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    Jochen Bendel und die Ritterlichkeit

    Es ist wieder ruhiger geworden um Jochen Bendel, seit er den dritten Platz im Dschungelcamp holte. Im Interview mit uns philosophiert er über seine nicht ganz einfache Branche.

    Als Strahlemann ist Jochen Bendel den Fernsehzuschauern ein Begriff. Er scheint stets gut gelaunt zu sein. Dass es in seiner Branche aber auch heiß hergehen kann, erzählt er uns im Interview. Foto: dpa
    Als Strahlemann ist Jochen Bendel den Fernsehzuschauern ein Begriff. Er scheint stets gut gelaunt zu sein. Dass es in seiner Branche aber auch heiß hergehen kann, erzählt er uns im Interview.
    Foto: dpa

    Als Sie im Dschungelcamp waren, hat man von überall gehört: "Ah, der Jochen Bendel ist meine Kindheitserinnerung." Ist das ein Kompliment für Sie, dass Sie eine Kindheitserinnerung sind?

    Aber natürlich, das ist ein großes Lob für mich, weil viele Leute eben mit "Ruck Zuck" großgeworden sind. Ich war damals 19, als ich die Sendung übernommen hatte und selbst gerade dem Teenageralter entwachsen, und ich konnte mir gar nicht vorstellen, so eine Sendung mal zu moderieren, weil sie ursprünglich doch recht spießig gewesen war. Aber ich bin mit der Sendung gealtert und reifer geworden und habe sie 13 Jahre lang moderiert! Und ich freue mich, dass "Ruck Zuck" eine Kultspielshow geworden ist.

    "Kult-Kindheitserinnerung" - damit stehen Sie auf einer Stufe mit den Drei ???, und das will was heißen!

    Und mit Burg Schreckenstein.

    Oh! Sie sind Burg-Schreckenstein-Fan?

    Und wie! Ich komme aus einem Elternhaus, wo meine Mutter, mein Vater und meine Großeltern sehr viel Zeit für mich gehabt haben, als ich ein Kind war. Das ist ja heutzutage eher selten. Ich bin mit meinem Vater oft ins Marionettentheater gegangen oder in den Freizeitpark, ich habe mit meinen Freunden oft Theaterstücke aufgeführt. Und: Ich habe viel gelesen! Mein Lieblingsbuch war "Burg Schreckenstein" von Oliver Hassencamp, und ich wollte auch unbedingt auf genau so ein Internat gehen. Da habe ich meine Eltern richtig gequält, die wollten mich gar nicht auf ein Internat schicken, weil ich Einzelkind war. Aber ich habe mich tatsächlich durchgesetzt und durfte auf ein Internat - und ich war raus aus meinem wohlbehüteten Elternhaus. Aber das waren auch ganz tolle Erinnerungen.

    Was hat Sie an Burg Schreckenstein so begeistert?

    Zum einen natürlich, dass die Jungs in einer Burg gewohnt haben und dort zur Schule gegangen sind. Aber auch ihr ritterliches Verhalten, die Fairness, dass man sich nicht angelogen hat. Das hat sich mir sehr eingebrannt und mich wirklich begleitet.

    Jetzt begreife ich einiges an Ihrem Verhalten im Dschungelcamp.

    Ja, gell. (schmunzelt) Ich habe in meinem Leben wirklich davon profitiert, dass ich zum einen ein gesundes Elternhaus habe und zum anderen auf einem guten Internat war, wo ich auch gelernt habe, mit vielen anderen Menschen zurechtzukommen. Und ein Internat bedeutet ja auch Freiheit, mehr Freiheit als man zu Hause je haben kann. Da kann man große Teile seiner Freizeit selbst gestalten und so ausfüllen, wie man es möchte. Oder man ist auch beim Essen unabhängiger; dann esse ich halt beim Mittagessen nichts und haue mir dafür in der Studierzeit eine Tüte Chips rein. Oder ich spiele tagelang Musik im Musikzimmer. Ich muss allerdings dazusagen, dass ich nur bis zur achten Klasse im Internat war, danach wollte ich dann doch lieber wieder nach Hause zu meinen Eltern.

    Gehört zu ritterlichem Verhalten auch Ihr Gespür für Empathie?

    Ja. Empathie ist ja die Fähigkeit, sich in Gefühle anderer Menschen hineinversetzen zu können. So etwas kann man allerdings schwer lernen, man kann es sich vielleicht oberflächlich antrainieren. Ich gebe da beispielsweise auch Kurse für Manager, die sich Empathie aneignen wollen. Ich sage dann immer, dass ich ihnen gern empathisches Verhalten zeigen kann und dass sie sich davon inspirieren lassen können. Empathie bedeutet immer auch Neugierde, man muss sich auch für die Gefühle und Gedanken seiner Mitmenschen interessieren. Ich hatte auch da mit meinen Eltern Glück, die beide sehr empathisch waren.

    Man darf dabei nur nicht sich selbst vergessen, oder?

    Das stimmt, aber es kommt auch sehr viel zurück. Ein Beispiel: Wenn der Kollege zum Chef gerufen und dort zusammengebrüllt wird, weil dem Vorgesetzten eine Laus über die Leber gelaufen ist, dann reagiert man meistens mit einem "Ach komm, reg dich nicht auf, du weißt doch, dass der Chef ein Idiot ist. Das wird schon wieder." Diese Reaktion ist aber null empathisch. Wer sich wirklich in die Gefühle des anderen hineinversetzen kann, der würde sagen: "Puh, du fühlst dich jetzt wirklich ungerecht behandelt, hm? Das tut bestimmt weh." So merkt der andere: Ich werde verstanden. Und wenn man miteinander auf einer Wellenlänge schwingt, dann gibt man sich gegenseitig viel. So entstehen tolle Gespräche und sogar tolle Freundschaften.

    Wie ritterlich können Sie heute in Ihrer Branche sein?

    (schnauft) Sagen wir mal so: Meine Branche ist so wie alle Branchen, in denen Menschen arbeiten, anfällig für Emotionen. Das erklärt zum Beispiel das Phänomen Larissa - Sie wissen, unser Dschungelcamp-Topmodel. Ihr ist es egal, was die anderen von ihr halten, und deshalb sagt sie, was sie denkt. Die Zuschauer mögen das, weil es ehrlich ist. Man muss in meiner Branche besonders aufpassen, dass man sich nicht allzu sehr verbiegt, um es allen recht zu machen. Ich habe auch schon Jobs gemacht, die ich machen musste, um die Miete zu bezahlen, aber ich habe immer versucht, so etwas zu vermeiden. Grundsätzlich habe ich ja das Privileg, in einem Beruf zu arbeiten, der mir wirklich Spaß macht. Aber unsere Showbranche kann nur so ehrlich sein wie die Menschen, die in ihr arbeiten.

    Wo sagen Sie Stopp?

    Ich habe eine natürliche Schamgrenze, wenn es um öffentliche Nacktheit geht. Vor dem Dschungelcamp hat man mich gefragt, ob ich nicht auch Nacktfotos von mir machen wolle, und ich habe immer abgelehnt. Ich bin ja nicht allein: Ich habe eine Familie, ich habe einen Partner - was würden die denken? Man trägt ja auch Verantwortung für die Menschen, mit denen man das Leben teilt. Und es gibt im übertragenen Sinn Nacktheit in der Öffentlichkeit, den Seelenstriptease meine ich. Auch den versuche ich nach Möglichkeit zu vermeiden. Die Zuschauer des Dschungelcamps erwarten es ja geradezu, dass die Protagonisten die Hosen herunterlassen und sich in die Seele schauen lassen, dass sie zusammenbrechen und heulen, dass sie sagen, warum ihr Leben so Mist ist. Für mich war das nie ein Thema. Klar wollte ich auch authentisch und offen sein, aber ich wollte nie zu viel erzählen, auch als es mir schlecht ging. Und mir ging es wirklich teilweise schlecht, ich hatte schreckliches Heimweh und hätte wirklich jemanden gebraucht, bei dem ich mich hätte ausweinen können. Und da saß ich eines Tages im Dschungeltelefon, in diesem Sprechzimmer, und fing an zu reden, ich merkte, wie mir die Tränen in die Augen stiegen - und hörte gleichzeitig dieses leise Surren, als der Zoom der Kamera auf mein Gesicht zufuhr. Da bin ich schlagartig wach geworden, so als ob mir jemand ein Glas Wasser ins Gesicht schüttet. Und die Redakteurin von RTL fragte dann hinter der Kamera ganz zärtlich: "Magst du denn jetzt ein wenig über deine Gefühle sprechen, Jochen? Das ist doch bestimmt sehr schmerzhaft für dich gerade." Und ich habe mir die Nase geputzt und den Kopf geschüttelt und gemeint: "Nee, geht wieder." Ja, ich hätte da zusammenbrechen können, vielleicht hätten die Zuschauer Mitleid mit mir gehabt, vielleicht hätte mich das in der Schlusswertung der Show einen Platz weiter gebracht. Keine Ahnung. Aber ich wusste, dass dieser Moment meines Zusammenbruchs für ewige Zeiten auf YouTube und in den Fernseharchiven liegen würde - und das wollte ich nicht. Das war mir einfach zu privat.

    Aber jetzt erzählen Sie die Geschichte?

    Ja. Aber weil ich es Ihnen erzählen will. Nicht aus einem Affekt heraus, was ich später bereue. Ich hatte vor, dass ich einfach ins Dschungelcamp gehe, möglichst viel Spaß habe, keine emotionalen Zusammenbrüche habe und nicht verhungere.

    Was für einen Koch ja fast unmöglich ist. Zu verhungern.

    Ich zaubere aus allen Zutaten etwas, ja.

    Sie kochen wenigstens selbst. Beim "Promidinner" mit Ihren Dschungelkumpels haben wir ja deutlich gesehen, wer das nicht tut.

    Ja, verrückt, dass der Wendler wirklich nicht selbst gekocht hat. Auch Larissa hat nicht gekocht, und auch bei Marco hat die Mama vorbereitet und mitgeholfen.

    Sie Armer.

    Ja! Ich war der Einzige, der wirklich gekocht hat. Beim Vorgespräch hatte ich schon gesagt: "Leute, wie wollen wir das denn bewerten?" Und wir hatten eigentlich ausgemacht, dass wir alles nicht so ernst nehmen, sondern einfach Spaß haben. Aber der Michael hat das dann torpediert, er wollte das Ding wohl am Ende doch wuppen und hat es einfach nicht zugegeben, dass er sich hat helfen lassen. Also musste ich ihm leider nur zwei Punkte geben.

    Danke für das Gespräch, Herr Bendel, ich wünsche Ihnen noch eine gute Woche!

    Danke, die werde ich haben. Ich koche morgen für Pamela Anderson.

    Oha.

    Ja, da ist morgen ein großes Event für einen schwedischen Likörhersteller. Und ich durfte das Menü kreieren.

    Schon aufgeregt?

    Ein bisschen, aber die Testesser waren alle begeistert. Das lässt hoffen. (lacht)

    Das Gespräch führte Michael Defrancesco

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