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Berlin/Freiburg

Debat-O-Meter: Schulz gewinnt Unentschlossene

Ihr Urteil über das TV-Duell zwischen Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und dem SPD-Herausforderer Martin Schulz haben viele unserer Leser am Sonntagabend nicht nur für sich allein im Wohnzimmer gefällt – sie konnten zeitgleich mit der Fernsehdiskussion im Internet die beiden Politiker und ihre Aussagen bewerten: mit dem Debat-O-Meter. Das Ergebnis: Vor allem bei den eher unentschlossenen Teilnehmern konnte Schulz offenbar punkten.

Bundesweit hatten TV-Zuschauer die Chance, sich bei dem Debat-O-Meter anzumelden und auf ihren Smartphones, Tablets oder PCs ihre Bewertungen zu verteilen. Das Programm wurde an der Universität Freiburg entwickelt. Auch wenn das Ergebnis nicht als repräsentativ gilt, hat es bei mehr als 20.000 Teilnehmern durchaus eine große Aussagekraft. Demnach schnitt Martin Schulz im Debat-O-Meter gut ab: Während bei den meisten bundesweiten Umfragen die Kanzlerin vorn lag, sprach sich beim Debat-O-Meter eine knappe Mehrheit für den SPD-Politiker aus. Das gilt vor allem für eher unentschlossene Fernsehzuschauer.

Ausschläge bei Integration

Ein weiteres Ergebnis des Experiments, an dem auch viele unserer Leser teilgenommen haben: Schulz punktete stärker bei Männern und Jüngeren, während Merkel bei Frauen und Älteren überzeugte. Unterschiede zwischen Ost und West waren kaum feststellbar.

Den besten Wert bei allen Bewertungen erzielte Merkel im Themenfeld Migration und Integration mit der Ansage, für „null Toleranz“ gegenüber einem nicht mit dem Grundgesetz konformen Islam einzutreten. Ihr schlechtester Wert lag im Themenfeld Außenpolitik, als sie auf eine völkerrechtliche Verpflichtung zum Familiennachzug hinwies und erklärte, Deutschland habe diesbezüglich Nachholbedarf. Auch die Unentschlossenen lehnten diese Aussage stark ab. Ihre beste Stelle bei den Unentschlossenen hatte Merkel, als sie ein klares Nein gegen Terrorismus formulierte und für eine freiheitliche Lebensweise eintrat.

Seine besten Werte erreichte auch Martin Schulz beim Thema Migration: So erntete er Zustimmung vor allem für die Aussage, dass Menschen, die im Namen der Religionsfreiheit andere Grundrechte einschränken wollten, „in Deutschland nichts verloren haben“. Seine deutliche Ankündigung, als Bundeskanzler die EU-Beitrittsverhandlungen mit der Türkei abzubrechen, wurde im Debat-O-Meter ebenfalls positiv bewertet. Seinen schlechtesten Wert erhielt Schulz von den unentschiedenen TV-Zuschauern, als er den Islam als eine Religionsgemeinschaft „wie jede andere auch“ bezeichnete.

Beide Politiker konnten bei den TV-Zuschauern laut Debat-O-Meter an Sympathie, Glaubwürdigkeit und bei der Frage nach ihrer Kompetenz zulegen. Schulz profitiert zwar stärker, aber insgesamt bleibt er bei all diesen Punkten hinter der Kanzlerin. Anders sieht es dagegen bei den Unentschiedenen aus: Hier zieht Schulz an Merkel vorbei.

Beide können sich auf eine starke Zustimmung durch das eigene Lager stützen, Merkel wird allerdings auch im SPD-Lager weniger abgelehnt, als dies für Schulz bei den Unionsanhängern der Fall ist.

Das Fazit der Freiburger Forscher: Der Anteil der Unentschlossenen nimmt deutlich ab. Das TV-Duell hat den Wählern geholfen, eine Wahlentscheidung zu treffen. Sowohl CDU/CSU als auch SPD konnten nach dem Duell in der Wählergunst zulegen – die SPD profitierte aber etwas mehr, erklärte Experte Thomas Waldvogel.

Und wer war Sieger? Merkel oder Schulz? 40,3 Prozent erklärten beim Debat-O-Meter am Ende der Debatte Schulz zum Gewinner, 38,9 Prozent die CDU-Politikerin. 20,8 Prozent konnten keinen Sieger ausmachen. In der ersten Debat-O-Meter-Abstimmung zu Beginn des TV-Duells hatten sich die Zuschauer noch eher Merkel als Kanzlerin gewünscht. Das Bild hat sich also für Schulz im Laufe des Duells positiv bewegt.

Auch nach Erkenntnissen der Forschungsgruppe Wahlen hat Schulz bei dem TV-Duell positiv überrascht. Laut Zuschauerbefragung endete das Duell mit einem Patt. Insgesamt hat sich die Kanzlerin für 32 Prozent der insgesamt 1100 befragten TV-Zuschauer besser geschlagen, 29 Prozent sahen Schulz vorn. Für 39 Prozent gab es zwischen Merkel und ihrem Herausforderer keinen Unterschied.

Merkel liegt bei vielem vorn

Der Kanzlerin bescheinigten die TV-Zuschauer, sie sei sympathischer, glaubwürdiger und habe mehr Sachverstand. Unter den Befragten mit einer noch unsicheren Wahlabsicht hatte Schulz aber auch beim Experiment der Forschungsgruppe Wahlen die Nase vorn. Während bei 29 Prozent der SPD-Politiker den besseren Eindruck hinterließ, lag die Kanzlerin bei 25 Prozent vorn. Für 46 Prozent lagen beide auf gleichem Niveau.

Insgesamt hat das TV-Duell dem SPD-Herausforderer wohl mehr genutzt als der Kanzlerin. Nach dem Duell hatten 44 Prozent einen besseren und nur 7 Prozent einen schlechteren Eindruck von Martin Schulz. Bei 48 Prozent veränderte sich nichts. Bei der Kanzlerin hatten nach dem TV-Duell nur 11 Prozent einen besseren und 8 Prozent einen schlechteren Eindruck. Bei 81 Prozent blieb der Eindruck von Merkel unverändert.

Und noch ein positives Ergebnis für Martin Schulz: Forscher von Uni Koblenz-Landau und Uni Mainz sehen Angela Merkel nicht als Siegerin der Debatte. Schulz habe stärker davon profitiert als die Amtsinhaberin. Die Wissenschaftler um den Mainzer Politologieprofessor Thorsten Faas hatten rund 200 Teilnehmer eingeladen, bei einem Experiment über die Wirkung des TV-Duells mitzumachen. Sie sollten mit Druckknopfschaltern und Drehreglern spontan die Überzeugungskraft der beiden Politiker bewerten. mr

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