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Lahnstein

Burgspiele: Reise in die düstere Welt des Mittelalters

Karin Kring

„Das Lachen lässt den Menschen für einen Augenblick die Angst vergessen“, ist eine der Aussagen des Benediktinermönchs Jorge, blind und lahm, verbittert. Das Lachen soll nicht sein, denn es lenkt den Menschen ab von Glaube und Gottesfürchtigkeit, das Lachen ist ketzerisch und Jorge, überzeugend mit zitternden Händen und blinden Augen gespielt von Klaus Krückemeyer, kämpft mit allen Mitteln dagegen. Es ist ein ernstes Stück, ein Krimi aus dem düsteren Mittelalter, ein philosophisches Schauspiel, das mit seinem mehr als 30 Akteure zählenden Ensemble und einem begeisterten Publikum am Donnerstag auf der Freilichtbühne vor der Johanniskirche eine grandiose Premiere feiert.

Die Schauspieler zeigen bei „Der Name der Rose“ nach dem gleichnamigen Roman von Umberto Ecco ihr ganzes Können in der Darstellung der sehr diffizilen Charaktere. Zum Beispiel Carsten Steuwer in der Rolle des Franziskanermönchs William von Baskerville, der einstige Inquisitor, der jetzt mysteriöse Morde aufklären soll und mit väterlichen Maßreglungen für seinen jungen und unbedarften Adlatus Adson, gespielt von Alexander Plein, – trotz Verbot – für manches Lachen sorgt. Da ist der junge Lee Horre als Aymarus von Allessandria mit einem beeindruckenden Monolog, oder der junge Timo Holzem als verzweifelter Remigius von Varagine, der vom Inquisitor gepeinigt wird. Absolut überzeugend aber und einer der Stars es Abends: Manuel Bashirpour als der verwirrte und diabolische Bruder Salvatore, bei dessen halsbrecherischem Spiel das Publikum immer mal wieder den Atem anhält. Nicht zu vergessen Klaus Krückemeyers zweite überzeugende Rolle als Inquisitor Bernard Gui, der unerbittlich Ketzer und Hexen jagt. Hautnah und nur wenige Meter vom Geschehen auf der breiten schmalen Fläche vor der Kirche erleben die 350 Zuschauer die ganze Härte und Brutalität jener wirren und unmenschlichen Epoche des Mittelalters um das Jahr 1326. Tote Mönche werden auf einem Karren herangerollt, Gesicht, Hände und Füße von (Theater-)Blut bedeckt, Magie mit Ratten und schwarzen Katzen, bittere Armut. Apokalyptische Prophezeiungen wechseln ab mit den steten furchtvollen Bekreuzigungen und dem immer wiederkehrenden „Dominum vobiscum“. Neben dem diese Zeit prägenden Streit zwischen Klerus und Kaiser geht es um die ungeklärten Morde in der Abtei, vor allem aber um Wahrheit, und um Wissen, das im Labyrinth einer verbotenen Bibliothek verborgen ist, um das einzige Exemplar des „Zweiten Buches der Poetik“ des Aristoteles, in dem die Komödie – und damit das Lachen – behandelt wird. Dazu gregorianische Choräle, gesungen von einem eigens zusammengekommenen Projektchor, dessen Sänger auch als Mönche fungieren. Und es gibt eine Liebesgeschichte – bekanntermaßen aber tragisch endend. William von Baskerville kann zwar die Morde in der Abtei aufklären, das Rätsel um Aristoteles' Buch der Komödie allerdings bleibt ihm verwehrt und er kann letztlich nur schlussfolgern: „Vielleicht gibt es am Ende nur eines zu tun, wenn man die Menschheit liebt: sie zum Lachen zu bringen!“ Und mit dem Schlusssatz kehrt dann nach so viel ernstem Spiel auch wieder das Lachen auf den Gesichtern der Schauspieler zurück, die von den Zuschauern begeistert gefeiert werden. Friedhelm Hahn, Intendant der Städtischen Bühne hat mit seinem engagierten großen Team für die Lahnsteiner Burgspiele ein Stück inszeniert, das den Zuschauern noch lange in Erinnerung bleiben wird.

Karten gibt es unter Telefon 02621/610.645

Von unserer Redakteurin
Karin Kring
Bad Ems Lahnstein
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