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Boppard

Kehrt Tränenmadonna nach Boppard zurück?

Kehrt die 1970 aus der Bopparder Karmeliterkirche gestohlene Tränenmadonna bald an ihren angestammten Standort am Kreuzaltar zurück? Obwohl die Räuber der wertvollen Sakralkunst aus Boppard nie gefasst wurden, deutet alles darauf hin, dass der spektakuläre Kriminalfall für die katholische Kirchengemeinde St. Severus doch noch ein gutes Ende nimmt.

Die Tränenmadonna ist Teil einer Kreuzigungsgruppe eines Altars in der Bopparder Karmeliterkirche, der um 1510 in Ulm entstanden ist. Foto: Stadt Boppard
Die Tränenmadonna ist Teil einer Kreuzigungsgruppe eines Altars in der Bopparder Karmeliterkirche, der um 1510 in Ulm entstanden ist.
Foto: Stadt Boppard

Von Suzanne Breitbach und Wolfgang Wendling

Die Kirchengemeinde muss lediglich den Kaufpreis von 28 000 Euro aufbringen – ein Schnäppchen angesichts früherer finanzieller Forderungen, die um ein Vielfaches höher lagen.

Diebstahl am helllichten Tag

25. Mai 1970: Am helllichten Tag fährt ein "Handwerkerfahrzeug", so die Zeugenaussage, am rückwärtigen Eingang der Bopparder Karmeliterkirche vor, wo die Ganoven ungehinderten Zugang zum tagsüber geöffneten Kirchenraum haben. Sie stehlen fünf wertvolle Heiligenfiguren: Maria Magdalena, den heiligen Apostel Johannes und die Tränenmadonna vom Kreuzaltar, ferner einen Engel und die Muttergottes aus der Verkündigungsgruppe.

Maria Magdalena und den Engel bringt die Polizei kurze Zeit später wieder zurück. Allerdings sind beide Figuren stark beschädigt. Die übrigen drei Figuren schaffen die Diebe nach Belgien und verkaufen sie dort. Am 8. April 1971 fahren drei Mitglieder des Kirchenvorstands nach Brüssel und kaufen für 27 000 Mark einem Kunstsammler die Johannesfigur vom Kreuzaltar ab. Auch die Muttergottes aus der Verkündigungsgruppe wird für 7000 Mark zurückgeholt. Für die wertvollste Figur, die weinende Maria vom Kreuzaltar (Tränenmadonna), gehen in den nächsten Jahren immer wieder Angebote aus Belgien und Holland im Pfarramt St. Severus ein. So will 1987 ein Niederländer 800 000 Mark für die Tränenmadonna haben.

Jahre später meldet sich ein Mann aus Belgien bei Pfarrer Hermann-Josef Ludwig. Er bietet die Marienfigur für 750 000 Mark zum Rückkauf an. Er selbst habe 1 Million Mark für die wertvolle Figur ausgegeben, lässt er den Pfarrer wissen.

Für das sich anbahnende Happy End des 44 Jahre währenden Kriminalfalls werden im September 2013 die Weichen gestellt: Eine Frau aus Belgien übergibt im Auftrag ihrer Mutter dem Auktionshaus Dorotheum in Wien die um 1510 in der Werkstatt des Ulmer Künstlers Nikolaus Weckmann aus Holz gefertigte Madonna zum anberaumten Versteigerungstermin am 14. Oktober 2013. Doch das Auktionshaus findet die Marienfigur auf einer Liste gestohlener Kunstgegenstände des Bundskriminalamtes und schaltet die Staatsanwaltschaft Wien ein. Die Tränenmadonna wird daraufhin beschlagnahmt.

Aber damit ist die Odyssee der Marienfigur noch nicht beendet. Die Kirchengemeinde Boppard ist nur nach deutschem Recht der rechtmäßige Eigentümer der Tränenmadonna. Nach belgischem Recht ist die Sache viel komplizierter.

Klage ohne Aussicht auf Erfolg

Wer in gutem Glauben eine Sache erwirbt, ist rechtmäßiger Eigentümer. Die junge Belgierin kann gegenüber den Wiener Ermittlungsbehörden nachweisen, dass ihre Mutter im Jahre 1985 die Tränenmadonna bei einer Versteigerung in Belgien erworben hat. Daher läuft ein Herausgabeantrag der Kirchengemeinde ins Leere.

Jetzt könnte die Pfarrei auf Herausgabe klagen. Doch darin sieht der von der Kirchengemeinde eingeschaltete Rechtsanwalt Roger Ketzer von der Koblenzer Rheinlandkanzlei kaum Aussicht auf Erfolg. Denn nach deutschem Recht, erklärt Ketzer, verjährt ein Herausgabeanspruch geraubter Gegenstände nach 30 Jahren. "Wir haben uns außergerichtlich geeinigt", sagt der Jurist. Damit ist die Sache klar: Wenn die Kirchengemeinde die festgelegte Summe von 28 000 Euro aufbringt, kann sie die Tränenmadonna wieder ihr Eigen nennen.

  • Der Kirchenbauverein bittet daher um Spenden für den Rückkauf des Kulturschatzes für St. Severus Boppard und für die Stadt Boppard auf Konten bei der
  • Kreissparkasse Rhein-Hunsrück IBAN: DE 375 605 179 000 011 124 99
  • bei der Voba Rhein-Nahe-Hunsrück IBAN: DE 735 609 000 000 000 365 13
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