40.000
Aus unserem Archiv
Kiel

Tatort-Preview: Borowski und die coole Sau

Borowski tanzt – sonnenbebrillt auf einem Parkdeck zur Warteschleifenmusik seiner Autowerkstatt, die aus seinem Handy schallt. Cool. Mila Sahin, auch sonnenbebrillt, sieht ihren neuen Kollegen, tanzt. Cool. Borowski swingt weiter, sieht die neue Kollegin, fühlt sich ertappt. Dann schmunzelt er sanft. Die beiden setzen sich in den roten Volvo des Kieler Kommissars und beginnen mit den Ermittlungen zu ihrem neuen Fall.

Redakteur Christian Kunst hat sich den neuen „Tatort“ angesehen. Sein Urteil: Ein richtig gut gemachter Krimi mit starken Charakteren und der richtigen Prise Humor.

Von Berlin-Neukölln an die Kieler Förde: Borowski wird von seiner neuen Kollegin Mila Sahin zu seiner Rolle im aktuellen Fall befragt. Seine Antwort: „Ich habe schon gegen mich ermittelt – ich bin unschuldig.“ Foto: NDR
Von Berlin-Neukölln an die Kieler Förde: Borowski wird von seiner neuen Kollegin Mila Sahin zu seiner Rolle im aktuellen Fall befragt. Seine Antwort: „Ich habe schon gegen mich ermittelt – ich bin unschuldig.“
Foto: NDR
Ja. Da stoßen zwei Generationen aufeinander: Axel Milberg, 62, und Almila Bagriacik, 28, Brummbär und quirlige Deutsch-Türkin, wie ihre Vorgängerin Sibel Kekilli. Doch beide Schauspieler, beide Charaktere ticken vom ersten Moment an zusammen – als ob sie sich schon seit Jahren kennen würden. Dazu trägt auch bei, dass Borowskis neue Kollegin nicht mit viel Tamtam, großer persönlicher Geschichte auftritt. Sie ist einfach da, unkompliziert, ohne Allüren – eine entwicklungsfähige Figur. „Mila ist ist einfach eine coole Sau“, sagt Schauspielerin Almila Bagriacik, bekannt aus dem ARD-Drama „NSU – Die Opfer“ oder „4 Blocks“, der Serie über einen arabischen Clan in Berlin.

Und die Neue weiß alles über Borowskis neuen Fall, der den Ermittler von der Förde in seine eigene Vergangenheit katapultiert. Borowski besucht die Familie seines Freundes Frank (Thomas Loibl), dessen Frau vor vielen Jahren verschwunden ist. Ihr Mann wurde verdächtigt, sie umgebracht zu haben. Sogar Borowski sagte gegen ihn aus. Doch aus Mangel an Beweisen wurde Frank freigesprochen. Mittlerweile lebt er mit seinen beiden Töchtern und seiner neuen Frau in einem Haus, in dem es spukt. So erlebt es zumindest die allerdings labile Ehefrau. „Dieses Haus will mich umbringen“, flüstert sie Borowski ins Ohr. Franks neue Liebe wird von ihrer eigenen Vergangenheit verfolgt. Doch eine Schlinge an der Decke und ein Hocker darunter oder eine brennende Bettdecke sind sehr real. Wer möchte, dass sie sich umbringt?

Borowski nimmt seinen alten Freund ins Visier, übernachtet sogar im „Haus der Geister“. Hautnah erlebt er den Wahnsinn, von dem Franks Frau berichtet hat. Ist der Kommissar verrückt geworden, oder ist er nur getrieben von der Eifersucht auf seinen Freund, dessen verschwundene Ehefrau er einst auch geliebt hat? „Ich habe schon gegen mich ermittelt – ich bin unschuldig“, sagt Borowski trocken zu seiner neuen Kollegin, als die im roten Volvo auch ihn ins Visier der Ermittlungen nimmt.

Dieser „Tatort“ ist gespickt mit solchen kurzen genialen Sequenzen – mit punktgenauen Dialogen und herrlich norddeutschen Sentenzen. Hinzu kommen sorgsam komponierte Szenen wie die zwischen Borowski und seiner Ex-Frau Gabrielle, die sich vor den Augen ihrer Balletteleven ein florett-feines Wortgefecht liefert. Später setzen sie das Duell fort, als Borowski sie um einen Gefallen bittet. Kostprobe: „Bitte, Gabi!“, sagt Borowski. Gabi: „Ich hasse diesen Namen – das klingt wie eine deutsche Spießerin in ihren Fünfzigern.“ Borowski: „Das bist du doch auch!“

Auch wenn „Borowski und das Haus der Geister“ nicht – wie einige seiner früheren Fälle – aus der Feder des schwedischen Erfolgsautoren Henning Mankell stammt, erinnern viele Elemente an Verfilmungen der Wallander-Bücher. Die Kamerafahrten über sonnendurchflutete norddeutsche Felder, das flimmernde Licht der Tage, das Flackern in düsteren Nächten, das dicke „S“ für Schweden am Heck von Borowskis Volvo – alles Reminiszenzen an die beliebten Skandinavien-Krimis, die seit Jahren im deutschen Fernsehen laufen. Das schafft eine wohlige Spätsommeratmosphäre an einem Sonntagabend, an dem man sich genüsslich in den Sessel verkriecht, an dem einem dieser Krimi einen Schauder nach dem anderen über den Rücken jagt.

Garniert wird das Ganze mit einer starken Besetzung, in die sich Axel Milbergs neue Kollegin Almila Bagriacik ganz unaufgeregt einreiht. Noch erfährt der Zuschauer wenig über die Figur der Mila Sahin. Doch nicht nur beim Tänzchen auf dem Parkdeck spürt er, wie viel Potenzial in dieser coolen Sau steckt.

Magazin
Meistgelesene Artikel
Anzeige
epaper-startseite
Anzeige
News aus Ihrer Region - Lokalteil wählen
wissenlinz,neuwiedremagenmontabaurandernach,mayenkoblenzdiezbademszellsimmernbirkenfeldkirn,badsobernheim,meisenheimbadkreuznach
Das Wetter in der Region
Samstag

-1°C - 10°C
Sonntag

2°C - 8°C
Montag

0°C - 6°C
Dienstag

0°C - 5°C

Das Wetter wird Ihnen präsentiert von:

Das Wetter in Koblenz
Samstag

0°C - 9°C
Sonntag

2°C - 7°C
Montag

0°C - 6°C
Dienstag

0°C - 5°C
UMFRAGE
Schnörzen, Dotzen oder Gribschen - Wer tut's noch?

Nach dem Martinszug ziehen die Laternenkinder mit ihren Eltern nochmal los. Sie klingeln an Haustüren, singen Martinslieder und bekommen dafür Mandarinen, Nüsse oder Süßigkeiten. Dieser Brauch heißt je nach Region Schnörzen, Dotzen oder Gribschen. Aber gibt es diese Tradition überhaupt noch?

Ihre Fragen, Hinweise oder Kritik

Onlinerin vom Dienst

Nina Borowski

0261/892422

Kontakt per Mail

Fragen zum Abo: 0261/98362000

Anzeige
Wirtschaft im nördlichen Rheinland-Pfalz
Event-Kalender
Veranstaltungstipps

Sie haben einen Veranstaltungstipp für uns? Hier geht's zum Formular!