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Offhausen

Verkehrsverein Kirchen plante einst Skipiste in Offhausen

Peter Seel

Noch immer leuchten die Augen der drei Männer, wenn sie heute an die großen Pläne zurückdenken, die der einstige Kirchener Verkehrsverein in den 1960er-Jahren mal mit Offhausen im Sinn hatte – damals, als das Siegtal und seine umliegenden Höhen noch viele Touristen aus dem Ruhrpott und den Niederlanden in die Region lockte. Otto Wellnitz (84) vom Heimatverein Kirchen, Günter Schuhen (79), Ex-Ortsvorsteher und Vorsitzender des Backesvereins Offhausen, sowie Ulrich Hebel (88), einst Geschäftsführer des längst aufgelösten Verkehrsvereins, sitzen im Dorfbackes und studieren drei angegraute Prospekte, die Hebel mitgebracht hat. Seinerzeit warben sie für Kirchen als Ferienparadies.

Treffen im Backes Offhausen (von links): Günter Schuhen, Ulrich Hebel und Otto Wellnitz erinnern sich an den „Verkehrsverein Kirchen“ und an Pläne, aus Offhausen ein zweites Winterberg machen zu wollen.  Foto: Peter Seel
Treffen im Backes Offhausen (von links): Günter Schuhen, Ulrich Hebel und Otto Wellnitz erinnern sich an den „Verkehrsverein Kirchen“ und an Pläne, aus Offhausen ein zweites Winterberg machen zu wollen.
Foto: Peter Seel

Fast Vergessenes taucht wieder auf, als die drei Senioren Erinnerungen an eine Zeit austauschen, als es noch zwei Dutzend Gasthäuser und Pensionen in Kirchen gab und als die Bürger gefragt wurden, ob sie Zimmer zur Verfügung stellen könnten, um die vielen Gäste unterzubringen. „Ich weiß noch“, lacht Günter Schuhen, „dass meine Frau und ich über so manches Wochenende das Ehezimmer ausgeräumt haben für Touristen. Übernachtung mit Frühstück...“

Clemens Lanfer aus Wehbach, daran erinnern sich die drei Senioren, hat diese Tourismuskarte von Kirchen in den 1960er-Jahren gezeichnet. Er starb schon vor Jahrzehnten.  Foto: privat
Clemens Lanfer aus Wehbach, daran erinnern sich die drei Senioren, hat diese Tourismuskarte von Kirchen in den 1960er-Jahren gezeichnet. Er starb schon vor Jahrzehnten.
Foto: privat

Das waren die Zeiten, als der seit etwa 40 Jahren erloschene Verkehrsverein seinen „Kleinen Wanderführer Kirchen-Betzdorf und Umgebung“ herausbrachte: „Mit vierfarbiger Wanderkarte und 37 Wandervorschlägen“. Auf den eng bedruckten Seiten gab's Werbung für die „Lichtspiele Kirchen am Kirchplatz“, das „Neue Theater Betzdorf in der Augustastraße (3 Minuten vom Bahnhof)“ oder das „Städtische Verkehrsamt Betzdorf“ mit Angeboten für „Land-, Luft und Seereisen“. Geradezu wild-romantisch wirken die daneben stehenden Schwarz-Weiß-Fotos von Druidenstein, Imhäuser Tal und „Waldsee Tüschenbachs-Mühle“.

Otto Wellnitz blättert in diesen Prospekten vom Luftkurort Kirchen, der als „Dein Ferienaufenthalt“ oder als „Im schönsten Teil des Siegtales gelegen“ angepriesen wird und wo es heißt: „Wenn der Erholungsuchende von der Ruhr und vom Rhein, von Dortmund und den Zechen um Aachen herüberkommt, dann wird er von der Schönheit der Landschaft gleich angezogen. Sie trägt westfälischen, biederen und bedächtigen wie auch rheinischen, frohsinnigen, beschwingten Charakter. Die Menschen, arbeitsam und gesellig zugleich, nehmen den Gast freundlich auf...“

Das war die Zeit, als der Kirchener Drogist Otto Harlinghausen Vorsitzender des Verkehrsvereins war, erinnern sich die betagten Herren. Der Verein habe, zumindest auf dem Papier, noch bis in die 80er-Jahre hinein bestanden. Ulrich Hebel, Sohn des Firmengründers der gleichnamigen Katzenbacher Firma (heute Maul), erinnert sich, dass sein Vater Walter neben seiner aufreibenden Tätigkeit als Unternehmer immer Zeit fand, sich um Heimatgeschichte und Fremdenverkehr zu kümmern.

Den „Kleinen Wanderführer“ hat Junior Ulrich damals gar selber gestaltet: Auf dem Titelbild ist der heute so unglaublich rüstige 88-Jährige als junger Familienvater mit Frau und einem seiner Töchterchen zu sehen. „Damals haben sich die Leute aus Holland und sonst wo gedacht: Wir müssen ja nicht bis in die Alpen fahren – an der Sieg ist es auch schön.“ Es habe ja auch den billigen Flugverkehr noch nicht gegeben, fügt Wellnitz hinzu. „Und dann gab es damals den Offhausener Gastwirt Bertold Pfeifer von der Druidenklause“, fällt es Schuhen ein, „der hatte viele Verbindungen und holte die Leute von weit her zu uns. Der war es auch, der überall im Dorf gefragt hat, wer ein Zimmer für Übernachtung mit Frühstück vermieten kann.“ Hebel stimmt zu: „Ja, im Sommer kamen jede Woche mehrere Busse mit Touristen hier an...“

Alles Schnee von gestern. Apropos Schnee: Touristen kamen damals sogar in der kalten Jahreszeit. „Da waren die Winter noch lang und streng“, sagt Wellnitz, „und dauerten manchmal von November bis April.“ Kein Wunder, dass es damals beim Verkehrsverein Kirchen jene Pläne gab, in Offhausen eine Skipiste mit 60 Metern Höhenunterschied und eine Schlittschuhbahn drunten im Dorf anzulegen. Schuhen weiß noch: „Die Skipiste sollte von der heutigen Köppelarena runter bis zur Funkerhütte führen. Auf der 'Piste' ist jetzt überall Wald, aber damals war das noch eine lange breite Wiesenschneise.“ Wellnitz findet: „Das ist ganz schön steil, eine herrliche Abfahrt für Ski und Rodelschlitten. Das wäre durchaus attraktiv gewesen für die Region. Aber damals, das muss man sagen, fiel ja auch viel mehr Schnee als heute.“ Und Hebel: „Da sind wir auf der Sieg noch Schlittschuh gelaufen – aber wie lange ist das her, dass ich die Sieg zugefroren gesehen habe...?“

Die Eislauffläche sollte am Ortsausgang Richtung Kirchen in den dortigen Feuchtwiesen entstehen. „Da fließt der Imhäuser Bach hinein“, erinnert sich Schuhen, „und unterhalb ist ein Damm, den hätte man leicht schließen können, dann wäre die Eisfläche perfekt gewesen. Da sind wir als Kinder ohnehin immer Schlittschuh gelaufen. Wenn sich das alles so entwickelt hätte – das hätte was werden können.“ Hebel sieht das genauso: „Den Hang von der Köppelarena runter hätte man auch als Slalompiste nutzen können, und rechts neben der Funkerhütte hätte man die Route noch verlängern können.“ Die drei geraten ins Schwärmen.

Wenig später fahren sie mit dem RZ-Reporter über den alten steilen Hohlweg – „über den die Ammis bei Kriegsende die Gefangenen abtransportiert haben...“ – durch den Wald hoch zum Sportplatz Köppel-arena. Schuhens Wagen mit Vierradantrieb schafft die Steigung ohne Probleme. Im Auto wird diskutiert, ob die Informationen der RZ stimmen könnten, dass damals die Eislauffläche mitten auf dem Offhausener Dorfplatz entstehen sollte. Daran indes kann sich keiner der drei Rentner erinnern...

Von unserem Redakteur Peter Seel

Altenkirchen Betzdorf
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