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Kommentar: Wie hilft denn ein Burkini-Verbot Frauen bei der Integration?

Integration – das ist eines jener schwierigen gesellschaftlichen Themen, bei denen es nicht nur richtig oder falsch gibt, nicht nur schwarz oder weiß, sondern jede Menge Grautöne bei der Frage, was denn unter einer gelungenen Integration zu verstehen ist und was nicht. Das gilt allemal für eine Gesellschaft, die die Freiheitsrechte jedes Einzelnen zu ihren wesentlichen Eigenschaften zählt. Diese Freiheit endet demnach erst da, wo sie die Freiheit des anderen beschränkt. Solange diese Grenze gewahrt wird, sind die freie Entfaltung der Persönlichkeit und die gleichen Rechte für alle die Maxime unseres Zusammenlebens.

Manfred Ruch, stellvertretender Chefredakteur der Rhein-ZeitungFoto: Jens Weber<br>
Manfred Ruch, stellvertretender Chefredakteur der Rhein-Zeitung
Foto: Jens Weber

Manfred Ruch zum Streit um Integration und Burkini-Verbot

Doch gerade weil das so ist, braucht eine solche Gesellschaft auch deutlich erkennbare Leitplanken, innerhalb derer sich die Mitglieder dieser Gesellschaft frei bewegen können. Sie brauchen ein gemeinsames Fundament, auf dessen Basis die Freiheit des Einzelnen mit den Bedürfnissen der Gesellschaft in Einklang gebracht wird. Das Fundament der Bundesrepublik heißt Grundgesetz.

Wer darin liest, der erkennt sehr schnell, dass es sich schlicht verbietet, wenn Männer ihren Frauen die Kleidung vorschreiben, ihnen das Arbeiten verbieten oder ihnen andere Wege der gesellschaftlichen Teilhabe versagen. Die Rechte der Frauen sind in unserer Gesellschaft nicht verhandelbar. Das ist eine jener Leitplanken, die ohne jede Einschränkung gelten müssen.

Die weitaus schwierigere Frage ist allerdings die der praktischen Umsetzung. Zählt zum Beispiel die Vollverschleierung, also das Tragen von Burka und Nikab, zu den schützenswerten Freiheitsrechten einer Frau (wie etwa eine absurd anmutende islamische „Frauenbeauftragte“ aus der Schweiz argumentiert)? Oder überwiegt nicht doch bei weitem die Zahl der Frauen, die von ihren Männern aus fundamentalistisch-religiösen Gründen zur Burka gezwungen werden? Würden diese Frauen die Burka fortschleudern, wenn sie alleine entscheiden könnten? Wer überzeugt ist, dass Letzteres eher der Wirklichkeit entspricht, der muss die Burka verbieten. Denn sie greift zutiefst in die Persönlichkeitsrechte der Frauen ein, die sie tragen müssen. Die Vollverschleierung verhindert aktiv den Kontakt zu unserer Gesellschaft. Und sie signalisiert in aller Deutlichkeit die Ablehnung fundamentaler gemeinsamer Werte. Muslimischen Männern, die dieses islamistische Weltbild auf Kosten ihrer Frauen leben wollen, muss klar sein, dass unser Land das falsche Land dafür ist.

Ganz anders verhält es sich mit dem Burkini, auf den sich die Union jetzt eingeschossen hat. Es geht um ein (erzkonservatives) Kleidungsstück, mithilfe dessen es etwa muslimischen Schülerinnen aus streng gläubigen Familien möglich ist, am gemeinsamen Schwimmunterricht teilzunehmen. Körper und Haare sind bedeckt, das Gesicht aber bleibt unverhüllt. Wer den Burkini verbieten will, der schießt über das berühmte Ziel hinaus. Denn dieses Verbot würde ebenfalls aktiv die Teilhabe dieser Mädchen an unserer Gesellschaft beschränken. Es würde nicht nur dafür sorgen, dass sie vermutlich permanent wegen „Krankheit“ im Schwimmkurs fehlen und dass sie niemals richtig schwimmen lernen. Es würde auch verhindern, dass sich diese Mädchen in einem Umfeld bewegen können, das ihnen im wahren Wortsinn beim Freischwimmen von religiösen Zwängen helfen kann.

Wie der Kampf gegen den Burkini enden kann, das zeigt der Blick nach Frankreich, wo man für kurze Zeit ein Verbot an manchen Badestränden erlassen hatte. Unwürdige Szenen spielten sich ab, als Ordnungskräfte das Verbot durchsetzen wollten. Frauen im Burkini wurden auf demütigende Weise öffentlich vorgeführt. Wie ein solches Verbot zu einer besseren Integration dieser Frauen und Mädchen führen soll, das bleibt das Geheimnis derer, die es fordern.

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