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    Mainz

    Ein Betroffener erzählt: Die Glücksspiel-Spirale dreht sich nur nach unten

    "Wenn man Geld in den Automaten reinwirft, hat man plötzlich keine Probleme mehr. So erkauft man sich seine Ruhe." Peter L.s (Name von der Redaktion geändert) Stimme wird sehr leise. Es bewegt ihn spürbar, seine Geschichte zu erzählen.

    Etwa fünf Jahre hat es gedauert, bis er sich selbst eingestanden hat: Er ist glücksspielsüchtig.

    "Ich wusste gar nicht, dass das eine Krankheit ist. Ich dachte nur immer, irgendwas ist mit dir nicht ganz richtig."

    Tag und Nacht kreisten seine Gedanken nur um eine Sache: spielen. "Wenn man mehrere Stunden täglich vor den Automaten sitzt, dann träumt man nachts sogar auch von nichts anderem."

    Peter ist 37. Vor etwa acht Jahren hat er begonnen, Glücksspiele zu spielen.

    Ursprünglich aus Langeweile, wie er sagt. Und weil er abschalten wollte, abschalten von seinem Job. "Wenn man im Beruf unglücklich oder mit seinem Leben unzufrieden ist, und plötzlich am Spielautomaten gewinnt, dann fühlt man sich richtig gut."

    Angefangen hat es mit Automaten-Spielen in Spielhallen. In den Spielhallen habe er sich direkt wohl gefühlt.

    Schließlich gebe es dort alles, was man brauche, von Essen über Trinken bis hin zu sozialen Kontakten. "Das war wie ein Treffpunkt. Wir haben uns über viele Dinge unterhalten, nicht nur übers Spielen."

    Es geht nur noch um Geld

    Irgendwann, sagt Peter, sei er aber nur noch zum Spielen dorthin gegangen und habe kaum noch mit den anderen gesprochen.

    Gleichzeitig wurde sein Spielverhalten immer extremer. Längst spielt er nicht mehr nur am Automaten, sondern auch Sportwetten und andere Glücksspiele, "einfach alles, wo es ums Geld geht."

    Die Spirale zieht ihn immer tiefer und die Probleme werden immer größer. "Zu den ganz schlimmen Zeiten habe ich innerhalb von ein bis zwei Tagen meinen Monatslohn verspielt, und meinen Dispo noch dazu", gesteht Peter schüchtern.

    Bis zu 1500 Euro setzte er teils pro Tag ein.

    Natürlich habe er abends zu Hause geschockt realisiert, was er da gerade getan hat. Trotzdem habe ihn das nicht davon abgehalten, am nächsten Tag wieder in die Spielhalle zu gehen.

    Alles geht so weit, dass er seinen Job hinschmeißt. Das Spielen bestimmt sein Leben. "Ich habe keinen Ausweg gesehen, da irgendwann alleine rauszukommen. Ich war sehr verzweifelt."

    Er macht eine kurze Pause. "Es ging so weit, dass ich mir etwas antun wollte."

    Erst eine Beraterin der Arge hat ihn auf den Gedanken gebracht, dass es sich bei seinem extremen Spielverhalten um eine Suchtkrankheit handeln könnte. Sie zeigte ihm mögliche Hilfen auf.

    Das Angebot nahm er dankbar an.

    Etwas mehr als ein Jahr ist das her. Sechs Monate davon verbrachte er in einem Therapiezentrum in der Eifel. "Da habe ich zum ersten Mal erlebt, dass ich nicht alleine bin. Das hat so gut getan."

    Eine Therapeutin habe sich intensiv um ihn gekümmert und in Gruppensitzungen hat er von anderen Betroffenen Tipps für den Umgang mit der Sucht bekommen.

    Nicht vollständig geheilt

    Seit ungefähr acht Monaten ist er nun schon wieder zu Hause in der Nähe von Mainz. Hier besucht er regelmäßig eine Selbsthilfegruppe. Vollständig geheilt fühlt er sich noch nicht.

    "Seit ich wieder hier bin, bin ich so fünf oder sechs Mal in einer Spielhalle gewesen." Das sei aber kein Vergleich zu früher.
    Und insgesamt fühlt er sich auf einem guten Weg. Seine Freunde wissen von Peters Problem und unterstützen ihn.

    Auch seine Familie wisse Bescheid. "Sie sind sich aber unsicher, wie sie mir helfen können. Ich versuche, es einfach alleine durchzuziehen und mein Leben selbst wieder in den Griff zu kriegen."

    Hobbys können ihm dabei helfen, eine neue Arbeit sucht er auch. Nur in seinen alten Job darf er nicht mehr zurückkehren. Das hat ihm ein Neurologe verboten.

    Eine Bitte hat Peter noch, und man merkt wie sehr sie ihm am Herzen liegt. "Bitte schreiben Sie das: Lasst bloß die Finger weg von diesen Automaten! Gerade in der letzten Zeit habe ich sehr viele junge Menschen dort gesehen. Das ist einfach nicht gut!"

    Sarah Weingarten

    Ballons gegen die Spielsucht
    Mainz
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