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Altenkirchen

Unfallopfer liegen gelassen und weitergefahren: Angeklagter muss sich vor Gericht verantworten

Den Abend des 7. Februars 2017 wird der junge Mann vermutlich sein Leben lang nicht mehr vergessen: Eigentlich wollte der heute 19-Jährige nur einen Kumpel nach Hause fahren, doch am Ende war ein Mensch tot.

Der aus der VG Hamm stammende Angeklagte hatte auf der B 256 in Höhe der Tankstelle Roth einen Mann mit etwa Tempo 70 mit seinem Wagen erfasst. Das Unfallopfer war durch den Aufprall in die Windschutzscheibe geschleudert worden und dann zurück auf die Straße gefallen. Der Mann erlitt durch die Wucht des Aufpralls schwerste Verletzungen: Frakturen, Hautabschürfungen und -abrisse sowie Einblutungen. Die Ersthelfer vor Ort beschreiben während der Verhandlung, dass das Opfer schon nicht mehr ansprechbar war. Der Mann verstarb noch in derselben Nacht in der Universitätsklinik in Bonn. Die beiden jungen Männer jedoch waren zunächst einfach weitergefahren.

Der Angeklagte musste sich nun deshalb vor Gericht verantworten, zudem er an besagtem Abend Cannabis konsumiert hatte. Im Wesentlichen ging es in der Verhandlung darum, wie sehr der Angeklagte unter Schock stand, als er das Opfer nach dem Aufprall liegen ließ und erst am Bürgerhaus Oettershagen hielt, um von dort Rettungskräfte zu alarmieren. „Sind Sie zum Unfallort zurückgekehrt?“, wollte der Vorsitzende Richter René Bischoff von dem jungen Mann wissen, der verneinte. Er schildert die Augenblicke vor und nach dem schrecklichen Unfall mit leiser Stimme und gesenktem Blick. „Ich wollte einen Freund nach Hause fahren, dann hat's plötzlich geknallt. Wir haben nur schemenhaft etwas vorbeifliegen gesehen. Später dann wurde uns klar, dass wir einen Menschen überfahren haben“, sagt er aus. Am Bürgerhaus in Oettershagen bringt der Angeklagte nach eigener Aussage sein Fahrzeug zum Stehen, ruft die Polizei und rennt dann in den Wald. „Ich hab geheult und geschrien, als mir klar wurde, was passiert ist“, sagt er. Dass der junge Mann unter Schock stand, kann auch ein als Zeuge geladener Polizeibeamter bestätigen. Seine ebenfalls als Zeugin geladene Kollegin hatte zuvor während ihrer Aussage bestätigt, zwei Notrufe entgegen genommen zu haben: Einmal von Zeugen, dass in Roth eine verletzte Person aufgefunden wurde; zum anderen eine Meldung der Leitstelle in Montabaur, dass sich ein Unfallbeteiligter gemeldet habe und vermutlich noch in der Nähe des Fundorts des Opfers zu finden sei.

Der Polizeibeamte fuhr deshalb mit einem Kollegen nach Oettershagen, wo er den Angeklagten auf dem Fahrersitz seines Pkw vorfand – „mit hängendem Kopf“, wie der Zeuge beschrieb. Der junge Mann sei kaum ansprechbar gewesen, ebenso der 17-jährige Beifahrer. Beide hätten angegeben, dass sie „irgendwas angefahren hätten, vermutlich einen Menschen“. Der Angeklagte habe zudem immer wieder gesagt, dass er falsch angerufen habe. Auf die Frage von Richter Bischoff, was für einen Eindruck der Beamte von den jungen Männern gehabt hätte, sagte dieser: „Die beiden standen komplett unter Schock.“ Der Angeklagte habe dann noch freiwillig einen Alkohol- und einen Drogentest gemacht, letzterer sei positiv gewesen.

An dieser Stelle hakte Verteidiger Jochen Alfes ein, der eine Einstellung nach § 153 A forderte (Einstellung gegen Auflagen, der Angeklagte bleibt „unbestraft“, Anmerkung der Redaktion). „Ein wirklich fliehender Täter fährt nach Hause und versteckt das Auto; er hat an der nächstmöglichen Stelle gehalten und Hilfe gerufen“, so der Anwalt. Zudem müsse der junge Mann, der seit 13 Monaten keinen Führerschein mehr hat, ja bereits mit der Tragweite seiner Tat leben, nämlich, dass ein Mensch zu Tode gekommen sei. Da ließ sich Staatsanwalt Dr. Enrico Iannone aber nicht erweichen. „Ich sehe da gar keine Möglichkeit, das war ein heftiger Schlag, Schock hin oder her, da fährt man nicht einfach weiter“, brachte er es auf den Punkt.

Der Prozess wird Ende März fortgesetzt, weil eine Zeugin fehlte, von deren Aussage sich die Prozessbeteiligten versprechen, mehr Klarheit in die Angelegenheit zu bringen. Es handelt sich bei der Zeugin um eine Spaziergängerin, die mit ihrem Hund unterwegs war, als sie den Angeklagten im Wald schreien hörte. Auch wird zu klären sein, an welchem Punkt dem Angeklagten und seinem Beifahrer klar wurde, dass sie einen Menschen angefahren hatten.

Von unserer Redakteurin Sonja Roos

Altenkirchen Betzdorf
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