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Diez

Diez: Schockstarre nach Doppelmord

Das brutale Gewaltverbrechen in Diez, bei dem ein Ehepaar nach Tagen der Gefangenschaft grausam ermordet wurde, lastet schwer auf der vorweihnachtlichen Stimmung in den Straßen der Kleinstadt. Es herrscht eine Art Schockstarre. Keine Spur von Fröhlichkeit, stattdessen Nachdenklichkeit und Bestürzung. Mitgefühl und Sorgen formulieren die Menschen leise: Was wird aus den beiden Söhnen (13 und 14 Jahre) der Opfer? Eine offizielle Trauerfeier wird es in Diez nicht geben.

Von unserem Redakteur 
Jürgen Zanger

Diez – Das brutale Gewaltverbrechen in Diez, bei dem ein Ehepaar am Sonntag nach Tagen der Gefangenschaft grausam ermordet wurde, lastet schwer auf der vorweihnachtlichen Stimmung in den Straßen der Kleinstadt.

Es herrscht eine Art Schockstarre. Keine Spur von Fröhlichkeit, stattdessen Nachdenklichkeit und Bestürzung. Mitgefühl und Sorgen formulieren die Menschen leise: Was wird aus den beiden Söhnen (13 und 14 Jahre) der Opfer? Eine offizielle Trauerfeier wird es in Diez nicht geben. „Das wäre Effekthascherei und unverantwortlich gegenüber den Kindern, die zu Vollwaisen geworden sind“, sagt Stadtbürgermeister Gerhard Maxeiner. Damit spricht Maxeiner das aus, was die Menschen seiner Stadt denken.

Im zuständigen Jugendamt der Kreisverwaltung Bad Ems kümmert man sich intensiv um die Zukunft der Kinder, die zurzeit noch in einem Koblenzer Krankenhaus wegen den Folgen einer Rauchvergiftung behandelt werden. Der mutmaßliche 41-jährige Mörder und Ex-Geliebte der Mutter hatte zur Vertuschung seiner Tat ein Feuer gelegt, dem die Kinder um Haaresbreite zum Opfer gefallen wären. Die Experten des Jugendamtes prüfen, ob die beiden Jungs künftig – nach RLZ-Informationen bei der Großmutter – ein familiäres Zuhause finden können.

Unabhängig davon haben die beiden Heranwachsenden vermutlich lebenslang eine unvorstellbare Last zu tragen. Sie haben das Verbrechen miterlebt, werden die Bilder sicherlich nie auslöschen können. Eine Einschätzung, die der renommierte Bad Emser Psychologe Dr. Erich Krausbeck ausspricht: „Was diese Jungs erlebt haben, hält kein Kopf aus“, sagt Krausbeck. „Mit hoher Wahrscheinlichkeit müssen sie mit einer posttraumatischen Belastungsstörung leben, alles andere wäre ein Wunder“, so der Psychologe. Auf dem Gebiet der posttraumatischen Störungen setzt die Helios-Klinik in Diez an, sie zählt zu den führenden Adressen weit und breit. Vielleicht erhalten die beiden Schüler des Diezer Schulzentrums dort Hilfe.

Auch die Einsatzkräfte, die am Sonntag am Tatort „In der Au“ ihren „Job“ professionell erledigten, müssen das Erlebte psychisch verkraften. „Während des Einsatzes funktioniert man“, sagt Marcus Grün, Wehrleiter der Verbandsgemeinde, der mit 30 Feuerwehrleuten am Tatort war. „Es ist aber ein Unterschied, ob man ein normales Feuer löscht, bei einem Verkehrsunfall im Einsatz ist oder aber wie in diesem Fall bei einem furchtbaren Verbrechen. Diese Eindrücke nimmt man mit, muss sie in intensiven Gesprächen verarbeiten“, macht Grün deutlich, wie stark der Diezer Doppelmord auch den Helfern zusetzt.

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