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Kreis Altenkirchen

Vor 40 Jahren: "Oos Walter" auf Staatsbesuch

Es ist ein Ereignis, das bis heute vielen Menschen im AK-Land in lebhafter Erinnerung geblieben ist: Auf den Tag vor 40 Jahren, am 15. September 1977, kommt Bundespräsident Walter Scheel (1919-2016) in Begleitung seiner Gattin Mildred zu einem ganztägigen „Staatsbesuch“ in den Kreis. Vor allem in Daaden, wo Scheel als Junge häufig bei seinem Onkel Richard die Ferien verbrachte, ist die Begeisterung riesig.

Dabei war es kurz zuvor noch fraglich, ob Scheel in Bonn überhaupt abkömmlich sein würde. Denn es sind die dramatischen Tage im „Deutschen Herbst“: Seit zehn Tagen hält die RAF Arbeitgeberpräsident Hanns Martin Schleyer in ihrer Gewalt; nur zwei Tage vor Scheels Besuch haben palästinensische Terroristen die Lufthansa-Maschine „Landshut“ entführt.

Schließlich landet der Hubschrauber mit dem Bundespräsidenten aber doch wie geplant am Altenkirchener Krankenhaus. Hunderte säumen die Straßen, als sich die Eskorte dem Kreishaus nähert. Beim Eintreffen intoniert das Jugendblasorchester Mehrbachtal schwungvoll die Begrüßungsmelodie, Grundschulkinder schwenken Fähnchen in den Bundesfarben. Zum offiziellen Empfang im großen Sitzungssaal haben sich rund 130 geladene Gäste und die Parforcehorngruppe des Hegerings Altenkirchen eingefunden.

Die Ansprache hält Landrat Dr. Hermann Krämer, dann ergreifen Altenkirchens Bürgermeister Karlheinz Klöckner und Scheel selbst das Wort. Der Bundespräsident erinnert sich an die Zeit, die er als Junge in Daaden verbracht hat. Die Stimmung ist gelöst. Vom Landrat erhält der Ehrengast ein besonderes Geschenk: das Stück eines alten Dachbalkens aus der Daadener Barockkirche – in Erinnerung daran, dass ein Vorfahre Scheels einst am Bau des Gotteshauses mitwirkte.

Von der Kreisstadt aus geht es über Wissen nach Kirchen, wo eine Besichtigung der Lokfabrik Arnold Jung auf dem Programm steht. Nächste Station ist Betzdorf: Mittagessen im Breidenbacher Hof – vor dem Hotel eine riesige Polizei-Eskorte, die das Staatsoberhaupt während seiner Reise durch den Kreis begleitet, darunter zahlreiche Sicherheitsbeamte mit Maschinenpistolen. Anschließend spricht Scheel vor dem Betzdorfer Rathaus. Trotz Regenwetter hat sich auch hier eine große Menschentraube gebildet, um mit Bürgermeister Wilhelm Neuß dem Bundespräsidenten einen herzlichen Empfang zu bereiten. Scheel nimmt Stellung zum sozialen Frieden und zum Terrorismus, aber auch zu regionalen Strukturproblemen. Enttäuscht zeigt er sich darüber, dass die Zugfahrten auf der „schnellen Linie ins Daadetal“ reduziert werden sollen. Nach dem Eintrag ins Goldene Buch der Stadt reist Scheel samt Entourage weiter nach Friedewald. Im Schloss wird er vom evangelischen Bischof Hermann Kunst empfangen. Auch Daadens Bürgermeister Günter Wolfram begrüßt ihn: „Für uns Daadener sind Sie schlicht ‚oos Walter‘!“

Tatsächlich zeigt sich kurz darauf eindrucksvoll, dass Daaden für Scheel eine „zweite Heimat“ ist. Als er dort ankommt, ist inzwischen auch seine Gattin Mildred eingetroffen. Scheel besucht seine Verwandte Martha Weiand, sagt zur Begeisterung der Daadener: „Mir kunne he Platt schwätze.“ Als Erinnerungsgeschenk erhält er einen Hobel aus der Stellmacher-Werkstatt seines Vaters Albrecht.

Dann der Höhepunkt: Einer Stippvisite zur frisch renovierten Barockkirche folgt der Empfang in der Ortsmitte unter dem Beifall und Jubel Hunderter dicht gedrängter Menschen. Auf dem heutigen Günter-Wolfram-Platz wird der Bundespräsident musikalisch begrüßt. Die Daadetaler Knappenkapelle spielt „Furchtlos und treu“ – wie bereits sieben Jahren zuvor in Bonn zu Scheels 51. Geburtstag.

Seine Liebe zu Daaden und seine guten Kontakte dorthin pflegte Walter Scheel bis ins hohe Alter. Zuletzt war er im Juni 2010 im Westerwald zu Besuch. „Bevor ich sterbe, wollte ich noch einmal Daaden sehen“, sagte er damals. Nach Scheels Tod am 24. August 2016 trauern auch viele Menschen im AK-Land. Und sein „Staatsbesuch“ vor 40 Jahren bleibt unvergessen...

Von unserem Redakteur Daniel Weber

Altenkirchen Betzdorf
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