtalbrücke durch schadhaften Beton entstanden ist. Der erste Teil des Brückenüberbaus, der im Juli betoniert wurde, muss noch mal komplett abgerissen werden.  Fotos: Cordula Sailer
    Kai Mifka (im schwarzen T-Shirt vorne), stellvertretender Leiter des Landesbetriebs Mobilität Diez, führte Kommunalpolitiker und Bürger über die Baustelle für die Umgehungsstraße Marienfels/Miehlen. Dabei klärte Mifka auch über den Baufehler auf, der an der Ehrbachtalbrücke durch schadhaften Beton entstanden ist. Der erste Teil des Brückenüberbaus, der im Juli betoniert wurde, muss noch mal komplett abgerissen werden. Fotos: Cordula Sailer
    Foto: Cordula Sailer

    „Geplant ist, mit dem Abriss Mitte Oktober anzufangen“, erläutert Kai Mifka, der stellvertretende Leiter des Landesbetriebs Mobilität (LBM) Diez bei einer öffentlichen Führung über die Baustelle, die auf Anfrage der CDU-Fraktion der Verbandsgemeinde zustande gekommen war. Die Ehrbachtalbrücke sei „das Sahneschnittchen“ der Umgehungsstraße Marienfels/Miehlen. Die knapp fünf Kilometer lange und etwa 20 Millionen teure Ortsumfahrung soll bis 2021 fertiggestellt sein – trotz der Bauverzögerung an der Brücke, so Mifka.

    Wie es zu dem Baufehler an der Ehrbachtalbrücke gekommen war, erklärt der stellvertretende Behördenleiter den Kommunalpolitikern und interessierten Bürgern noch mal ganz genau: Statt Zement habe ein Teil des zugelieferten Betons Flugasche enthalten. „Man braucht Flugasche, wenn man große Betonbauteile wie die Fundamente von Windkraftanlagen hat“, erklärt Mifka. Dort werde die Asche zum Beton gemengt, um die Hitzeentwicklung zu reduzieren. Denn reagiert Zement mit Wasser, erzeugt er eine große Wärme. Diese kann so stark sein, dass Risse entstehen. Um diesen Effekt zu mildern, werde Flugasche eingesetzt. „Sie entwickelt nicht so eine Hitze wie Zement“, erläuterte Mifka.

    Etwa 200 Meter lang soll die Ehrbachtalbrücke werden. Die ersten 60 Meter des Überbaus waren bereits betoniert worden.
    Etwa 200 Meter lang soll die Ehrbachtalbrücke werden. Die ersten 60 Meter des Überbaus waren bereits betoniert worden.
    Foto: Cordula Sailer

    Reagiert die Flugasche schließlich mit dem Zement, „trägt das zur Festigkeitsentwicklung des ganzen Gemisches bei“, so Mifka. Doch etliche Betonmischfahrzeuge, mit denen die Baustelle am 18. Juli beliefert worden war, hätten nur eine Mischung aus Flugasche, Wasser, Sand und Kies enthalten – aber keinen Zement. Eine Mischung, die nicht fest werden kann, so Mifka. „Mit meinem Hammer konnte ich innerhalb von einer Minute ein handgroßes Loch reinhauen“, erzählt er. Beim Zulieferer sei in ein Zementsilo wohl aus Versehen Flugasche eingefüllt worden. Von den mehr als 600 Kubikmetern verbauten Betons seien ungefähr 100 Kubikmeter betroffen. Der schadhafte Baustoff sei großflächig verteilt, vor allem auf der untersten Lage des Brückenüberbaus. „Und das ist ein Schaden, den können Sie nicht sanieren“, betont Mifka. „Das ist einfach kaputt, das Ding.“

    Der entstandene Schaden betrage etwa 1 Million Euro. Geld, für das nicht der Steuerzahler aufkommen müsse, so Mifka. Hier springe der verantwortliche Betonlieferant beziehungsweise dessen Versicherung ein, mit der sich die Firma inzwischen auf eine Summe geeinigt habe. Insgesamt sind 4,2 Millionen an Baukosten für die 200 Meter lange Ehrbachtalbrücke veranschlagt.

    Foto: Cordula Sailer

    Für die Abrissarbeiten sei nun ein Riesenbagger geordert worden. Momentan laufe die Antragstellung für einen Schwertransport. Mithilfe des Baggers „wird die Brücke von unten mit einer großen Kneifzange praktisch abgeknabbert“, versucht Mifka die Vorgehensweise für Laien zu verdeutlichen. Er rechnet damit, dass der Rückbau etwa drei Wochen in Anspruch nehmen wird. Für ein paar Tage müsse dafür auch die Kreisstraße 74 gesperrt werden, welche die Brücke überspannt. Da Brückenwiderlager und Pfeiler baulich einwandfrei sind, sollen sie bei den Abrissarbeiten nicht beschädigt werden. Daher werden sie von der beauftragten Baufirma mit einem Holzgerüst und Schalungsplatten verkleidet.

    Foto: Cordula Sailer

    Nach dem Abriss „geht es dann wieder auf null“, so Mifka. Der Überbau müsse neu geschalt, bewehrt und betoniert werden. „Wir sind froh, wenn an Weihnachten wieder das steht, was jetzt schon mal stand“, sagt Mifka. Insgesamt würden sich die Arbeiten an dem Bauwerk wohl um mindestens ein halbes Jahr verzögern. Zu hoffen bleibe, dass es im Frühjahr auf der Baustelle zügig vorangeht. Denn Ziel sei es, die Brückenplatte im nächsten Spätsommer oder spätestens Frühherbst abzudichten, da es dafür nicht zu kalt sein dürfe.

    Noch in diesem Jahr starten sollen die Bauarbeiten zwischen Marienfels und Miehlen. Hier wird die L 335 komplett neu gemacht. Dafür ist eine Sperrung der Straße ab etwa Mitte Oktober notwendig. Orientieren soll sich die neue Landesstraße am Verlauf der bisherigen, „damit wir keinen unnötigen Flächenverbrauch haben“, erläutert Mifka.

    Allerdings soll sie breiter werden als bisher. Und die Kuppen und Senken auf der Fahrbahn sollen verschwinden. „Das wird alles geradegebügelt“, versichert Mifka. Dauern werde die Sperrung der Landesstraße wohl bis in den Frühsommer 2018. Die offizielle Umleitung für Lkw wird so lange über die L 323 Richtung Ruppertshofen und von dort weiter über die L 333 verlaufen.

    Die Kreisstraße 76 zwischen Miehlen und Marienfels soll dagegen – zumindest für Autos – befahrbar bleiben. Dort entsteht die Überführung der K 76, eine Brücke, die später über die neue Umgehungsstraße führen soll. „Wir werden den Auftrag noch bis Ende des Jahres vergeben“, so Mifka. Baubeginn werde aber wohl erst im Frühjahr sein.

    Von unserer Redakteurin Cordula Sailer

    Bad Ems Lahnstein
    Meistgelesene Artikel
    Anzeige
    Online regional
    Markus Eschenauer

    Regio-CvD Online

    Markus Eschenauer

    Mail | 02602/160 474

    Regio-Reporterin
    Sabrina Rödder

    Regio-Reporterin

    Sabrina Rödder

    Mail | 0170/6137957

    Anzeige
    Regionalwetter
    Montag

    2°C - 6°C
    Dienstag

    4°C - 6°C
    Mittwoch

    6°C - 7°C
    Donnerstag

    5°C - 10°C
    News aus Ihrer Region - Lokalteil wählen
    wissenlinz,neuwiedremagenmontabaurandernach,mayenkoblenzdiezbademszellsimmernbirkenfeldkirn,badsobernheim,meisenheimbadkreuznach
    epaper-startseite
    Anzeige