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Kreis Altenkirchen

Keine Angst vorm demografischen Wandel

Keiner muss Angst vor dem demografischen Wandel haben. Diese Botschaft geht von der großen Auftaktveranstaltung zur Demografiestrategie des Landkreises Altenkirchen aus.

Foto: Marcelo Peerenboom

Rund 200 Teilnehmer erlebten gestern im Kulturwerk in Wissen einen Abend, der Mut machte und der auch vieles von den Ängsten nahm, die viele mit dem Stichwort demografischer Wandel verbinden. Das ist vor allem ein Verdienst von Professor Gerd Bosbach von der Fachhochschule Remagen, der mit etlichen falschen Zahlen und der damit einhergehenden Angstmacherei aufräumte. Bosbach warnte davor, sich von Zahlen blenden zu lassen und zählte genüsslich Berichte aus der überregionalen Presse sowie Beiträge aus dem Fernsehen auf, die den Menschen Angst machten. Etwa den ZDF-Mehrteiler mit dem Titel „Aufstand der Alten", in dem ein bizarres und düsteres Zukunftsbild völlig ohne Kinder und mit lauter alten Menschen gezeichnet wurde. Bosbachs Credo: Weil zwar die Bevölkerungszahl sinkt, die Wirtschaft aber immer weiter wächst, ist genügend Geld da, um die Infrastruktur auch auf dem Land aufrechtzuerhalten. Der Kreis Altenkirchen will nicht abwarten und zuschauen, wie sich der Wandel vollzieht und welche Veränderungen damit einhergehen. Das machte Landrat Michael Lieber in einer sehr programmatischen Rede deutlich. „Wir müssen unser Schicksal selbst in die Hand nehmen", rief er den zahlreichen Vertretern aus den Ortsgemeinden, aus Firmen und Verbänden und der Politik zu. Was Michael Lieber derzeit noch fehlt, um die Herausforderungen der alternden Bevölkerung, die zudem auch zahlenmäßig weniger wird, zu meistern, ist das Zusammenspiel der verschiedenen Akteure, wie der Landrat betonte. Eine Demografiestrategie hat sich der Kreis Altenkirchen schon vor einiger Zeit zurechtgelegt. Doch gestern Abend formulierte der Landrat dazu noch seine Vorstellungen über die zukünftige Ausrichtung der Arbeit an diesem Thema. Dazu benannte Michael Lieber vier Grundpfeiler (siehe nebenstehenden Kasten). Wie der Landrat berichtete, haben er und sein Team sich auch den Kopf darüber zerbrochen, was ein sogenanntes Alleinstellungsmerkmal für den Kreis Altenkirchen sein könnte. Auch Experten habe man befragt. Aber: „Unser Kreis hat das überragende Alleinstellungsmerkmal nicht. Es gibt weder den Kölner Dom noch einen Bundesligaverein. Wir müssen dieses Profil durch Unterscheidungsmerkmale, wie wir sein und wahrgenommen werden wollen, schon selbst schaffen", meinte der Kreishauschef, der postwendend seine eigene Idee zum Besten gab: „Meine Vision wäre ein Industriekreis oder Wohnkreis im Grünen. Einer, in dem Menschen entschleunigt werden, preiswert und sicher in intakter Natur leben können, ein ländlicher Kreis mit guter Breitbandanbindung, der verkehrsmäßig insgesamt gut erschlossen ist." Von diesem Ziel ist der Kreis Altenkirchen stellenweise noch etwas entfernt. Doch Lieber warnte davor, das Licht unter den Scheffel zu stellen. „Wir sollten besser über unsere Region denken und reden." Schließlich wolle man auch Gäste und künftige Einwohner anlocken. Im Verlauf der fast vierstündigen Veranstaltung gab es dann auch Beispiele aus dem Kreisgebiet, die Mut machten und die Moderator und Organisator Berno Neuhoff von der Kreisverwaltung zur Nachahmung empfahl. So berichtete Matthias Hess, Personalleiter der Firma Thomas Magnete aus Herdorf, wie es ihm gelingt, einen guten Altersmix im Unternehmen zu wahren und dass die Ausbildungsquote auf zehn Prozent erhöht werden soll, um dem drohenden Fachkräftemangel vorzubeugen. Vertreter des Mehrgenerationenhauses Altenkirchen und der Seniorenhilfe Altenkirchen sowie der Ortsgemeinde Bitzen und der Bürger- und Nachbarschaftshilfe des Ortes erläuterten, wie es ihnen gelingt, Senioren zu helfen und einer Vereinsamung entgegenzuwirken. Marcelo Peerenboom

Altenkirchen Betzdorf
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