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Tatort-Preview: Ein Roboter unter Mordverdacht

Zugegeben: Man ist durchaus froh, wenn ein „Tatort“ mal ohne Experimente auskommt. Wie an diesem Sonntag der neue Berliner Beitrag mit dem beziehungsreichen Titel „Tiere der Großstadt“. Keine Zoogeschichte, sondern der ganz normale Tiergarten namens Berlin, in dem, das sieht man gleich im schicken Vorspann, eine ganze Wildschweinrotte gemütlich die nächtliche Szenerie vor der Berliner Gedächtniskirche durchquert.

Ermittler Robert Karow (Mark Waschke) und die die „überambitionierte Kaffeemaschine, die im neuen „Tatort“ unter Mordverdacht steht  Foto: ARD
Ermittler Robert Karow (Mark Waschke) und die die „überambitionierte Kaffeemaschine, die im neuen „Tatort“ unter Mordverdacht steht
Foto: ARD

Redakteur Claus Ambrosius hat sich den neuen „Tatort“ angesehen. Sein Urteil: Ein fesselnder Krimi, der Berlin viel cooler erscheinen lässt, als es ist.

Der Mörder ist also immer das Wildschwein? Das könnte man meinen, schließlich ist auch das Berliner Ermittlerteam Nina Rubin (Meret Becker) und Robert Karow (Mark Waschke) von der Schuld der Paarhufer überzeugt, als eine Joggerin tot im Wald aufgefunden wird – mit einer Wunde im Oberschenkel, die eindeutig einem Wildschwein zuzuordnen ist. Wenigst ein geklärter Fall, könnten die beiden ungleichen Kommissare meinen, die auf der Arbeit so gar nicht harmonieren – und eine private Bekanntschaft lässt der schroffe Karow, der sich im Ton gegenüber Untergebenen bis zur Schmerzgrenze vergreift, ohnehin nicht zu.

Auf der Seele liegt beiden einer des ungewöhnlichsten Tode der „Tatort“-Geschichte: Ein Geschäftsmann, der einen robotergesteuerten Kaffeestand betreibt, wird tot in diesem wie in einem Schneewittchensarg liegend aufgefunden. Eine Kaffeedüse hat seinen Schädel durchschlagen, doch der Produzent des „Robista“ (Kunstwort aus Roboter und dem ebenso neu erfundenen Beruf Barista) weist jede Verantwortung von sich: Der Roboter ist gesichert gegen solche Unfälle, man müsse ihn schon auf Töten programmieren.

Rund um diesen ungewöhnlichen Todesfall – erstmals in einem „Tatort“ gerät ein Roboter unter Mordverdacht, falls das ethisch und/oder juristisch überhaupt möglich ist, zeichnet Regisseur Roland Suso Richter das Sittengemälde einer deutschen Hauptstadt, die auf allen Kanälen noch ein bisschen durchtechnisierter ist als im Moment, und in dem auch die Menschen sich einer allgemeinen Respektlosigkeit gegenüber allem und allen (von mangelnder Pietät gegenüber Toten bis hin zur Aufmüpfigkeit gegenüber den Kripo-Beamten) nur einen kleinen Schritt der Übertreibung weiter ist als unsere Realität. Also keine Dystopie, die dunkle Schwester der Utopie, sondern eine nur etwas mit dunkel getönter Brille, dabei aber messerscharfem Blick gefilmte Gesellschaftsbeschreibung, die nachdenklich macht.

Das Drehbuch von Beate Langmaack verzahnt die beiden außergewöhnlichen Todesfälle perfekt rhythmisiert, der Soundtrack von Nils Frahm mit vielen kleinteiligen Filter- und Verzerrunseffekten lässt die deutsche Bundeshauptstadt erstaunlich geleckt und cool erscheinen: Ein handwerklich wie inhaltlich gelungener „Tatort“, der bewährte Konzepte zum Spannungsaufbau gekonnt und mit ruhigem Atem – und dabei immer wieder überraschenden, starken Bildern umsetzt. Und starke Augenblicke verdankt man im Berliner „Tatort“ ohnehin der fabelhaften Meret Becker, bei der jede Kamerafahrt durchs erschöpfte Gesicht mehr über die Ermittlerin Rubin aussagt als mancher in langen Monologen ausdrücken könnte.

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