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Lahnstein/Koblenz

Mordversuch am Lahnsteiner Bahnhof: Wird Freispruch aufgehoben?

Hartmut Wagner

Neuer Prozess zum Mordversuch am Bahnhof in Lahnstein? Ein Heroinsüchtiger (29) hörte im Juni eingebildete Stimmen, stach auf Gleis 3 einen Fremden (28) nieder – bekam aber Mitte Oktober vom Landgericht Koblenz einen Freispruch.

Mordversuch an Gleis 3: Im Juni verfolgte ein Heroinsüchtiger (29) am Bahnhof in Niederlahnstein einen Fremden (28), rammte ihm ein Messer in den Rücken und flüchtete, als ein Tatzeuge (23) ihn anschrie. Foto: Tobias Lui
Mordversuch an Gleis 3: Im Juni verfolgte ein Heroinsüchtiger (29) am Bahnhof in Niederlahnstein einen Fremden (28), rammte ihm ein Messer in den Rücken und flüchtete, als ein Tatzeuge (23) ihn anschrie.
Foto: Tobias Lui

Jetzt kommt es vielleicht zu einem neuen Prozess gegen den Täter. Denn die Staatsanwaltschaft hat gegen das Urteil Revision eingelegt. Auch die Anwältin des Opfers, Ute Lehmann-Wild, schimpft: „Ich halte das Urteil für falsch! Der Täter könnte eine Gefahr für die Allgemeinheit sein – und bleiben.“

Das Gericht wertete die Bluttat am Niederlahnsteiner Bahnhof als Mordversuch, sprach den Täter aber frei – verordnete ihm nur eine Drogentherapie. Begründung: Er war zur Tatzeit schuldunfähig, litt an einer drogenbedingten Psychose und hörte eine Stimme, die ihm sagte: „Der Mann auf dem Nachbarsitz ist böse! Du musst dich wehren!“

Vier Tage nach der Attacke am Bahnhof verübte der Heroinsüchtige eine weitere Bluttat: Er schnitt seiner Mutter in deren Koblenzer Wohnung mit einem Messer zwölf Zentimeter lang in den Hals. Das Gericht wertete die Tat als gefährliche Körperverletzung – und sprach den Mann auch in diesem Fall frei.

Ein Psychiater konnte sagen, dass der Messerstecher beide Taten in einem psychotischen Zustand der Schuldunfähigkeit verübte. Aber er konnte nicht erklären, warum er in diesen Zustand geriet: Weil er an einer paranoiden Schizophrenie leidet? Oder, weil er seit Jahren drogensüchtig ist? Im ersten Fall wäre der Täter unbefristet in eine gefängnisartige Maßregelvollzugsanstalt gekommen. Im zweiten Fall etwa zwei Jahre in eine geschlossene Entzugsanstalt – und danach frei. Das Gericht entschied sich für die zweite Variante. Der Vorsitzende Richter erklärte: „Im Zweifel müssen wir das mildere Urteil fällen.“

Laut dem Urteil stieg der Täter am 1. Juni um 23.15 Uhr in Nassau in den Regionalzug, hörte die Stimme, sah den Fremden auf dem Nachbarsitz, stieg mit ihm in Lahnstein aus und stach ihm von hinten zwei Zentimeter tief in den Hals.

Im Prozess forderte der Staatsanwalt zehn Jahre Haft für den Täter und dessen unbefristete Unterbringung in einer Maßregelvollzugsanstalt. Anwältin Lehmann-Wild schloss sich an. Sie sagt heute: „Das Gericht hätte die Krankheitsgeschichte des Täters noch genauer überprüfen und dessen frühere Ärzte befragen müssen. Dann wäre der Psychiater in seinem Gutachten vielleicht zu einem eindeutigeren Ergebnis gekommen.“

Ob es zum neuen Prozess kommt, entscheidet der Bundesgerichtshof. Er prüft die eingelegte Revision.

Von unserem Redakteur Hartmut Wagner

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