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    Kreis Altenkirchen

    Nimmt Zahl der Sky-Kneipen künftig ab? Praktiken des Bezahlsenders in der Kritik

    Der Ball rollt wieder in der Rückrunde der Fußball-Bundesliga. Wer dabei live zuschauen will und privat kein Bezahlfernsehen hat, kann in einer Sky-Kneipe die Spiele verfolgen. Noch beziehen acht Lokalitäten im Kreis Altenkirchen den kostenpflichtigen Sender, doch dies könnte sich in absehbarer Zeit ändern. Nach der jüngsten Preiserhöhungsrunde im vergangenen Sommer ist der Unmut unter den Wirten groß. Einen weiteren Gebührenanstieg können und wollen einige nicht mitmachen.

    Wie im Fuchsbau in Hövels wird auch in sieben weiteren Betrieben im Kreis Altenkirchen die Fußball-Bundesliga auf Sky gezeigt.  Foto: Natalie Simon
    Wie im Fuchsbau in Hövels wird auch in sieben weiteren Betrieben im Kreis Altenkirchen die Fußball-Bundesliga auf Sky gezeigt.
    Foto: Natalie Simon

    Von unserer Mitarbeiterin Natalie Simon

     

    Als "unverschämt" und "Wahnsinn" bezeichnen die Gastronomen der Region die jüngste Preiserhöhungsrunde durch den Sender Sky. Doch die Kritik der hiesigen Kneipenwirte und Sportsbarbetreiber an dem Bezahlsender geht über die rein finanzielle Seite hinaus. Besonders die Inhaber kleinerer Gastronomiebetriebe sehen es als Unding an, dass sie auch während der Bundesliga-Pausen durchgehend für den Sky-Bezug zahlen müssen. Auch anderes Geschäftsgebaren des Monopolisten wie die räumliche Bindung der Receiver, unangekündigte Kontrollen, wechselnde Ansprechpartner und Ermunterungen zum Anschwärzen tragen zum Unmut bei.

    Barbara Braun, Wirtin der Bürgerstube in Grünebach, zahlt derzeit 278 Euro pro Monat. "Der Preis ist einfach unverschämt", findet sie. Braun beanstandet vor allem die Berechnung nach Quadratmetern. Die Bürgerstube hat einen großen Saal, der Platz für 100 bis 120 Personen bietet. Zum Fußball Schauen kommen aber höchstens 20 Leute, die theoretische Kapazität wird also nie ausgeschöpft. "Es läuft darauf hinaus, dass wir Sky irgendwann kündigen werden, wenn wir die Gebühr nicht mehr zahlen können", resümiert Barbara Braun. Als problematisch sieht sie auch an, dass die Gebühr das ganze Jahr durchläuft, auch außerhalb der Bundesliga-Spielzeiten: "Da muss man schon viel Bier verkaufen, um die Kosten einigermaßen wieder reinzuholen."

    Dass mit den Kundeneinnahmen die Kosten für das Bezahl-TV nicht ausgeglichen werden können, weiß auch Hassan Erdogan, Koch im Hüttengrill in Elkenroth. Aus seiner Sicht ist Sky schlicht zu teuer für die Gastronomie. Das Angebot lohne sich eigentlich gar nicht, weil es zu wenige Zuschauer anlocke. Nur eine Handvoll kämen tatsächlich. "Unser Vertrag läuft 2016 aus, dann schauen wir neu", sagt Erdogan.

    Martin Fuchs bezieht in seinem Fuchsbau in Hövels jetzt im dritten Jahr den Bezahlsender. Zu ihm kommen samstags regelmäßig Zuschauer zum Fußballgucken, doch auch er beobachtet den Trend, dass immer mehr Menschen privat Sky beziehen - und zwar zu deutlich günstigeren Preisen. Das war auch schon Grund für Zwist mit seinen Sky-Vertretern. Martin Fuchs hat sich sehr intensiv mit der Thematik beschäftigt. Er bewertet die Situation jedes Jahr neu, kündigt seinen Sky-Vertrag und lässt sich ein neues Angebot machen. "Ich zahle aber immer noch einen stolzen Preis - 230 Euro pro Monat", so Fuchs. Sky läuft am Wochenende in seiner Gaststätte, im Imbiss, den er unter der Woche betreibt, darf er den Sky-Receiver jedoch nicht einsetzten. Sky setze eigens Kontrolleure ein, um vor Ort alles nachzuprüfen. Sogar von Provisionen fürs "Anschwärzen" hat Martin Fuchs schon gehört. Wer erwischt würde, müsse eine Strafzahlung leisten oder könne alternativ einen Zwei-Jahres-Vertrag unterzeichnen. Beim Sender selbst hätte man es immer mit wechselnden Ansprechpartnern zu tun. Der Wirt hat auch Hotelzimmer, aber - in Bezug auf Sky gesehen - sind es leider zu wenige. "Wenn ich mehr Zimmer hätte, könnte ich auf jedem Zimmer und zu einem viel günstigeren Preis Sky beziehen", erklärt Fuchs.

    Im Westerwald-Treff in Oberlahr sind diese Bedingungen zwar gegeben, trotzdem herrscht auch dort Unmut über die "Wahnsinnserhöhungen" der vergangenen Jahre. Als großes Haus sei der Westerwald-Treff aber unter Zugzwang, seinen Gästen Sky anzubieten, wie Inhaberin Tanja Ehlscheid-Schelzke erklärt: "Das ist halt ein Service für unsere Kunden." Um die Kontrolle zu behalten, schließt auch der Westerwald-Treff nur Ein-Jahres-Verträge mit dem Bezahlsender. Zum Bundesliga Schauen kommen laut Ehlscheid-Schelzke nur vereinzelt Leute aus der Umgebung in die Sportsbar des Hauses, daher könne der Getränkeverkauf auch die Kosten nicht ausgleichen. Als Problem benennt die Geschäftsführerin des Hotels, dass in manchen Kneipen "schwarz" vom privaten Anschluss geschaut würde. "Da gehen die Leute dann lieber hin als in ein großes Haus", beobachtet sie.

    Das Bistro der Glockenspitze in Altenkirchen lockt zu Spitzenspielen 100 bis 150 Gäste an, ansonsten beläuft sich die Zuschauerzahl auf circa 30, erzählt Josua Asbach, Direktor des Sport- und Seminarhotels. Auf zwei Leinwänden und drei Fernsehgeräten können unterschiedliche Spiele zur gleichen Zeit gezeigt werden. Josua Asbach hält es für sinnvoll, als Haus gegenüber Sky taktisch zu agieren, dazu gehörten auch regelmäßige Preisverhandlungen. Aus diesem Grund sei auch jüngst das Angebot auf den Hotelzimmern reduziert worden. Generell ist der Hoteldirektor der Ansicht, dass zu einem Sporthotel Live-Sportübertragungen einfach dazu gehören, dennoch stellt er klar: "Wenn das Angebot nicht profitabel wäre, würden wir Sky abschaffen."

    Laut Sky-Internetseite zeigen auch das Bistro Casablanca in Wissen, die Gaststätte zum Köppel in Gebhardshain und die Sugar Lounge in Betzdorf Fußball. Dort konnten wir bei unseren Anfragen jedoch niemanden erreichen.

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