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    Berlin/KoblenzMichael Fuchs: Der Koblenzer Querdenker geht

    Es ist sein letzter großer Auftritt im Bundestag. „Die Tatsache, dass bei einigen Erleichterung darüber zu spüren ist, macht mich stolz“, sagt der CDU-Abgeordnete Michael Fuchs. Der 68-jährige Koblenzer tritt im September nicht noch einmal an. In seiner letzten Rede bleibt er, einer der profiliertesten Wirtschaftsliberalen seiner Partei, sich treu.

    „Der Fuchs geht heim in seinen Bau“ – mit diesen Worten verabschiedet sich Michael Fuchs aus dem Deutschen Bundestag. In seiner letzten Rede vor dem Parlament hat der 68-jährige Koblenzer noch einmal seine wirtschaftspolitischen Überzeugungen verteidigt.
    „Der Fuchs geht heim in seinen Bau“ – mit diesen Worten verabschiedet sich Michael Fuchs aus dem Deutschen Bundestag. In seiner letzten Rede vor dem Parlament hat der 68-jährige Koblenzer noch einmal seine wirtschaftspolitischen Überzeugungen verteidigt.

    Deutschland stehe wirtschaftlich hervorragend da, er ärgere sich enorm, wie die Erfolge heruntergeredet würden. Er wirbt für ein Freihandelsabkommen mit den USA und warnt vor zu hohen Energiepreisen in Deutschland. Grünen und Linken, die er noch einmal ironisch „meine Lieblingskollegen“ nennt, teilt er mit, dass ihm auch in seiner letzten Rede inhaltlich nicht viel Nettes zu ihnen einfallen will. Am Ende gibt es eine innige Umarmung von Unionsfraktionschef Volker Kauder, sogar der Grüne Jürgen Trittin schüttelt ihm anerkennend die Hand.

    Fuchs ist in Berlin nie unumstritten gewesen. Sein überzeugtes Eintreten für die Atomkraft bringt ihm als Abgeordnetem rasch den Spitznamen „Atomfuchs“ und Kritik bis hin zu Morddrohungen ein. Fuchs hat seinen eigenen Kopf – und trotz vieler Differenzen auch immer einen kurzen Draht zu Regierungschefin Angela Merkel. Rheinland-Pfalz verliert mit ihm ein politisches Schwergewicht in Berlin.

    Noch einmal ein Marathon

    Diese letzte Sitzungswoche ist ein echter Marathon, aber es ist auch eine typische Woche für Fuchs, der in Berlin gut vernetzt ist und an keiner Kamera vorbeilaufen kann. Mehrere Gesetzesvorhaben müssen noch verabschiedet werden, an denen er mitgearbeitet hat. Dazwischen Gespräche, Veranstaltungen, Interviews. Am Dienstagabend das große Fest des Parlamentskreises Mittelstand, des Wirtschaftsflügels der Unionsfraktion, dessen Vorsitzender Fuchs über viele Jahre war. Im Kronprinzenpalais unter den Linden reist dazu inzwischen fast jeder an, der in der Wirtschaft Rang und Namen hat. Bundeskanzlerin Angela Merkel dankt Fuchs hier vor vielen Hundert Gästen für sein Engagement für erträgliche Energiepreise. Fuchs hat sich darüber gefreut. „Das hat gutgetan“, sagt er. Wie viele Politiker ist er nicht uneitel. Er liebt es, im Hintergrundgespräch vor versammelter Hauptstadtpresse seine Sicht auf die Welt kundzutun. Den Status, dass die Journalisten überhaupt kommen, muss man sich hart erarbeiten. Es gibt andere Politiker, die in ihren Pressegesprächen vor leeren Stühlen sitzen.

    Fuchs ist jemand, dem man zuhört. Er funkt nicht selten auf allen medialen Kanälen, ist häufig Gast in den meistgesehenen Talkshows im Fernsehen. Weil sein Wort Gewicht hat in Berlin und weil er sich über all die Jahre im Parlament den Nimbus bewahrt hat, auszusprechen, was er denkt – auch wenn es nicht die Mehrheitsmeinung seiner Fraktion oder die der Bundeskanzlerin ist.

    Fuchs legt immer Wert darauf, finanziell nicht abhängig zu sein von seinem Mandat im Bundestag. Auf der anderen Seite haben ihm seine zahlreichen Ämter und Nebenverdienste oft Kritik eingebracht. Bei den regelmäßig veröffentlichten Ranglisten der Politiker mit den höchsten Nebenverdiensten belegte Fuchs mit Einkünften von mindestens 100.000 Euro jährlich stets vordere Plätze. Mit der Internetplattform Abgeordnetenwatch liegt Fuchs im Dauerclinch, weil deren Mitarbeiter ihm falsche Angaben über seine Nebenverdienste anlasteten. Fuchs wirft „den Kameraden“ von Abgeordnetenwatch dagegen vor, selbst nicht offenzulegen, wie sie sich finanzieren. Er hat seine Nebentätigkeiten immer als Garanten dafür verteidigt, unter der Käseglocke Bundestag nicht den Blick für die Realität zu verlieren.

    Bei den Rettungspaketen für Griechenland ist Fuchs einer der wichtigsten Widersacher von Angela Merkel in der Union gewesen. Am Ende hat auch er den Hilfen zugestimmt, aber mit dafür gesorgt, dass Bedingungen für die Auszahlung der Milliardenkredite nicht aufgeweicht wurden. Auch die Einführung der Rente mit 63 nach 45 Arbeitsjahren in der Großen Koalition hält er für einen Fehler.

    Fuchs hat für einen Quereinsteiger eine steile Karriere in Berlin hingelegt. Der promovierte Apotheker und Unternehmer mit 800 Mitarbeitern wurde erst 2002 mit damals 53 Jahren in den Bundestag gewählt. Damals war er noch Präsident des Bundesverbandes des deutschen Groß- und Außenhandels. In allen vier Bundestagswahlen holte er im Wahlkreis Koblenz das Direktmandat, 2013 mit seinem besten Ergebnis von 48 Prozent der Erststimmen. Schon 2006 wurde er Vorsitzender des Parlamentskreises Mittelstand. Seit 2009 ist er stellvertretender Fraktionsvorsitzender in Berlin, ein einflussreicher Posten.

    Zwischen Wahlkreis und Berlin

    Der Spagat zwischen Berlin und dem Wahlkreis zu Hause fiel auch ihm bisweilen schwer. Ist ein Politiker im Wahlkreis kaum zu sehen, heißt es schnell, er sei nur in Berlin und kümmere sich nicht. Taucht er bei jedem Vereinsfest im Wahlkreis auf, heißt es, er hat in Berlin keinen Einfluss.

    Im Juni 2013 ist wieder so ein Tag der Zerreißproben. Während in Koblenz 3500 Bürger für den Erhalt der Seilbahn am Deutschen Eck demonstrieren, steht Fuchs auf der Rückreise von Berlin in die Heimat im Stau. In der Hauptstadt hat er einiges in Bewegung gesetzt. Kanzlerin und Außenminister wissen dank Fuchs um den Koblenzer Kampf und wollen ihn hinter den Kulissen bei der entscheidenden Unesco-Konferenz unterstützen. Fuchs schafft es noch gerade so zur Koblenzer Demo. Und: Mit dem Segen der Unesco kann die Seilbahn dann doch bleiben.

    Es ist schwierig zu bewerten, was ein Bundestagsabgeordneter in Berlin tatsächlich „geschafft“ hat. Politische Entscheidungsprozesse sind oft langwierig, vieles geschieht im Verborgenen. Fuchs hat sicher großen Anteil daran, dass der traditionelle Bundeswehrstandort Koblenz und Lahnstein die große Bundesreform mit bundesweit vielen Schließungen von Kasernen weitgehend unbeschadet überstanden hat. Er selbst sieht es als Erfolg an, „das Denken an die soziale Marktwirtschaft“ in seiner Partei etabliert zu haben.

    Fuchs, sonst nicht gerade nah am Wasser gebaut, hat im Bundestag Tränen in den Augen, als seine Fraktion ihm noch einmal stehend applaudiert. Sein Fazit zu der Zeit im Parlament: „Ich bin froh und glücklich, dass ich das machen durfte.“ Jetzt will er mit seiner Lebensgefährtin viel Zeit in seiner zweiten Heimat Venedig verbringen, morgens mal wieder in Ruhe Zeitung lesen und Zeit für seine Enkel und Freunde haben. „Ich bin 50-mal im Jahr hin und hergeflogen, habe jeden Tag von 7 bis 22 Uhr gearbeitet.“ Irgendwann, sagt er, ist mal gut.

    Von unseren Redakteurinnen Rena Lehmann und Ursula Samary
     

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