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München

„Tatort“-Preview: Duo sucht Mörder der Pornokönigin

Sie ist jung, sie ist schön – und verkehrt mit 25 Männern: Die Pornokönigin trägt Reizwäsche, ihre lüsterne Kundschaft dunkle Sturmmasken. Sie klatscht sich mit den Männern ab, schreitet durch ihr Spalier, kniet sich in ein Planschbecken – und befriedigt sie alle. Stundenlang, vor laufender Kamera. Am Ende ist die Königin tot.

Foto: BR
Unser Redakteur Hartmut Wagner hat sich den neuen Münchner „Tatort“ angesehen

So beginnt der neue Münchner „Tatort“ (Sonntag, ARD, 20.15 Uhr) – ein exzellenter Krimi mit schonungslosem Einblick in die Pornofilmszene. Die Kommissare Franz Leitmayr (Udo Wachtveitl, 58) und Ivo Batic (Miroslav Nemec, 63) ermitteln in ihrem 77. Fall „Hardcore“: Wer tötete die Frau? Wer waren ihre Sexpartner? Und wozu diente das Planschbecken? Sie tauchen ab in eine Subkultur, deren Filme sich angeblich niemand ansieht, aber in der Anonymität des Internets ein riesiges Publikum erreichen. Deutschland gilt als zweitgrößter Pornomarkt der Welt.

Die bizarrste Gestalt des Films ist Sam Jordan – ein Pornofilmmacher, der die Arme vor der Brust verschränkt und seinen Darstellern beim Sex die „Schlagzahl“ diktiert. Er wohnt in einem Haus am Stadtrand, einer verlebten Kleinbürgeridylle aus Blümchentapete, Schrankwand und Elchgemälden: Im Obergeschoss liegt Jordan senior, sein bettlägeriger Vater, der in den 70ern Softpornos à la „Liebesgrüße aus der Lederhosen“ drehte. Im Erdgeschoss führt Jordan junior sein Werk fort und macht Hardcorepornos mit nicht zitierfähigen Titeln.

Batic bekommt im Haus eine heftige allergische Reaktion: Als der Pornoproduzent über Erektionen, Koitierfähigkeit und künstlerischen Anspruch doziert, niest Batic plötzlich derart laut, dass Jordan zusammenzuckt und Leitmayr besorgt fragt: „Hast dich verkühlt, Ivo?“ – „Na!“, zischt der. „Ich bin doch so allergisch auf Arschloch!“

Eine der eindrücklichsten Szenen entsteht, wenn die Kommissare die Nachricht vom Tod der Pornokönigin überbringen. Sie sitzen im Büro ihres Vaters, warten, dass er zur Tür hereinkommt, und debattieren: Wer sagt ihm, dass seine 25-jährige Tochter tot ist? Und wer, dass sie als Pornodarstellerin arbeitete? Als hätte beides die gleiche Tragweite. Regisseur Philip Koch (35) will hier eine „Doppelmoral unserer Gesellschaft“ kritisieren: „Porno zu konsumieren, ist moralisch legitim, Porno zu machen hingegen unmoralisch, schmutzig und beschämend.“

Foto: frei

Die „Tatort“-Folge ist eine Gratwanderung. Weil Gruppensexszenen naturgemäß nicht geeignet sind für die beste Sendezeit der ARD. Und weil die Pornosubkultur vor englischen Begriffen strotzt, die man nicht jugendfrei übersetzen kann. Der Film deutet vieles nur an. Was wirklich zu sehen ist, kann man erahnen, wenn sich die Gesichter der Ermittler verfinstern oder eine Kollegin auf Bayerisch schimpft: „Jessas, Maria und Josef!“

Deutlicher wird eine nackte Schönheit, die bei Sam Jordan gelangweilt durchs Haus stöckelt: „Die beste Art, sich Sex abzugewöhnen, ist die, beim Porno zu arbeiten.“

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