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    I.A. des Schäfers: Esel Claus & Klaus sollen Schafe vor dem Wolf schützen

    Wölfe haben sich auch in Niedersachsen weiter ausgebreitet. Immer wieder werden vor allem Schafe gerissen, die Schäfer sind besorgt. Außer Hunden und Zäunen werden zum Schutz auch Esel eingesetzt - ganz gewöhnliche Hausesel.

    Von Peer Körner (dpa)

    Die Schafe von Kay Krogmann stehen an diesem Wintertag auf einer Weide hinter dem Deich. Bis zur Elbe sind es nur wenige Hundert Meter. Auch im flachen Norden Niedersachsens zwischen Stade und Cuxhaven sind die Wölfe längst angekommen. "Seit 2012 haben wir 50 Schafe durch die Wölfe verloren. Dieses Jahr hatten wir schon zwei Übergriffe", sagt Krogmann. "Jede Nacht hat man Angst. Ich werde wach und habe Bilder von den Wolfsangriffen im Kopf."

    Der 36-Jährige ist mit seinen Tieren für den Erhalt der Deiche zuständig. "Die Schafe verdichten den Boden und halten die Grasnarbe kurz." Aber gerade auf dem Deich am Fluss können keine Zäune aufgestellt werden und wegen der fehlenden Zäune gibt es nur im Ausnahmefall Schadenersatz vom Land, wenn der Wolf zuschlägt. "Herdenschutzhunde am Deich sind für mich verboten, die Gefahr für Urlauber ist zu groß", sagt Krogmann. So testet er jetzt zwei Esel zur Abwehr der Wölfe, Claus und Klaus nennt er sie, seit dem 3. Oktober sind sie da.

    Claus ist griffiger

    Der graue Klaus trabt heran, kaum nähert sich der Schäfer der Weide. "Das ist ein Kuscheltier", sagt Krogmann. Doch bei den Schafen hinten steht ein schwarzer Esel, es ist der Claus mit "C". "Das ist der griffigere, der hat auch schon einen Hund gebissen", sagt Krogmann. Und tatsächlich: Claus hat die Besucher auf seiner Weide fest im Blick, dann galoppiert er los. Kurz schnaubt er und trabt wieder zu den Schafen. "Das ist genau das Verhalten, dass wir sehen wollen", freut sich Krogmann.

    Die Esel hat der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) mit Mitteln des Umweltministeriums in Hannover angeschafft. "Aus der Schweiz und den USA wird von positiven Erfahrungen berichtet", sagt NLWKN-Sprecher Achim Stolz. "Das Projekt ist auf zwei Jahre ausgelegt." Zunächst gehe es um die Eingliederung der Esel in die Herde. "Das Projekt soll zeigen, ob und wie Esel erfolgreich im Herdenschutz eingesetzt werden können."

    "Ein Vorteil ist der günstige Unterhalt: Zwei Möhren am Tag und ein wenig Heu, sonst füttern sie sich selber", sagt Krogmann. "Nur einen Hektar einzuzäunen kann bis zu 20.000 Euro kosten." Und: "Die können über 40 Jahre alt werden. Herdenschutzhunde kann man nur etwa vier Jahre einsetzen." Auch störe Kälte die beiden gar nicht, erklärt er.

    Wehrhafte „Alarmanlage“

    Gute Erfahrungen mit Eseln hat Schäfermeister Tino Barth gemacht, seine Schafe stehen im Landkreis Vechta. 13 Tiere hat er durch eine Wölfin verloren, da waren aber keine Esel auf der Weide. "Der Esel rennt nicht weg, er stellt sich dem Wolf", sagt Barth. "In den Herden, wo die Esel integriert waren, kam es zwar zu Übergriffen, wir hatten aber keine Verluste", betont er. "Die Esel sind an der Innenseite am Zaun neben dem Wolf hergelaufen, haben geschrien und nach den Tieren getreten, das haben Augenzeugen beobachtet", sagt er. "Ein Esel ist eine lebende Alarmanlage, das war optimal."

    Und doch hat sich Barth von seinen drei Eseln getrennt. "Gegen einen Wolf können sich Esel wehren, aber gegen ein Rudel haben sie keine Chance. Deshalb haben wir die Tiere abgegeben, weil jetzt mehrere Wölfe in der Region gesichtet wurden." In Frankreich und der Schweiz seien Esel gerissen worden. "Das wollten wir unseren Eseln ersparen."

    Bei Schäfer Gerd Jahnke dürften Wölfe trotz Esels zugeschlagen haben. Bei drei Angriffen Ende November und Anfang Dezember hat er in Südergellersen im Landkreis Lüneburg zwölf Schafe verloren, 18 wurden verletzt. Für Jahnke kommt nur der Wolf als Urheber in Betracht, auch wenn die Ergebnisse der genetischen Untersuchungen noch ausstehen. "Bei allen drei Angriffen war ein Esel auf der Weide", sagt Jahnke. "Beim dritten Mal war zusätzlich auch ein Herdenschutzhund dabei." Auch ein Elektrozaun habe nicht geholfen. "Wenn all das nicht reicht, weiß ich auch nicht, wie wir uns schützen können", sagt Jahnke. "Der Wolfsschutz muss neu ausgerichtet werden - notfalls müssen einzelne Tiere getötet werden, um die anderen Wölfe zu schützen", fordert er.

    Wölfe kosten Zeit und Schafe

    Krogmann sagt nachdenklich: "Der Wolf kann uns Schäfer an einem Tag wirtschaftlich ruinieren. Die Hälfte meiner Arbeitszeit geht mittlerweile für den Wolfsschutz drauf." Optimistisch ist er nicht: "Langfristig werden da, wo Wölfe sind, keine Schäfer mehr sein." Laut Landesjägerschaft leben bereits mehr als 80 Wölfe in Niedersachsen, nur in Sachsen und Brandenburg dürften es mehr sein. "In Niedersachsen gibt es mehr Nutztiere auf der Weide als in jedem anderen Bundesland", sagt Krogmann - Konflikte sind programmiert.

    "Mit den Maßnahmen des Wolfsmanagements für den Schutz von Nutztieren sind wir auf einem guten Weg", sagt Umweltminister Stefan Wenzel (Grüne). "Trotz der wachsenden Wolfspopulation in Niedersachsen hat es im Vergleich zum letzten Jahr keine Zunahme von Nutztierrissen gegeben; in einzelnen Bereichen sind die Fallzahlen sogar rückläufig."

    "Wir müssen alle Methoden der Wolfsabwehr versuchen", sagt Frank Faß, Leiter des Wolfcenters Dörverden. "So müssen die Zäune perfekt aufgebaut sein. Es gibt nicht die eine Methode, die überall hilft", erklärt Faß. "Wir müssen auch überlegen, ob regional die Zäune höher als 90 Zentimeter sein müssen." Er begrüßt das Projekt mit den Herdenschutzeseln ausdrücklich: "Es geht um die Akzeptanz der Wölfe, nicht nur bei Nutztierhaltern."

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