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Nastätten/Formerie

Besuch in Formerie: Partnerschaftskreis plant Fahrt zum Bierfest

Cordula Sailer

Gut 600 Kilometer trennen Nastätten von seiner französischen Partnergemeinde Formerie. Eine Strecke, die die Partnerschaftskreise auf beiden Seiten nun schon seit mehr als 30 Jahren regelmäßig zurücklegen, um sich gegenseitig zu besuchen. Mitte März ist es wieder so weit: Eine Nastätter Delegation wird sich mit dem Bus auf den Weg in die Region Hauts-de-France machen.

Feiern mit Freunden: Eine Abordnung aus Formerie war vergangenen Sommer nach Nastätten gereist, um mit der Stadt ihre 200-Jahr-Feier zu begehen. Das Gruppenfoto entstand auf der Treppe beim Mühlbach.  Foto: Partnerschaftskreis Formerie
Feiern mit Freunden: Eine Abordnung aus Formerie war vergangenen Sommer nach Nastätten gereist, um mit der Stadt ihre 200-Jahr-Feier zu begehen. Das Gruppenfoto entstand auf der Treppe beim Mühlbach.
Foto: Partnerschaftskreis Formerie

Mitfahren darf jeder, der möchte, versichert die Vorsitzende des Partnerschaftskreises Wencke Schultz. Und wer denkt, er müsse dazu fließend Französisch sprechen – weit gefehlt! „Die wenigsten sprechen Französisch“, sagt Schultz über die Mitreisenden. Kommuniziert werde in weiten Teilen mit Händen und Füßen oder auch auf Englisch. Doch das ist den guten Beziehungen nicht abträglich. „Viele fahren schon seit Jahrzehnten zur gleichen Familie“, erzählt Schultz.

Obwohl es nur ein Partnerschaftstreffen im Jahr gibt und „man nur zwei-, dreimal Kontakt per Mail hat – es sind Freunde“. Und für Freunde legt man eben auch mal ein paar Hundert Kilometer zurück. Gewohnt wird in Formerie bei Gastfamilien. Darauf lege der Partnerschaftskreis großen Wert. Denn der persönliche Kontakt mit den Menschen sei ja Sinn und Zweck der Fahrt. „Wenn ich in Frankreich in einem Hotel schlafen will, kann ich auch im Urlaub dahin fahren“, meint Schultz.

Das Wohnen in der Gastfamilie schafft eine ganz andere Nähe: „Als ich das erste Mal da drüben war, ist die Tochter geboren worden“, erinnert sich Vorstandsmitglied Karsten Bärz an den ersten Aufenthalt bei seiner Gastfamilie. Er habe das Kind mit aufwachsen sehen. Auch der inzwischen schon betagte Hund des Gastvaters „freut sich jedes Mal, wenn ich da bin“, sagt Bärz. „Der kriegt dann sein erwartetes Leckerli.“

Aber gerade dieses „Gastfamiliending“ sei für Neueinsteiger bei dem deutsch-französischen Austausch gewöhnungsbedürftig, weiß Wencke Schultz aus Erfahrung. „Der Deutsche tut sich damit schwer, sich mit jemand Fremdem das Bad zu teilen oder im Gegenzug jemand aufzunehmen.“ Den Partnern aus Formerie falle das leichter.

Ganz generell gebe es manche Mentalitätsunterschiede zu entdecken: „Stress kennen die keinen, zumindest augenscheinlich nicht“, sagt Schultz über die Menschen, die sie bisher in Formerie kennengelernt hat. Beginne eine Veranstaltung um 19.30 Uhr und der französische Gastvater trage zu dieser Zeit immer noch die Jogginghose, „dann ist das so, da muss der Deutsche sich dran gewöhnen“, sagt Schultz und muss lachen.

In Formerie gelte: „Wenn da ein Termin ist, dann geht der los, wenn alle da sind.“ Bei offiziellen Festakten seien die französischen Partner aber „immer zu 100 Prozent pünktlich“, betont Karsten Bärz. Und auch sonst hätte inzwischen die Deutsche Pünktlichkeit etwas abgefärbt, bemerkt er schmunzelnd.

Von Formerie aus werden meist Ausflüge ins Umland gemacht. Denn die gut 2000-Einwohner-Gemeinde ist schnell erkundet. „Im Umkreis gibt es ein paar sehenswerte Städte“, sagt Schultz. So hat die Nastätter Abordnung sich etwa schon Rouen oder Amiens angesehen, aber auch Frankreichs Hauptstadt Paris hat der Partnerschaftskreis schon besucht. Natürlich erkunden auch die Franzosen Nastätten und Umgebung – das Partnerschaftstreffen findet im Wechsel in Frankreich und Deutschland statt.

Dass das Treffen dieses Mal nicht wie sonst im Juni, sondern schon vom 16. bis 18. März veranstaltet wird, hat einen ganz bestimmten Grund: „In Formerie gibt es seit zwei Jahren ein Bierfest“, erklärt Wencke Schultz. Und das wird die Nastätter Reisegruppe mit ihren französischen Freunden am Samstag, 17. März, besuchen.

„Die haben dort eine gute bayerische Band“, sagt Karsten Bärz. Schultz ergänzt: „Das ist eine französische Band, die bayerische Musik macht.“ Auch das Bier komme nicht aus der Region um Formerie, aber darum gehe es gar nicht. „So ein Fest in Formerie muss man erlebt haben, auch wie die Leute feiern“, betont Schultz. „Das ist halt anders.“

Wer das Bierfest in Formerie erleben will, kann sich dem Partnerschaftskreis noch immer anschließen. Die Busfahrt kostet 85 Euro; die jeweilige Partnergemeinde kommt stets für Ausflüge und Eintrittsgelder auf, erläutert Schultz. Und auch wer selbst im Jahr darauf kein Gästezimmer zur Verfügung stellen könne, wenn die Franzosen zu Besuch kommen, dürfe mitfahren. „Wir haben bis jetzt immer alle untergebracht“, sagt Schultz.

Anmeldeschluss für das Partnerschaftstreffen vom 16. bis 18. März ist Samstag, 17. Februar. Anmeldeformulare können bei Wencke Schultz per E-Mail an die Adresse wencke.schultz@gmx.de angefordert werden. Weitere Informationen gibt es auch im Internet unter www.nastaetten-formerie.de.tl.

Von unserer Redakteurin Cordula Sailer

Partnerschaftskreis Formerie

Der Partnerschaftskreis Formerie ist 1984 gegründet worden; zwei Jahre später wurde die offizielle Partnerschaftsurkunde unterzeichnet. Abwechselnd finden Treffen in Formerie und Nastätten statt. Bis 1997 wurden auch regelmäßig Jugendzeltlager veranstaltet.

Derzeit hat der Partnerschaftskreis um die 70 Mitglieder, etwa 30 davon beteiligen sich aktiv. Um einen eingetragenen Verein handelt es sich allerdings nicht, wie die Vorsitzende Wencke Schultz erklärt: „Eigentlich sind wir eine Institution der Stadt Nastätten.“ Der Partnerschaftskreis sei eine Art deutsch-französischer Kulturausschuss. „Wir werden auch finanziell unterstützt“, erklärt Kassierer Karsten Bärz. 1000 Euro seien im Haushalt der Stadt für den Partnerschaftskreis vorgesehen. Der Austausch mit Formerie trage dazu bei, „dass wir uns untereinander, Deutsche und Franzosen, besser verstehen und wir somit einen wichtigen Beitrag zur europäischen Völkerverständigung im vereinten Europa leisten“, heißt es auf dem Formular zur Beitrittserklärung. Der Jahresbeitrag für Erwachsene beträgt 7 Euro, der für Ehepaare und Familien 12 Euro. csa
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