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    Hirschberg/Kapstadt

    Arzt aus Diez transplantiert in Südafrika erfolgreich Penis

    Es klingt zunächst nach einem verspäteten Aprilscherz, aber es ist eine reelle medizinische Sensation. In Südafrika wurde einem 21-Jährigen erstmals erfolgreich ein Penis transplantiert.

    Von unserem Redakteur Andreas Galonska

    Das Ärzteteam in Kapstadt mit dem aus Hirschberg stammenden Prof. Frank Gräwe (links) bei der ersten geglückten Transplantation eines männlichen Geschlechtsteils. Zu den Medizinern gehörte auch Dr. Alexander Zühlke, der auch aus Deutschland nach Südafrika gegangen ist.
    Das Ärzteteam in Kapstadt mit dem aus Hirschberg stammenden Prof. Frank Gräwe (links) bei der ersten geglückten Transplantation eines männlichen Geschlechtsteils. Zu den Medizinern gehörte auch Dr. Alexander Zühlke, der auch aus Deutschland nach Südafrika gegangen ist.

    Prof. Dr. Frank Gräwe, einer der maßgeblich beteiligten Ärzte bei dem Eingriff, wurde in Diez geboren und ist in Hirschberg (VG Diez) aufgewachsen.

    Der junge Patient, der der Volksgruppe der Xhosa angehört, hatte seinen Penis nach einer rituellen Beschneidung verloren. "Dabei treten häufig infektive Komplikationen auf, die zum Verlust des Organs führen", berichtet Frank Gräwe. "Nach Schätzungen verlieren in Südafrika etwa 250 junge Männer jährlich auf diese Weise ihr Geschlechtsteil", betont der Mediziner weiter.

    Am 11. Dezember 2014 hat der Chirurg in Zusammenarbeit mit Prof. Andre van der Merwe, Chefarzt der Abteilung Urologie, die weltweit erste erfolgreiche Penistransplantation durchgeführt. "Der 21-jährige Patient hat jetzt, fünf Monate nach dem Eingriff, fast die volle Funktion des transplantierten Organes erlangt", unterstreicht Gräwe. Der Eingriff ist Teil einer Studie an der Universität von Stellenbosch mit dem Zweck, Patienten mit Komplikationen nach rituellen Beschneidungen zu helfen.

    Professor Frank Gräwe
    Professor Frank Gräwe

    Frank Gräwe wurde am 14. Juli 1965 in Diez geboren und ist in Hirschberg aufgewachsen, wo seine Eltern noch heute wohnen. Zur Grundschule ging er nach Holzappel, das Abitur legte er in der Limburger Tilemannschule ab. "Nach dem Abi haben meine Eltern mir eine Reise nach Südafrika ermöglicht, so ein bisschen Auszeit nach dem Abi, vor der Bundeswehr", berichtet Frank Gräwe. Dort hat er einige Zeit bei einer kleinen Landarztpraxis verbracht. Da das Medizinstudium in Südafrika sehr praktisch orientiert sei, habe er sich dort um einen Studienplatz beworben. "Ich bekam die Zusage in Pretoria und fing im Januar mit meinem Medizinstudium dort an und im April hatte ich dann ebenfalls einen Studienplatz in Deutschland in Mainz", erklärt er zu seinem Lebensweg.

    Nach dem Abschluss des Medizinstudiums in Südafrika entschied er sich für eine Facharztausbildung in der plastischen Chirurgie in Kapstadt. Nach Abschluss des Facharztexamens in der Plastischen Chirurgie ging es wieder nach Frankreich. Frank Gräwe ist mit seiner Frau Juanita nach Paris gezogen und hat dort als junger Facharzt für ein Jahr am Hôpital Necker Des Enfants Malades und an der Clinique Bizet gearbeitet. "Beide Institute sind international renommierte Häuser, die sich auf Missbildungen und Abnormalitäten des Kopf- und Gesichtsbereichs spezialisieren", hebt er hervor.

    Dort habe er wichtige Erfahrungen in wiederherstellender Chirurgie gesammelt. Danach kehrte der Arzt mit seiner Frau zurück nach Deutschland, wo er am Krankenhaus München-Bogenhausen in der plastischen und kraniofazialen Chirurgie tätig war, bei der es um Missbildungen im Kopfbereich geht. Während einem weiteren Auslandsaufenthalt am International Craniofacial Institute in Dallas, Texas, arbeitete Frank Gräwe in der Kinderabteilung mit Patienten mit Lippen-, Kiefer- und Gaumenspalten sowie Kindern mit kraniofazialen Problemen.

    Zurück in München machte er seinen Doktor an der Technischen Universität München. Ein Jahr später hat er sich in München in der Privatpraxis als plastischer Chirurg niedergelassen. "Kurz danach - mit 39 Jahren - bekam ich den Ruf nach Kapstadt an den Lehrstuhl für plastische und rekonstruktive Chirurgie an der Universität von Stellenbosch", führt er aus.

    In Südafrika hat Gräwe die Abteilung zu einem Zentrum für Mikrochirurgie und Brustrekonstruktion nach Brustkrebs ausgebaut. Mikrochirurgische Operationen werden vor allem in den Bereichen der Brustrekonstruktion nach Brustkrebs sowie Rekonstruktion nach Tumoren des Kopf- und Halsbereiches angewendet. Neben der Abteilung für Plastische Chirurgie leitete er auch die kraniofaziale chirurgische Einheit, eine multidisziplinäre Zusammenarbeit von Fachärzten, die komplexe angeborene Abweichungen im Gesichts- und Kopfbereich behandeln.

    • Zwei deutsche Ärzte im Team: Das chirurgische Team bestand bei der Penistransplantation aus plastischen Chirurgen und Urologen. Prof. Frank Gräwe hat den mikrochirurgischen Teil dieses Eingriffes durchgeführt, insbesondere das Freilegen der zur Transplantation notwendigen Blutgefäße und Nerven und den mikrovaskulären Anschluss des Spenderorgans an den Empfänger. Ein Großteil des Eingriffes wurde mit Hilfe eines Operationsmikroskopes durchgeführt. Das plastisch chirurgische Team war übrigens ein deutsches Ärzteteam, da Frank Gräwe wie auch sein Kollege Dr. Alexander Zühlke aus Deutschland stammen.

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