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Jochen Kampmann: Jod-S-11-Körner gibt es halt nicht für uns

Trill, das Futter für Wellensittiche, war mit seltsamen Jod-S-11-Körnchen versetzt. Das müssen wahre Wunderperlen gewesen sein, aber ich weiß nicht, ob es sie noch gibt. Macht im Grunde ja auch nichts.

Trill, das Futter für Wellensittiche, war mit seltsamen Jod-S-11-Körnchen versetzt. Das müssen wahre Wunderperlen gewesen sein, aber ich weiß nicht, ob es sie noch gibt. Macht im Grunde ja auch nichts. Aber vor Jahrzehnten schon machte die Werbung (eigentlich tut Werbung das, seit es sie gibt) eine fantastische Versprechung: Jod-S-11-Körnchen machen den Sittich besonders schlau.

Dauerhafte Dosierung selbstverständlich vorausgesetzt. Nun frage ich, abgeklärt und altersmilde, natürlich: Wie soll denn der Schlauheitsgrad eines Wellensittichs gemessen werden?

Mit einer Portion Skepsis muss auch Behauptungen begegnet werden, dass wir uns – wie auch immer – schlau oder sogar klug essen können. Dass es Nahrungsmittel gibt, die unser Wohlbefinden oder zumindest das Wohlgefühl beeinflussen können – selbstverständlich. Aber wer mehr erwartet, glaubt auch an den Nürnberger Trichter: Oben wird Wissen reingeschüttet und landet unmittelbar im Kopf.

Erwartungen zu wecken, dass sich auf ganz bequeme Weise Erfolge welcher Art auch immer einstellen können, sind ein Zeichen der Zeit. Ein paar Pillen oder Säfte, mehr Olivenöl und weniger Eier, schon läuft alles besser. Hauptsache einfach und bequem.

Wer sein Hirn nicht trainiert, also es anstrengt und fordert, sollte von Lebensmitteln auch keine Wunder erwarten. Lesen, hören und sehen, Neugierde auch gegenüber schwierigen und kniffligen Aufgaben sind wahrscheinlich die besten Mittel, sein Hirn hellwach zu halten – garantiert nur mit den schönsten Nebenwirkungen.

Was uns wirklich nachdenklich machen sollte: Ein italienisches Dorf sorgt seit Jahren mit dem Phänomen für Furore, dass die Bewohner dort überdurchschnittlich alt werden. Dass es das kleine Campodimele zwischen Rom und Neapel zu internationaler Berühmtheit brachte, liegt an einer Besonderheit: Erstaunliche 111 der 671 Einwohner des Dorfes sind zwischen 75 und 103 Jahren alt, gleichzeitig leben seit jeher überdurchschnittlich viele 100-Jährige im Ort.

Offensichtlich liegt es auch daran, wie sich Menschen ernähren. Nämlich schlicht und einfach. Viel Gemüse und Obst, wenig Fleisch, wenig, aber gutes Fett, kaum Salz, etwas Wein. Ist das Schlichte der Schlüssel? Essen mit Verstand? Am Ende ist einfache Kost auch gut fürs Hirn. Das wäre die Erklärung.

Von unserem Redakteur Jochen Kampmann

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