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    Mudersbach

    Ein Leben zwischen Musik und Elend

    Westlich vom pazifischen Ozean, vor der südostasiatischen Küste liegt das Land der über 7000 Inseln. Die tropischen Temperaturen und das exotische Ambiente der Philippinen locken das ganze Jahr über Touristen aus aller Welt auf den fünftgrößten Inselstaat. Für Matthias Merzhäuser aus dem Mudersbacher Ortsteil Birken sind die Philippinen aber weit mehr als ein Urlaubsort. Der Komponist und Chorleiter leitet derzeit zwölf Chöre im Altenkirchener und Siegener Raum – und ist nun auch Gastprofessor in der Millionenmetropole Cebu auf den Philippinen.

    Matthias Merzhäuser mit dem Chor der San Carlos Universität auf den Philippinen.
    Matthias Merzhäuser mit dem Chor der San Carlos Universität auf den Philippinen.

    Mudersbach - Westlich vom pazifischen Ozean, vor der südostasiatischen Küste liegt das Land der über 7000 Inseln. Die tropischen Temperaturen und das exotische Ambiente der Philippinen locken das ganze Jahr über Touristen aus aller Welt auf den fünftgrößten Inselstaat. Für Matthias Merzhäuser aus dem Mudersbacher Ortsteil Birken sind die Philippinen aber weit mehr als ein Urlaubsort. Der Komponist und Chorleiter leitet derzeit zwölf Chöre im Altenkirchener und Siegener Raum – und ist nun auch Gastprofessor in der Millionenmetropole Cebu auf den Philippinen.

     

    Im August arbeitete der 48-Jährige für dreieinhalb Wochen mit dem Chor „Choristers“ der San-Carlos-Universität zusammen. „Es hat mir wirklich Freude bereitet, einen Chor zu dirigieren, der auf einem solch hohen internationalen Niveau singt“, erzählt Merzhäuser, „mit talentierten Leuten, die so diszipliniert sind, kann man viel erreichen“. Und das hat er – als Dirigent und als Lehrer erarbeitete er nicht nur etliche Musikstücke mit der 50-köpfigen Truppe, sondern lehrte sie auch in Atemtechniken und trainierte sie in ihrer Stimmbildung. „Es war einfach nur faszinierend, wie aufnahmebereit und umsetzungsfähig die jungen Leute waren“, so der Chorleiter.
    Schon jetzt hat er seinen ersten Kompositionsauftrag erhalten. In Cebu ist es Tradition, nach den Proben zu beten. Merzhäuser verwandelt nun das Chorgebet in ein Musikstück. „Ich habe den schönsten Beruf auf der Welt“, so Merzhäuser, „ich arbeite mit Menschen zusammen, die das gerne machen und die Proben mit einem lächelnden Gesicht verlassen.“ Seit dreißig Jahren ist er schon als Chorleiter und Komponist tätig. Fast jeden Abend hat er zwei Chorproben in der Umgebung. Dazu kommt seine Arbeit als Verleger und Produzent. Darüber hinaus singt er und arrangiert Chorsätze für die A-cappella-Band Pro Vocale. Zusammen mit seinen freien Mitarbeitern brachte er schon etliche CDs auf den Markt. „Musik gibt den Menschen so viel“, sagt er, „es gibt für jede Lebenssituation ein passendes Lied.“
    Und doch findet der 48-Jährige Zeit, sich ehrenamtlich zu engagieren. Neben seiner Tätigkeit in der Chorjugend des Chorverbands Rheinland-Pfalz ist er auch Vorsitzender des internationalen Chorleiterverbands. Der Verein „Pro-Fil – Hilfe für Kinder in Not“ liegt dem alleinerziehenden Vater besonders am Herzen. Bis zu drei Mal jährlich organisiert er als Vorsitzender Benefizkonzerte, dessen Erlös dem Verein zugutekommt. So ist Merzhäuser auch das erste Mal auf die Philippinen gekommen: „Ich wollte wissen, wie die Organisationen arbeiten, die wir unterstützen“, erklärt er, „wir geben das Geld nur dahin, wo wir auch wissen, dass es zu 100 Prozent ankommt.“
    In Cebu lernte er eine andere Welt kennen. Das vermeintliche Paradies entpuppte sich als ein Land zwischen Luxus und Armut. Etwa 7000 Menschen leben hier vom Müll, im Müll und auf Müll. „Mit unseren Spenden wollen wir den Leuten aus der Armut helfen und den Kindern eine Zukunft bieten.“ Durch einige Benefiz-Veranstaltungen, Sponsoren und Merzhäusers kostenlose Vorträge mit dem Titel „Die Kinder in Cebu“, hat der Verein schon einiges in Bewegung gesetzt: Es wurde ein Heim für Straßenkinder geschaffen, und durch das Geld können mehr Kinder in die Schule gehen.
    „Für nur 50 Euro kann ich ein Kind für ein Jahr lang eine Schulbildung ermöglichen, inklusive Essen, medizinische Versorgung, Transport, Schuluniform und Hefte“, erklärt Merzhäuser, „und das nicht nur, um zu lernen, sondern auch, um mal von der Mülldeponie wegzukommen. Die Kinder hier wissen Bildung noch zu schätzen und nehmen sie dankend an. Die Bildung gibt ihnen eine Würde – sie sind nicht mehr nur Müllmenschen.“
    Zurzeit werden 30 neue Häuser für die Menschen der Deponien gebaut, obwohl das noch lange nicht reicht. Auch in nächster Zeit wird sich Merzhäuser für die Kinder in Not einsetzen. An Bezahlung für seinen ehrenamtlichen Einsatz will der 48-Jährige erst gar nicht denken: „Ich möchte kein Honorar für meine Arbeit – das Geld soll lieber auf das Spendenkonto. Schon mit einer kleinen Spende kann man viel erreichen.“ Und während die meisten Phillipinen-Urlauber ihren Aufenthalt am Strand unter Palmen verbringen, hat Merzhäuser jede Mülldeponie besucht. Und doch freut er sich auf seinen nächsten Aufenthalt im Dezember, wenn er wieder als Gastprofessor an der Sant-Carlos-Universität tätig ist. Auch dann wird er die Menschen auf den Deponien besuchen. „Die Musik gibt mir dann wieder Halt und Kraft – sie ist unglaublich gesund für Körper, Geist und Seele.“ Weitere Informationen im Internet unter www.Merzi.info. Verena Hallermann

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